Emden - Die Baufirma meines Vaters Sieben Eujen, die ebenfalls seinen Namen führte, hat in Emden zu mehreren Neubauten und Sanierungen an historischen Gebäuden beigetragen. Ein Jahr vor dem Tod meines Vaters übernahm ich 1968 das Unternehmen für Hoch-, Tief- und Stahlbetonbau. Eines unserer Projekte der Baufirma „Sieben Eujen“ war ein zweigeschossiges Backsteinhaus, das Haus Gödens am Roten Siel.
In den 1980er Jahren hatte das Architektenbüro Beyer + Freitag als eines seiner ersten Objekte die Restaurierung des historischen Gebäudes begonnen. Auch die Fassade sollte ausgebessert werden. Sie wirkte ziemlich hässlich mit dem schmutzig-grauen Putz, so dass dringend an diesem exponierten Standort an der Ecke Brückstraße/Friedrich-Ebert-Straße etwas zur Verschönerung unternommen werden musste. Das Gebäude gehörte damals dem Studentenwerk Oldenburg. Es hat heute die Adresse Friedrich-Ebert-Straße 1-3. Da der Putz an etlichen Stellen marode war, musste er an einigen Stellen entfernt werden. Eine Putzfläche oberhalb der Fenster auf der Seite zur Brückstraße wurde von uns großflächiger entfernt, da wir neugierig waren, wie es darunter aussah. Bei einem Baustellentermin mit dem Architekten und dem Bauherrn aus Oldenburg wurden die Stellen begutachtet und die Diskussion begann, ob es sinnvoll sei, den Putz vollständig zu entfernen.
Der Bauherr war nach langen Überlegungen bereit, die Mittel für die Fassade bereit zu stellen. Wir erhielten dann den Auftrag und der Denkmalpfleger aus Oldenburg gab noch einige Ratschläge. Mit sieben bis acht Fachkräften arbeiteten wir auf der Baustelle. Es waren Spezialisten, die wir durch eine Fortbildungsmaßnahme mit dem Arbeitsamt ausgebildet hatten. Ich hatte mich mit Denkmalpflege beschäftigt. Vorsichtig hatte ich den grauen Putz freigeklopft und erlebte eine Überraschung: Unter dem Putz kam eine wunderschöne Fassade zum Vorschein, so wie sie heute aussieht. Wir haben den äußeren Putz entfernt und das Gebäude so restauriert wie man es heute kennt – als ansehnlichen Backsteinbau.
Es war bei mir gewissermaßen eine Initialzündung, nachdem ich einige Stellen von dem Putz freigelegt hatte. Es musste unbedingt weitergehen. Das stand fest. Die sogenannten Speckschichten im Mauerwerk, das heißt durchgehende Schichten aus Sandsteinen und anderen Elementen, wurden restauriert oder erneuert. Nachdem die Fassade in neuem Glanz erstrahlte, erhielten wie den Auftrag, auch sämtliche Fenster in unserer Tischlerei herzustellen. Der Denkmalpfleger legte die Struktur und Farbe fest. Der graue Anstrich der Fenster war erst etwas gewöhnungsbedürftig, war aber historisch richtig.
Aus Geldmangel wurde auf den Ausbau des Kellers verzichtet. Interessant war der komplett erhaltene Luftschutzkeller. Ausgeführt wurde nur ein kleinerer Aufenthaltsraum für gemeinsame Veranstaltungen, der durch den Eingang auf der Rückseite zu erreichen war. Die feuchten Wände wurden mit einem hochwirksamen Sanierputz behandelt, den wir schon oft erfolgreich bei Innensanierung von Innenwänden bei Kirchen in der Krummhörn eingesetzt hatten. Diffusionsschutz, der von innen auf die Kellerwände aufgetragen wird, sollte verhindern, dass Feuchtigkeit von außen eindringt.
Auch in den Räumen veränderte sich vieles. Das Studentenwerk hat damals von einer Tischlerfirma wegen der enormen Deckenhöhe Emporen aus Holz bauen lassen, auf denen in den Zimmern die Betten für die Studenten aufgebaut wurden. So hat man Wohnraum gewonnen, weil unter den Emporen noch einige Quadratmeter für Möbel zur Verfügung standen und der Raum darunter nutzbar war.
Die Geschichte des Haus Gödens reicht bis in das 16. Jahrhundert. Es wurde im Jahr 1551 als Stadthaus der Eigentümer der Herrlichkeit Gödens erbaut und diente später unter anderem als Kaserne, Zuchthaus, Amtsgericht oder Wohnhaus.
Immer wieder wird an diesem historischen Kleinod der Stadt Emden saniert, damit es uns noch lange erhalten bleibt. Heute ist das Gebäude immer noch ein Studentenwohnheim. Als unser Geschäft 2002 aufgelöst wurde, landeten alle Akten in der Mülltonne, so dass ich leider keine Unterlagen und Pläne mehr habe. Auch das Firmengebäude an der Adresse Hinter dem Rahmen Nr. 6 steht heute nicht mehr. Auf dem Grundstück wurde das Hotel „Am Boltentor“ gebaut.
Zur Person: Gerd Eujen wurde 1940 in Hage geboren. 1968 übernahm er, mittlerweile zum Betriebswirt ausgebildet, von seinem Vater Sieben Eujen (1908 - 1969) die gleichnamige Baufirma.
Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist unter
