Emden - Beim Thema Luftreiniger in Schulen gehen die Meinungen in Emden weit auseinander. Das ist am Mittwoch im Schulausschuss deutlich geworden. So fordert der Stadtelternrat, zum Schutz der Kinder vor Coronaviren auch jene Klassenräume mit solchen Geräten auszustatten, die nicht durch die Landesförderung abgedeckt sind. Notfalls auf eigene Kappe der Kommune.

Während einzelne Ratsmitglieder diese Sichtweise voll (Bernd Janssen/GfE und Lars Mennenga/DieFraktion) oder zumindest teilweise (André Göring/Grüne) unterstützten, verwies die Stadtverwaltung auf die Zuständigkeit des Landes, auf noch fehlende Erkenntnisse über eine messbare Wirksamkeit und auf den daher lediglich ergänzenden Einsatz in Räumen, wo Lüften erschwert ist. Das müsse gegenüber den Kosten abgewogen werden.

Die Ausstattung jener 509 Unterrichtsräume, die nicht unter die Förderauflagen fallen, würde laut Stadt immerhin Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro bedeuten. Die Summe basiert auf den Gerätekosten aus der Ausschreibung für die geförderten Räume. Ein Gerät (ausreichend für einen kompletten Unterrichtsraum) habe da 2400 Euro gekostet. „Eine günstigere Stückzahl sei auch bei einer höheren Anzahl an Geräten voraussichtlich nicht zu erzielen“, hieß es dazu in der Sitzungsvorlage. Grundsätzlich sei das Land in der Pflicht, befand auch CDU-Ratsherr Wilke Held. Er hielt aber zumindest die Ausstattung der Grundschulen für überdenkenswert. „Sollte es da Initiativen geben, würden wir das mittragen.“

Die Stadtelternratsvorsitzende Zerrin Mentjes stellte das alles nicht zufrieden. Ebenso wenig wie die Auskunft der Stadt auf die ergänzende Forderung, die Keimbelastung in den Klassenräumen zu messen, die bereits eine Luftreinigungsanlage nutzen. „Um zu gucken, ob das was bringt und man etwa auf Masken verzichten kann“, wie Mentjes hervorhob. „Wenn ja, sollte man investieren.“

Doch dafür gebe es noch kein geeignetes Prüfverfahren, geschweige denn eine verlässliche Messlatte, so Schul-Fachdienstleiter Michael Groeneveld, der damit die Antwort der Prüfgesellschaft Dekra auf Anfrage des städtischen Gebäudemanagement wiedergab. Er betonte noch einmal, dass Luftreiniger nicht das Lüften ersetzen und zudem eine Lärmbelastung von den Geräten ausgehe. „Wir gehen mit der Auslieferfirma gerade durch, ob man die Geräte neu einstellen kann.“ Runterregeln gehe aber nur bedingt, ergänzte Stadtrat Volker Grendel. „Dann hat man nicht mehr die gewünschte Luftumwälzleistung.“ In einigen Fällen hätten sich Klassen von der Nutzung auch schon wieder verabschiedet, weil es zu laut ist. „Könnte man daraus nicht einen Pool bilden für die, die Geräte haben wollen?“, fragte Friedrich Busch (FDP). „Das ist doch klar“, sagte Grendel. Allerdings müsse auch da nach einem bestimmten Muster verteilt werden.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung