Emden - Herausgeputzt lässt sich dieses Paar – vielleicht nach einem Spaziergang – im Jahr 1938 auf der Delft-Treppe fotografieren. Das Bild könnte am 1. Mai aufgenommen worden sein, dafür spricht der Girlanden-Schmuck.

Entstanden ist die Treppe samt der flankierenden Sandstein-Balustrade um 1897. Zugrunde liegt eine großartige stadtplanerische Idee. Die Vorgeschichte: Bis 1889 erstreckt sich der Delft noch fast bis zur heutigen Fußgängerzone „Zwischen beiden Sielen“. Eine fünfbogige Brücke auf Höhe des Rathaus-Bogens verbindet West und Ost.

Doch durch den Bau der Nesserlander Schleuse und den Ems-Jade-Kanal hatten sich die Entwässerungsverhältnisse in der Stadt stark verändert. Der nördliche Delft taugt nicht mehr für Bootsverkehr und auch zur Entwässerung wird der Wasserlauf nicht mehr benötigt. Also stecken die städtischen Baumeister die Köpfe zusammen und liefern einen städtebaulich großen Wurf ab: Die Wasserfläche wird zugeschüttet und stattdessen der Stadtgarten angelegt. Als gefälligen Abschluss zum Wasser werden Delfttreppe und Balustrade errichtet.

Wie gesagt: Bis heute ein großer Wurf – allein schon wegen der vielen Junggesellinnen und Junggesellen, die dort ihren 30. Geburtstag statt Feiern mit Fegen verbringen.