Emden - Die Trogstrecke in Emden ist das sprichwörtliche Fass ohne Boden: Jetzt sind im neu aufgebrachten Asphaltbelag Blasen entstanden, die mit Feuchtigkeit aus dem Untergrund zusammenhängen. Das ist der bisherige Erkenntnisstand. Für alle, die die Trogstrecke nutzen, heißt dies: Noch kann niemand sagen, wann die Baumaßnahme endgültig fertig ist und die Straße freigegeben werden kann. Das wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz deutlich.

In der ersten Augustwoche wird der Trog für den Autoverkehr erst einmal wieder komplett gesperrt (wir berichteten). Radler und Fußgänger können weiter passieren und das in jeder Bauphase, betonte Stadtbaurätin Irina Krantz. In den zwei Wochen wird die etwa 160 Meter lange neue Asphaltdecke – sie ist von der Einmündung Nordseewerke bis zur Einfahrt in die Straße „Zur Alten Brikettfabrik“ aufgetragen worden – wieder abgefräst.

Notwendig ist das, um der Ursache der Blasen, die sich im neuen Asphalt gebildet haben, auf den Grund zu gehen. „An etwa 50 Stellen haben wir diese Blasen ausgemacht, aber woher sie kommen, muss genau untersucht werden“, sagte Michael Borowski vom Ingenieurbüro Grassl aus Hamburg, das für die Planung zuständig ist. Ob diese Hohlstellen ursächlich im Zusammenhang mit dem unsachgemäßen Einbau der Betonteile im Trog in den 1970er Jahren stehen, kann noch nicht beantwortet werden. Schon vor knapp zwei Jahren mussten deshalb zusätzliche Abdichtungen vorgenommen werden.

Der Trog

Die Sanierung der Trogstrecke ist ein Teil der Südumgehung und die wichtigste Verbindungsstraße zum Hafen. Sie wurde in den 1970er Jahren als Betontrog in U-Form gebaut. Seit Jahren war die Strecke in einem schlechten Zustand. 

Am 20. Juli 2020 begann die Sanierung. Bereits im Oktober 2020 wurde deutlich, dass mangelhafte Ausführungen in der Bauphase in den 1970er Jahren dazu geführt haben, dass die Sanierung aufwendiger wird als geplant. Die Betonteile waren unsachgemäß abgedichtet geworden.

Die Baukosten wurden zu Baubeginn auf rund 5,5 Millionen Euro beziffert, knapp 2,5 Millionen Euro schießt das Land als Förderung zu. Die Zusatzkosten sind noch nicht beziffert. Ob die Stadt die gesamte Summe übernehmen muss, steht noch nicht fest.

Bevor der Asphalt aufgebracht wurde, war noch einmal die Betonsohle abgedichtet worden, trotzdem drang Wasser nach oben und zerstörte zum Teil den neuen Asphalt. „So können wir das nicht lassen, deshalb muss noch einmal alles raus“, sagte der Leiter des städtischen Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE), Nils Andersson.

Wird der Trog nach den zwei Wochen wieder für den Autoverkehr geöffnet, müssen die Autos auf der Betondecke fahren, und zwar mit dem Höchsttempo von zehn Kilometer pro Stunde. Das kann noch viele Monate so weitergehen. „Wir werden die Straße aber nicht komplett sperren, wenn Weihnachtsmarkt ist“, versprach Krantz.

Wann und wie lange jedoch die vollständige Sperrung notwendig ist, sei noch nicht abzusehen, betonte Wolfgang Fecht, BEE-Abteilungsleiter. Auch wer die Kosten trägt – alleine für die Entfernung der Asphaltdecke wird ein höherer fünfstelliger Eurobetrag veranschlagt – ist noch nicht geklärt. Für den Pfusch am Bau vor 50 Jahren kann niemand mehr in Haftung genommen werden. Ob jetzt bei der Sanierung Schäden entstanden sind, muss untersucht werden.

Mit der Trogbaustelle ist jedoch auch die neue Innenstadtverkehrsplanung eng verknüpft. Eine versuchsmäßige Sperrung der Straße Am Delft, wie sie beabsichtigt war, wird jetzt erst einmal ausgesetzt, so Krantz.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung