Krummhörn - In Greetsiel läuft die Gerüchteküche die heiß. Der Inhalt: Die Baugrundstücke im neuen Baugebiet Greetsieler Grachten II. Die sollten nämlich durch gesteigerte Baukosten und Pandemieunsicherheiten zurzeit wie Blei in den Regalen der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) liegen. „Quatsch“, räumt die NLG nun mit diesem Gerücht auf.
Zwei Absagen gegen hunderte Bewerber
Denn tatsächlich sei es so, sagt Aurichs NLG-Regionalleiter Jacobus Penning gegenüber dieser Zeitung, dass bis dato zwei potenzielle Häuslebauer von ihrem Grundstück zurückgetreten seien. „Das ist ein völlig normaler Wert und in keiner Weise beunruhigend.“ Dem gegenüber stünden hunderte Anfragen aus der Region und der gesamten Bundesrepublik für die insgesamt rund 110 Grundstücke, die sich in etwa 40 vergünstigte und 70 normal bepreiste aufteilen. Ähnlich die Zahlen im Pewsumer Baugebiet „Escherweg“. Dort sei bis dato ein Interessent von seinem Grundstück zurückgetreten. Hier verkauft die NLG knapp 60 Grundstücke.
Warum die Bauinteressierten von ihrer Kaufoption zurücktreten, sei der NLG unbekannt. „Das fragen wir auch nicht ab – und es geht uns auch nichts an“, sagt Penning. Natürlich könnten gestiegene Baukosten eine Rolle spielen oder Sorge um den dauerhaften Arbeitsplatz im dritten Jahr der Corona-Pandemie. Es könnten aber auch familiäre Gründe reinspielen. Jedenfalls: „Absagen von Kaufinteressierten haben wir in jedem Baugebiet und da spielen Greetsiel und Pewsum überhaupt keine besondere Rolle.“ Die NLG sei quasi „tiefenentspannt“, was die Grundstücksnachfrage angehe, sagt Penning.
Sorge um gestrichene Fördergelder
Noch zumindest. Denn jüngste Nachrichten aus dem Bundeswirtschaftsministerium lassen auch in Aurich die Ohren klingeln. Der Bund hat über die eigene Förderbank KfW Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen ausgesetzt. Als Grund nannte das Wirtschaftsministerium eine Antragsflut und drohende Mehrkosten in Milliardenhöhe. Nun könne es durchaus sein, befürchtet Penning, dass der eine oder andere Bauherr Förderprogramme der KfW in seine Baukostenkalkulation eingerechnet hat und es ohne die Fördergelder an der Finanzierung hapert. „Das müssen wir jedenfalls befürchten.“ Es sei also nicht ausgeschlossen, dass es in den nächsten Wochen oder Monaten tatsächlich noch eine spürbare Reduzierung der Grundstücksnachfrage gebe.
Zweiter Bauabschnitt in Pewsum
Ungeachtet dessen drängt die Soziale Wählergemeinschaft Krummhörn (SWK) zurzeit auf eine zügige Erschließung des zweiten Bauabschnitts im Pewsumer Baugebiet Escherweg. Dort soll sich das Baugebiet schließlich bis zur Integrierten Gesamtschule am Bunten Weg entwickeln. Antragstellerin Nadine Booken (SWK) aus Pewsum verweist in ihrer Antragsbegründung zwar auf die zurzeit spürbar gestiegenen Baukosten, hält dem aber die Planungszeit zur Entwicklung eines neuen Baugebiets entgegen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Planungen lange andauern.
Tatsächlich gab es in der Gemeinde Krummhörn in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen über verzögerte Planungsphasen für neue Baugebiete. Prägnantes Beispiel ist die Situation in Pilsum, wo Politik und Verwaltung bereits 2012 das Baugebiet „Alte Brauerei“ auf den Weg brachte. Die Planungsphase dort dauerte so lange an, dass Gutachten zur Vogelkartierung mehrfach durchgeführt werden mussten, weil die ersten Ergebnisse zwischendurch wieder veraltet waren. Noch immer befinde sich dieses Baugebiet laut NLG „in Vorbereitung“. Am Donnerstag soll im gemeindeeigenen Infrastruktur-Ausschuss über den Antrag der SWK gesprochen werden.
