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Serie „Ehrenamt“ in Emden „Es braucht viel Durchhaltevermögen“

Engagiert sich seit zwei Jahren bei dem Emder Verein „Vermisst in Niedersachsen“: Anke Felke.

Engagiert sich seit zwei Jahren bei dem Emder Verein „Vermisst in Niedersachsen“: Anke Felke.

Privat

Emden - Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht: Es braucht noch mehr ehrenamtliches Engagement als zuvor, sei es im Impfzentrum, bei der Fürsorge für ältere Menschen oder Menschen in häuslicher Quarantäne, die Lebensmittel benötigen. Ob bei der Nachhilfe von Schülern, in der Altenpflege, Flüchtlingshilfe oder in vielen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – ohne die vielen Freiwilligen, die mit ihrem Wirken etwas für die Gesellschaft tun, wäre für viele die Lebensqualität deutlich geringer. In unserer Serie „Ehrenamt“ stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute: Anke Felke.

Dass Anke Felke sich im Emder Verein „Vermisst in Niedersachsen“ (VerNie) engagiert, geht auf einen Zufall zurück. Die 41-Jährige lebt erst seit fünf Jahren mit ihrem Mann und ihren vier Kindern (6, 10, 12 und 14) in Emden. Zuvor lebten sie im Raum Bonn. Es waren berufliche Gründe, die die Familie in die Seehafenstadt führte. Anke Felkes Mann arbeitet im Bereich IT-Sicherheit an der Hochschule Emden/Leer. Es war der Verein VerNie, der ihren Mann eines Tages kontaktierte und um Unterstützung in einem Vermisstenfall bat. Den Verein und sein ehrenamtliches Engagement, Angehörigen von vermissten Personen zur Seite zu stehen, beeindruckte Anke Felke sehr. Sie bot dem Verein ihre Hilfe an. Inzwischen ist die gelernte biologisch-technische Assistentin, die früher als Bürosachbearbeiterin im Amt für Militärkunde tätig war, bei VerNie im sogenannten Rechercheteam fest verankert. Darüber hinaus hat sie im Verein die Aufgaben der zweiten Vorsitzenden übernommen.

Viele Fragen offen

Mit knapp 40 Mitgliedern ist der Verein relativ klein, aber einzigartig. Seine Strahlkraft reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Den Kern des Vereins bildet ein multiprofessionelles Team. Ob Arzt, Psychologe, Therapeut, Rechtsanwalt, Seelsorger, Sozialarbeiter oder IT-Spezialist, um nur einige Bespiele zu nennen – mit seinem gebündelten Wissen steht das Team Angehörigen vermisster Personen zur Seite und engagiert sich damit in einem Bereich, in dem vieles nicht geregelt ist. „Solange nicht klar ist, was mit der vermissten Person passiert ist, ist es gerade in der Bürokratie sehr schwierig“, sagte Anke Felke. „Im Fall eines Todes ist vieles verbindlich geregelt. In Vermisstenfällen hat man aber keine richtige Handhabung“, sagt sie und führt als Beispiel den Fall eines vermissten Ehemannes an. Dessen Frau kann nach seinem spurlosen Verschwinden die Rate für das gemeinsame Haus allein nicht bezahlen. Ihre existenzielle Not wächst. Das Haus verkaufen kann sie nicht, weil die vermisste Person Miteigentümer ist.

Antworten finden

Das zumindest hat der Gesetzgeber so festgelegt. Aber welche Möglichkeiten sie, um ihr weiteres Leben zu sichern? Nicht zu vergessen: Die Frau befindet sich – wie auch die Angehörigen anderer Vermisster – in einer auch emotional extrem belastenden Situation. Lösungen für Ungeklärtes, Antworten auf offene Fragen zu finden, darum bemüht sich das Recherche- und Expertenteam von VerNie. „Es mag vielleicht ein bisschen nach Hobby-Detektivarbeit klingen, fordert aber dem Einzelnen auch viel Durchhaltevermögen ab“, sagt Felke. Dabei ist dem Verein das Wichtigste, den Angehörigen das Gefühl zu geben, sie stehen nicht allein da. Die Unterstützer hören ihnen zu, interessieren sich für ihre Probleme und engagieren sich in ganz vielen Belangen.

Schweigepflicht

21 Fälle hat der Verein seit seiner Gründung 2014 angenommen. Zumeist sind es die Angehörigen, die auf VerNie zukommen und um Hilfe bitten. Sichert der Verein seine kostenlose Unterstützung zu, wird das schriftlich fixiert, um das Engagement auch Behörden gegenüber dokumentieren zu können. Bestandteil dieser Vereinbarung ist unter anderem eine Schweigepflicht. Deshalb verstummt Anke Felke bei Fällen, von denen sie an sieben mitgearbeitet hat in den zwei Jahren.

Kornelia Sojka Emder Zeitung
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