Emden - Die Maßnahmen erinnern an den Kahlschlag in „Janssens Tuun“, Protest gab es dennoch nicht. Jetzt sind die Arbeiten auf einer landeseigenen Fläche an der Uphuser Klappe nach über einem Jahr weitgehend abgeschlossen, und die Ähnlichkeit ist noch größer: Von einigen gebüschartig gewachsenen Weiden abgesehen, ist auch am Ems-Jade-Kanal rund um zwei Wasserflächen kein Baum stehen geblieben. Die Ufer wurden abgeflacht, Schilf entfernt. In beiden Fällen geht es um den Schutz von Wiesenvögeln. Der große Unterschied und die Erklärung für das Ausbleiben von Kritik: Das Gelände an der Uphuser Klappe war in den 90er Jahren schon einmal so gestaltet worden, wie es nun wieder aussieht.
Feuchtes Grünland
Damals musste ein Ausgleich her für Wiesenvogel-Areale, die durch den Ausbau von Deichen entlang des Ems-Jade-Kanals verloren gegangen waren. Im Lauf der Jahrzehnte entstand rund um die Wasserflächen eine Art Wäldchen (diese Redaktion berichtete). Ob dadurch tatsächlich der Wiesenvogelbestand beeinträchtigt wurde und ob die Tiere die wiederhergestellten Bereich überhaupt annehmen werden: niemand weiß es.
Immerhin sprach der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den bodennah operierenden Gefiederträgern bereits vor einem Jahr, zu Beginn der Arbeiten, eine Art Gewohnheitsrecht zu: „Rotschenkel, Kiebitz und Uferschnepfe – sie und andere Wiesenvogelarten fühlen sich auf möglichst offenem und feuchtem Grünland wohl, das früher den ganzen norddeutschen Raum prägte.“
Anfang 2022 begannen die Rodungsarbeiten in dem Biotop an der Uphuser Klappe.
Alf Hitschke
So sieht der Bereich jetzt aus. Links eine der gebüschartig gewachsenen Weiden, die stehenblieben.
Alf HitschkeZwar sieht es in unmittelbarer Umgebung überwiegend genau so aus.
Basis für Flugräuber
Aber für den Wiesenvogelschützer ist jeder Baumbestand eine Basis für fliegende Räuber. Die nehmen ersatzweise gerne auf hölzernen Strommasten Platz, wie sie auch am Rand des wiedereröffneten Wiesenvogel-Areals stehen. Oder stehen minutenlang über freiem Gelände in der Luft. Diese Kompromisse geht man ein. Wie bei „Janssens Tuun“, in dessen unmittelbarer Nähe ein privates Wäldchen Greifvögel zum Verweilen einlädt.
Letzter Schritt der Arbeiten an der Uphuser Klappe wird in Kürze das Abfahren des restlichen Holzes sein. Dass es rund ein Jahr dauerte, bis das Gelände umgestaltet war, hängt mit zahlreichen anderen Vorhaben zusammen, die der NLWKN laufen hat. Und mit der Brut- und Setzzeit, die ab Frühjahr zu einer langen Pause zwang. Auch das ist eine Parallele zu den Arbeiten in „Janssens Tuun“.
