Emden - Zerstörung und Wiederaufbau Emdens sind am Schreyers Hoek eindrucksvoll zu sehen. Vor 78 Jahren, am 6. September 1944, fiel die teils Jahrhunderte alte Bausubstanz der Landzunge zwischen den Delft-Armen in Schutt und Asche. Gerade einmal 18 Minuten – von 18.24 bis 18.42 Uhr – dauerte der bis dato schwerste alliierte Fliegerangriff auf die Stadt. Das Venedig des Nordens gab es nicht mehr. Das Ausmaß der Verwüstung ist auf der Aufnahme von 1946 deutlich zu erkennen.
Viele Jahre blieb das Gelände eine Trümmerwüste. Erst Ende 1957/Anfang 1958 begann die „Neue Heimat“, die Wohnungsbaugesellschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes, mit dem Bau der bis heute ortsbildprägenden Wohnhäuser. Packhäuser wie vor dem Krieg sollte es an der markanten Stelle nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen am Schreyers Hoek Waren-Umschlag stattgefunden hatte, waren damit endgültig vorbei.
Überglücklich in der Freiheit: Wolfgang, Ottmar und Irene Trudrung waren kurz vor dem Mauerbau aus der DDR nach Emden geflüchtet. Bild: Wolfgang Trudrung
Von all dem wussten Wolfgang, Ottmar und Irene Trudrung nichts, als sie sich 1961 vor den Wohnhäusern fotografieren ließen. Erst wenige Monate zuvor waren sie – quasi in allerletzter Minute vor dem Mauerbau – aus der DDR nach Emden geflüchtet. Dort kamen sie gemeinsam mit ihren Eltern Ewald und Cläre bei den Großeltern Blättermann unter, die vis-a-vis der Wohnhäuser am Schreyers Hoek lebten. Das Foto, das drei glückliche Kinder zeigt, dokumentiert nicht nur Emder, sondern auch deutsche Geschichte. Herzlichen Dank an Wolfgang Trudrung aus Bückeburg, der die Aufnahme zur Verfügung gestellt hat.
