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Sturmschäden am Radweg Frisiaschloot in Emden „Auch ohne Sturm wären die Pappeln fällig“

Stephanie Schuurman
Erklärten die Sachlage vor Ort: BEE-Chef Nils Andersson und BEE-Abteilungsleiter Jannes Utecht. Swantje Rosema (SPD, Mitte) war als eine der Vertreterinnen des Rates der Einladung gefolgt.

Erklärten die Sachlage vor Ort: BEE-Chef Nils Andersson und BEE-Abteilungsleiter Jannes Utecht. Swantje Rosema (SPD, Mitte) war als eine der Vertreterinnen des Rates der Einladung gefolgt.

Schuurman

Emden - Es ist wirklich keine Rettung für die nach den Frühjahrsstürmen verbliebenen Pappeln am Radweg Frisia-Schloot möglich - wenn dieser Weg jemals wieder als Radweg genutzt werden soll. Das ist, kurz gefasst, die Einschätzung der Baum-Experten des Bau- und Entsorgungsbetriebes Emden (BEE), die am Dienstag Vertreter der Ratsfraktionen in den 4. Polderweg eingeladen hatten, um sich vor Ort ein Bild zu machen und über das Für und Wider der geplanten Fällaktion aufzuklären.

Linden statt Pappeln

Eigentlich nur über das Für. Denn BEE-Leiter Nils Andersson machte deutlich, dass anderenfalls der seit Monaten gesperrte Radweg womöglich für immer gesperrt bleiben könnte. Der BEE sei hier in der Verkehrssicherungspflicht. Er verwies nochmals auf den ursprünglich einstimmig gefassten Beschluss im zuständigen Ausschuss, wonach nicht nur die elf umgeknickten Pappeln, sondern auch alle weiteren Pappeln gefällt und gegen Linden ersetzt werden sollen.

Tatsächlich gelangten die Politiker und BEE-Vertreter nur ein kleines Stück weit in den abgesperrten Radweg. Jeder Meter weiter steigt die Unfallgefahr durch weitere abbrechende Äste in dem einem Urwald ähnelnden Gebiet. Diese Gefahr ist im Übrigen nicht einmal dadurch gebannt, dass die Äste durch den Bewuchs von Blättern vital aussehen. Pappeln, so erklärte der BEE-Baumkontrolleur Heino Kolbe, haben die Eigenschaft, unter bestimmten Bedingungen, wie durch Trockenheit ausgelöster Zelldruck, belaubte Äste einfach abzuwerfen.

„Sommerbruch“

Der „Sommerbruch“ oder „Grünabwurf“ sei einer der Gründe, weshalb es nicht einmal der Stürme bedurfte, um die Pappeln in Frage zu stellen, so Utecht. Sie wären zumindest an dieser Stelle auch ohne Sturm reif gewesen. Betroffen sind demnach sämtliche Pappeln rechts des Weges. Sie sind etwa 80 Jahre alt.

Bis zu 120 Jahre könnten Pappeln dieser Art gewöhnlich werden, jedoch nur mitten der Landschaft. Das schaffen sie in der Regel nicht, wenn sie an Straßen oder Wegen stehen, so Kolbe. Da sei eben der Sommerbruch vor, verbunden mit der Verkehrssicherheitspflicht.

Anders verhalte es sich bei den alten Pappeln links vom Radweg. Sie stürzen allenfalls auf Ackerland. Zwischen Radweg und diesen Pappeln schützen Frisia-Schloot, Schlafdeich und Mischgehölze. Deshalb dürfen diese Pappeln bleiben.

Ökologische Aufwertung

Dass nur die umgestürzten und in Mitleidenschaft geratenen Pappeln entfernt werden können, schloss Utecht aus. „Beim nächsten Sturm werden wieder Pappeln fallen, da bekommen wir sonst keinen Fuß in die Tür“, sagte er. Im Übrigen sollen die 53 Pappeln und durch Kollateralschaden zerstörten Walnussbäume 1:1 durch Winterlinden ersetzt werden. „Das ist eine ökologische Aufwertung, weil die Linde anders als die Pappel ein Insektenbaum mit Blüten ist und eine viel höhere Lebenserwartung hat.“

Gutachten gefordert

Das hatte Grünen-Ratsmitglied Bernd Renken, wie berichtet, im Verwaltungsausschuss etwas anders gesehen, wodurch der zuvor einhellige Beschluss wieder zur neuen Beratung aufgehoben worden war. Er hatte auf die ökologischen Vorzüge von alten Bäumen verwiesen, außerdem Einzelgutachten für die unbeschädigten 23 Pappeln gefordert. Diese Begutachtung sei allerdings längst durch Kolbe erfolgt, sagte Andersson. „Wir haben hier beim BEE absolute Fachleute, versierte und studierte Baum-Experten.“

Renken war im Übrigen am Dienstag nicht vor Ort. Stattdessen war sein Parteikollege Sebastian Borchers dort und unterstrich auf Nachfrage, dass man schließlich um jeden Baum kämpfen müsse.

Im Frühjahr befahrbar

Andersson warb nochmals eindringlich um einen einvernehmlichen Beschluss der Politik zum geplanten Vorgehen des BEE. Sollte dieser in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses erfolgen, könne der beliebte Radweg zwischen Polderweg und VW voraussichtlich im Frühjahr 2023 wieder genutzt werden. Für die Fäll- und Aufräumarbeiten ab Herbst sowie die Neuanpflanzungen müssten dann bald die Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden.

Ein Antrag auf eine 75-prozentige Förderung mit Landesmitteln für einen neuen Radweg – die alte nur in ein Mörtelbett gelegte Schotterpiste wird nach dem Einsatz von schwerem Gerät eh‘ nicht mehr nutzbar sein – sei bereits erfolgt. Bei Zusage könne der Weg Anfang 2023 neu angelegt und asphaltiert werden, ganz nach dem Vorbild des Radweges nordwestlich zwischen dem 4. Polderweg und Larrelter Straße. Dieser wird bereits von Winterlinden gesäumt.

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