Emden - Mitgefühl, Kritik an dem stadtbekannten Vermieter, Warnungen vor den Folgen von Schimmel: Die Berichterstattung über eine Emder Familie, die wegen eines nicht behobenen Wasserschadens seit Monaten in einer feuchten und von Schimmel befallenen Wohnung ausharren muss, hat viele Emder bewegt. Die Hoffnung der Eltern und ihrer beiden Söhne auf eine neue Wohnung hat sich aber trotz aller Anteilnahme noch nicht erfüllt. Und die Unterkunft im Stadtteil Barenburg weist immer neue Feuchtigkeitsschäden auf: Vor einigen Tagen entdeckten die Bewohner auch an der Rückwand eines Küchenschrankes Schimmelbefall.
Kurz nach der Berichterstattung dieser Redaktion erschien im Auftrag des Vermieters ZBVV ein Handwerker in der Wohnung. Ob er das Leck in einer Wasserleitung schließen konnte, ist noch nicht klar. Das defekte Leitungsstück befindet sich in der Betondecke der Wohnung. Ob es das einzige Leck war, wird sich zeigen.
Mit dem Stopfen des Loches ist es aber bei weitem nicht getan: Die Wohnung, in der mehrere Quadratmeter Putz nass und von Schimmel bedeckt sind, ist mittlerweile unbewohnbar. Sie muss gründlich saniert werden. Ob weitere Wohneinheiten in dem Mehrfamilienblock betroffen sind, ist noch nicht klar.
Seit 2015 in Emden
Die Familie lebt seit 2015 in Emden. Zuvor waren sie vor dem Krieg in ihrem Heimatland Syrien geflüchtet und über mehrere Stationen nach Emden gelangt. Hier lebten sich Eltern und Kinder schnell ein. Der fünfjährige jüngere Sohn und sein 18 Jahre alter Bruder sind bestens integriert, der Vater arbeitet für ein Emder Unternehmen. Zugleich kümmert er sich um die Pflege seiner durch eine Erkrankung schwerbehinderten Frau. Die Miete übernimmt das Jobcenter Emden.
Zwar ist die Wohnung im Hochparterre des Blocks nur über eine mehrstufige Treppe zu erreichen – das ist für die auf einen Rollstuhl angewiesene Mutter alles andere als optimal. Bis zum Auftreten erster feuchter Flecke im September war die Familie mit der Wohnung aber dennoch zufrieden. Die Schäden wurden schnell größer, der Vermieter reagierte auf die Mails und Anrufe der verzweifelten Emder nicht. Sie selbst waren machtlos, konnten nur immer wieder den Schimmel wegwischen.
Dramatisch verknappt
Die neue Wohnung, die die Familie dringend benötigt, sollte leichter erreichbar sein. Auch aus Sicherheitsgründen: Alleine zu Hause, hätte die 38 Jahre alte Ehefrau und Mutter keine Chance, bei einem Brand das Haus zu verlassen. Und man würde gerne in Barenburg bleiben. Ansonsten haben die gelernte Konditorin und ihr 41 Jahre alter Mann, was eine neue Unterkunft angeht, nur einen Wunsch: Sie soll trocken und sauber sein.
Dass es so schwer ist, eine neue Unterkunft zu finden, liegt vor allem an der dramatischen Verknappung des Wohnungsangebotes durch zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine. Rund 1100 von ihnen nahm die Stadt dieses Jahr bereits auf. So klein ist das Angebot an bezahlbarem Wohnraum mittlerweile, dass die Stadt Emden von ihrem Konzept der dezentralen Unterbringung der Menschen aus der Ukraine abrücken musste. Die Zahl der für diesen Zweck angemieteten Häuser und Wohnungen gibt die Stadtverwaltung mit rund 140 an.
Appell an Vermieter
Die Familie und engagierte Freunde, die sich seit Jahren für sie einsetzen, geben bei der Suche nach einem neuen Zuhause für die vier sympathischen Emder trotzdem nicht auf. Ihre Bitte an private und professionelle Vermieter sowie die in Emden ansässigen Wohnungsgesellschaften: „Prüfen Sie bitte, ob sie nicht doch helfen können. Auch eine zeitlich befristete Unterbringung wäre im Sinne der Gesundheit der Betroffenen eine große Hilfe.“
