Emden - Nein, der Geruch, der einem in vielen Brauhäusern entgegenschlägt, kommt im Garagenanbau in Emden nicht auf. Vielleicht dezent. Die Menge, die hier gebraut wird, ist auch eher überschaubar. Auf 200 Liter im Jahr kommen Theo Casjens und Thorsten Meyer. Und im großen Kochtopf sind es beim Besuch gerade einmal 60 Liter, die jetzt in den Gärtopf gepumpt werden müssen. Was dann den Weg in Flaschen oder in die 20 Liter-Fässer findet, ist noch einmal ein bisschen weniger – für den Eigenbedarf und unter Freunden und Bekannten reicht die Menge aber allemal.

Bierbrauer besuchen: Das hört sich spannend an. War es auch und eine Probe muss natürlich sein beim Besuch der „T&T Brau Bude Emden“ – das lassen sich die beiden Bierbrauer nicht nehmen. Es geht ja um ihr Produkt. Es gibt belgisches Dubbel, würzig, im Geschmack erst einmal ungewohnt, doch angenehm süffig – einfach gesagt: Die Flasche Bier schmeckt sehr gut. Doch bei acht Prozent Alkoholgehalt sollte jeder vorsichtig sein, wie viel er davon trinkt. An diesem Abend geht es aber hauptsächlich um das Hobby – und natürlich um den Geschmack und das Probieren.

Wie kamen sie auf diese Idee? Ganz klare Antwort: in bierseliger Laune. Nicht nur die Biersorten, die sie mittlerweile selbst brauen, haben Meyer und Casjens immer gut geschmeckt. „Proben ohne Bier geht nicht“, sagt Meyer. Er meint damit die Musikabende im Bunker, wenn er, Casjens, Jan Mitwollen und Frank Gerdes mit ihrer Punkband „Borssum Allstars“ neuste Stücke einspielen, oder alte Stücke fleißig Proben. „Und wie Thorsten es schon sagte, dann trinken wir etwas dazu“, so Casjens, der eigentlich mit vollem Vornamen Theodor heißt, aber bitte, so nennt ihn kein Mensch. Zurzeit spielt die Band zehn neue Stücke für die insgesamt vierte CD ein, vielleicht gibt es in diesem Jahr zum 30-jährigen Bandbestehen auch noch ein Konzert – mal sehen – sagen beide, was so alles möglich ist.

Doch zurück zum Brauen. Die Biere bei den Band-Proben wurden ihnen mit der Zeit langweilig. „Es waren die Sorten, die jeder so trinkt und die es überall zu kaufen gibt“, sagt Casjens. Durch einen befreundeten Bierbrauer – Tobias Pape vom Norderneyer Brauhaus – und über Musikfestivals kamen sie mit der sogenannten Craftsbeerszene (siehe Infokasten) in Berührung. Experimentieren ist beim Craftbeer kein Fremdwort, in der Szene ist das sogar gewollt. Hier kommt nicht nur eine Hopfensorte zum Einsatz, gebraut wird mit einem kreativen Mix verschiedener Hopfensorten. Und warum nicht zu den Musikabenden einmal ein selbst gebrautes Bier mitbringen? Vor rund vier Jahren machten Meyer und Casjens unabhängig voneinander ein Bierbrauseminar in der historischen Landbrauerei in Bagband. Auch das war irgendwie wie eine Initialzündung.

Doch ein Hobby ist nur dann gut, wenn zudem die Frauen irgendwie dahinterstehen. Die beiden Emder waren mit ihren Frauen Martina Casjens und Monika Meyer vor ein paar Jahren in der Therme in Bad Nieuweschans. Und wie das manchmal in entspannter Atmosphäre so ist, kam die Sprache auf das Brauen. „Unsere Frauen haben uns Rückendeckung gegeben“, so Casjens. Und damit war der Startschuss gefallen. „Ich hatte auch schon einmal vor gut 30 Jahren Bier gebraut, das war aber in Sachen Informationen und Zubehör richtig abenteuerlich“, erinnert sich Meyer. „Heute findet man im Internet so viel.“ Und das Zubehör für den Brauvorgang ist heutzutage wesentlich einfacher zu bekommen.

Auf die Frage, wann sie das denn kommerziell machen, müssen sie erst einmal schmunzeln. Verständlich, wer die kleinen Apparaturen im Garagenanbau sieht. Da sind Unmengen nicht herzustellen. „Wir dürfen auch nur für den Eigenbedarf brauen, und das sind 200 Liter im Jahr“, sagt Meyer. Sie haben eine Steuernummer, der Zoll weiß Bescheid – dort müssen sie sich jedes Jahr anmelden -, und bei jedem Brauvorgang gibt es ein Protokoll, was genau zusammengemischt wurde und in welcher Menge. Das ist vor allem deshalb wichtig, wenn das Endprodukt richtig gut schmeckt. „Wenn du dann nicht mehr weißt, was alles drin ist in dem Bier, hast Du beim Nachbrauen ein ganz großes Problem“, sagt Meyer lachend. Dazu, oberstes Gebot auch in dem Garagenanbau, müssen alle Utensilien absolut steril sein. Schließlich sollen keine Verunreinigungen ins Bier kommen.

Den Anfang nahm ihr ungewöhnliches Hobbys erst einmal im Band-Probenraum, die beiden Mitspieler waren sozusagen immer live dabei. Vorteil: Casjens und Meyer hatten immer sofort ein Feedback von Mitwollen und Gerdes. Nachteil: „Das wurde schnell zu unübersichtlich und eng“, sagt Casjens. Die Resonanz der Bandmitglieder und Familien sowie Freunde waren beim selbst gebrauten Bier auf jeden Fall sehr positiv. Soll das etwa heißen, dass sie gleich den Nagel auf den Kopf getroffen haben? „Na ja, das erste Bier war so lala“, sagt Casjens lachend und Meyer ergänzt: „Aber trinken konnte man es.“ Ein Hefeweizen war der erste Versuch. „Vielleicht haben wir die Reifezeit nicht genau eingehalten“, überlegt Meyer, warum dieser Versuch nicht so recht gelungen war. Und die muss nun einmal ebenso penibel eingehalten werden wie alle anderen Dinge beim Brauen. Doch bereits das zweite Produkt – ein indisch Pale-Ale-Bier – der „T&T Brau Bude Emden“ hatte alles, was sich Meyer und Casjens erhofft haben. Seitdem läuft es weiterhin sehr gut mit dem selbst gebrauten Bier.

Dass ihr Bier gut ist, haben sie bei der Deutschen Meisterschaft der Bierbrauer auf dem Kreativbierfestival in Stralsund vor drei Jahren gemerkt. Dort sind sie unter 500 Teilnehmern im ersten Drittel gelandet. „Wir sind mit der Platzierung sehr zufrieden gewesen“, so Casjens. Ob sie noch einmal mitmachen, lassen sie offen. Denn das Hobby soll erst einmal nicht in Stress ausarten und auch nur Hobby bleiben. Vielleicht geht irgendwann dann ja doch mehr. Aber auch das lassen sie sich offen.

Im Mai 2021 sind sie aus dem engen Probenraum dann auf der Suche nach einem neuen Domizil fündig geworden und in der jetzigen Stätte gelandet. Doch ans Loslegen in Sachen Bierbrauen war nicht zu denken. Der Raum musste erst einmal hergerichtet werden. „Als mit dem Mietvertrag alles klar war, haben wir hier ordentlich renoviert“, so Casjens. Ab August ging es dann mit dem Bierbrauen los. Die Summen, die sie in Equipment und für die Renovierung ausgegeben haben, können sie nicht genau beziffern. „Ein paar Tausend Euro sind es auf jeden Fall“, sagt Meyer. Beide finden, dass das für ein so intensives Hobby angemessen ist. Dazu zahlen sie jetzt natürlich zusätzlich Miete und Nebenkosten. Und sie denken auch schon weiter. „Vielleicht wird das hier ja einmal eine Begegnungsstätte für Freunde und Bekannte“, sagt Casjens. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik.

Denn neben dem finanziellen Aufwand fließt auch Zeit in ihr Hobby. „Am Brautag sind das schon einmal 14 Stunden“, sagt Casjens. Sieben bis zehn Tage muss das Bier unter Zusatz von Hefe dann bei einer bestimmten Temperatur gären, bevor mit Zuckerzusatz die Nachgärung eintritt. Es dauert also einige Wochen, bevor das Endprodukt dann hoffentlich schmeckt – das ist aber bisher immer der Fall gewesen – auch dank einer guten Protokollierung. Seit gut zwei Jahren sind die Beiden am Experimentieren – ein Teebier. Nicht einfach in der Herstellung, wie sie sagen. „Wir sind aber auf einem guten Weg“, so Meyer. Wie es sich für Emder gehört, experimentieren sie „natürlich“ mit Thiele Tee Silber. Und eins ist sicher: „Die Ideen gehen uns nicht aus“, sagen beide. Na dann, Prost!

Dirk de Vries
Dirk de Vries Emder Zeitung