Krummhörn - Was den Zustand der Deiche angeht, können sich „die Menschen so sicher wie noch nie fühlen“. Das sagte der bisherige Oberdeichrichter Alwin Brinkmann in seinem letzten Jahresbericht während der Sitzung der Deichacht Krummhörn. Brinkmann blickte dabei auch auf die laufenden und die geplanten Bauarbeiten entlang der 55 Kilometer langen Deichlinie im Verbandsgebiet.
Die Bauaktivitäten
Die sichtbarste Aktivität findet zwischen Upleward und Manslagt statt. Hier wurde in diesem Jahr ein 600 Meter langes Stück Deich erhöht. Für die beiden kommenden Jahre 2023 und 2024 ist der vierte Bauabschnitt vorgesehen. Die Erhöhung und Verstärkung des Deiches sind auf einer Länge von 1,2 Kilometern geplant. Anfang Februar soll der Vergabevorschlag gemacht werden. Dann kann die beauftragte Firma bereits Ende Februar mit ersten Maßnahmen beginnen. „Allerdings noch nicht direkt am Deichkörper“, betonte Projektleiter Thomas Hoffmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Gespräch mit der Redaktion. Während der Sturmflutsaison sind von Oktober bis Mitte April eines jeden Jahres keine Baumaßnahmen an und auf den Deichen gestattet. Hoffmann ist aber zuversichtlich, dass die Bauarbeiten zur Deicherhöhung unmittelbar nach dem 15. April 2023 starten werden.
Es fehlt noch Geld
Was die Kosten angeht, gibt es hier allerdings noch immer Ungewissheit. Für 2023 und für 2024 sind jeweils rund 2,2 Millionen Euro vom Land Niedersachsen für den Bau bewilligt. Die Deichacht geht für die beiden Jahre allerdings mit rund drei Millionen Euro in Vorleistung. Die voraussichtlichen Mehrkosten von rundweg 730.000 Euro sind zwar beantragt, aber noch nicht bewilligt. Ob das Geld also fließen wird oder ob die Deichacht darauf sitzen bleibt, ist noch unklar. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Land uns da hängen lässt“, betonte Alwin Brinkmann. Mahnte aber auch an, dass es nach wie vor zu wenig Gelder für den Deichbau und Küstenschutz gebe.
Deckwerk im Blick
Für das Jahr 2025 sind übrigens weitere 680 Meter der Deichlinie für eine Ertüchtigung vorgesehen. In die Vorplanungen geht auch die Instandsetzung des Deckwerkes an der Westseite der Leyhörn. Auf dem Stück nordwestlich von Greetsiel und der Schleuse sollen 3,3 Kilometer erneuert werden. Zunächst werden hier vorhandene Schäden repariert. „Die Standsicherheit ist noch nicht gefährdet, trotzdem planen wir aber eine großflächige Sanierung in den nächsten Jahren“, sagte Thomas Hoffmann. Dafür soll geplant werden.
In Sachen Bauaktivitäten soll es auch am Pilsumer Leuchtturm vorangehen. Dort ist geplant, die Binnenberme zwischen Parkplatz und Leuchtturm zu erhöhen. Rund 20.000 Kubikmeter „bindiges Material“ wird dafür aus einem Spülfeld bei Jarßum verwendet. Baustart ist, sofern die Baukosten in Höhe von rundweg 380.000 Euro bewilligt werden, im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres.
Deichverlegung
Mit Blick auf den Rysumer Nacken und die geplante Verlegung des Deiches an die Wasserkante hat die Deichacht Krummhörn deutlich gemacht, dass die Finanzierung des Projektes durch Bund und Land sichergestellt werden müssen. „Und zwar nicht zu Lasten anderer Deichbauprojekte“, machte Alwin Brinkmann deutlich. Gleichwohl unterstrich er aber die Forderung nach einer Verlegung, um den Rysumer Nacken vor einer Überschwemmung zu schützen. Er wiederholte hier sein Ziel, „die Deichlinie bis zur Leybucht einheitlich durchzuziehen und zu ertüchtigen“.
Kleiabbau bei Manslagt
Neu im Projektplan der Deichacht ist der Kleiabbau bei Manslagt. Auf zwei Feldern sollen künftig zwischen 150.000 und 180.000 Kubikmeter Klei für den Deichbau gewonnen werden. Das würde für rundweg 16 Kilometer Deicherhöhung ausreichen. Je nachdem, wie das vorhandene Deichmaterial wiederverwendet werden kann, erklärte Projektleiter Thomas Hoffmann.
