Emden - „Emden ist die heimliche Kulturhauptstadt Ostfrieslands“, findet Diethelm Kranz vom Ostfriesischen Landesmuseum. Und weil das so ist, steht der diesjährige, inzwischen 29. Emder Museumstag auch unter dem Titel „HauptSache Kultur“, um diesen Anspruch zu bekräftigen. „Das ist auch der Entwicklung der vergangenen Jahre geschuldet“, sagte Kranz und steht damit nicht allein. Aus neun Museen besteht die Gemeinschaft Kulturschaffender in der Seehafenstadt inzwischen und umfasst nicht nur die kulturellen Leuchttürme wie Landesmuseum, Kunsthalle und A Lasco Bibliothek, sondern auch die kleine, aber keineswegs weniger wichtigeren Museumsschiffe, das Bunkermuseum, die Freunde der Seefahrt und die Naturforschende Gesellschaft. Gemeinsam öffnen sie am Sonntag, 30. Oktober ihre Türen und laden zum Besuch ein.
Schwierigkeiten
Maschinenlauf auf dem Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“, Weinverkostung in der Kunsthalle, Einblicke in den begehbaren Tresor der Johannes a Lasco Bibliothek und Patente für Morsezeichen und Schiffe sind nur einige der Programmpunkte, die am Sonntag geboten werden. Unter dem gemeinsamen Titel „HauptSache Kultur“ gibt es allerlei zu entdecken und zu erleben – der Tag soll aber auch genutzt werden, um auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, denen sich gerade die kleinen Museen gegenüber sehen. „Es ist schön, dass sich an diesem Tag alle Museumsschiffe im Emder Delft gemeinsam präsentieren“, sagte Heinz-Günther Buß, Vorsitzender vom Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“. „Aber unsere finanzielle Situation ist angespannt.“
Ostfriesisches Landesmuseum: Es bietet 20-minütige Kurzführungen ab 12 Uhr zur vollen Stunde an, außerdem zu sehen: die Kabinettausstellung „Neu erzählt: Die Amtskette“, Szenenwechsel in der Neuen Galerie „Ostfriesland im Fokus“ und die Sonderpräsentation „Paten retten Museumsschätze“; im Foyer basteln Kinder eine Camera Obscura und testen sie auf dem Rathausturm, BBS-II-Schüler stellen ihr Projekt vor: Neue Helme in der Emder Rüstkammer
Kunsthalle: Die Ausstellung „Mythos Wald. Das Flüstern der Blätter“ ist zu sehen, es gibt ein Kinderatelier und öffentliche Führungen und von 11 bis 14 Uhr eine kostenlose Verkostung des Kunsthallen-Benefiz-Weins zusammen mit Wein Wolff.
Bunkermuseum: Das Museum präsentiert sich in der Großen Straße 46, für Kinder gibt es ein Bunker-Memory.
Naturforschende Gesellschaft zu Emden von 1814: Sie bietet zwischen 11 und 17 Uhr Führungen an.
Johannes a Lasco Bibliothek: In Führungen, jeweils zur vollen Stunde, wird die wichtigste Fachbibliothek zum Reformierten Protestantismus vorgestellt, ausgewählte Exponate sind zu sehen.
Seenotkreuzer „Georg Breusing: Auf dem Museumskreuzer werden Maschinenläufe vorgeführt und das Tochterboot wird zu Wasser gelassen, Zutritt ist zwischen 11 und 17 Uhr möglich.
Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“: Die Mannschaft bietet Führungen über Deck, durch das Museum und durch den Maschinenraum an.
Heringslogger „AE 7 Stadt Emden“: Auch hier gibt es Führungen übers Schiff.
Maritimes Museum „Freunde der Seefahrt“: Die Freunde der Seefahrt zeigen Filme aus den 1950er- und 1960er-Jahren und führen durchs Museum.
Die Museen sind zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet, es gibt ein Kombiticket für alle Einrichtungen für 6 Euro für Erwachsene und 12 Euro für Familien, erhältlich im Vorverkauf in der Tourist-Information und am Sonntag an den Kassen der Museen.
Verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr in der Fußgängerzone flankiert von Aktionen und Ausstellungen im Stadtgarten.
Gerade die aktuellen Preise für Diesel treiben den Museumsschiffern die Sorgenfalten ins Gesicht. „Das ist eine ganz schlimme Entwicklung.“ Wie der Verein etwa die fehlenden 20 000 Liter im Tank bei Preisen von über zwei Euro pro Liter auffüllen soll, weiß Buß derzeit nicht. Ganz zu schweigen vom fehlenden Nachwuchs. Wobei, dort ist Buß dann doch etwas optimistischer: „Hoffentlich können wir Sonntag unser 200. Mitglied begrüßen.“
Insgesamt hoffen die Beteiligten natürlich darauf, wieder die in den Vorjahren rund 1000 Besucher erreichen zu können.
Kultur im Fokus
So viele seien es im Schnitt, auch wenn diese Zahl von Jahr zu Jahr immer etwas schwanke, wie Kranz sagte. Und sicherlich noch deutlich mehr dürften es für Wilhelm Eilers von der Werbegemeinschaft Schaufenster ruhig sein. Denn die Kaufleute hätten aktuell mehr denn je zu kämpfen. Umso schöner findet der Vorsitzende es, dass am Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr fast alle Geschäfte in der Innenstadt zu einem Einkaufstag außer der Reihe einladen. „Der Museumstag ist ja damals auch von der Werbegemeinschaft angeschubst worden, weil die einen verkaufsoffenen Sonntag veranstalten wollte.“ Heute rücke der Verkauf mehr in den Hintergrund, weshalb das Schaufenster mit seiner Einladung des rollenden Museums aus Münkeboe, das mit zehn Wagen vorfährt und Einblicke in die Geschichte Ostfrieslands gibt, seinen Teil dazu beiträgt, um den Fokus auf die Kultur zu richten. Um die dreht sich am Sonntag auch schon ab 11 Uhr alles in Emden, dann nämlich startet der 29. Emder Museumstag.
Karten gibt es erstmals im Vorverkauf in der Tourist-Information. Die Verbundkarte für alle teilnehmenden Einrichtungen kostet für Erwachsene 6 Euro, Familienkarten 12 Euro. Sie sind auch bei allen teilnehmenden Einrichtungen am Sonntag erhältlich.
