Emden - Die Nordseehalle wird wieder zur Flüchtlingsunterkunft. Nach 30 Jahren sollen dort wieder Menschen aufgenommen werden, die aus Krisengebieten fliehen müssen. Das Land hat verfügt, dass die Emder mehr Menschen aus der Ukraine aufnehmen müssen. Städte wie Peine und Wolfsburg haben ihr Kontingent übererfüllt, nun müssen andere niedersächsische Kommunen mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Für die Emder kommt diese Anweisung zur Unzeit, fehlen doch schon jetzt Wohnungen für Flüchtlinge (wir berichteten). Zu den bis jetzt knapp 600 Ukrainern sollen noch einmal bis zu 350 in der Seehafenstadt aufgenommen werden. Das stellt die Verwaltung vor arge Probleme. Verschiedene Szenarien wurden nach Informationen dieser Redaktion durchgespielt. Auch eine Unterbringung in der Turnhalle bei den Berufsbildenden Schulen war überlegt worden. Doch dies wäre mit noch größerem Aufwand verbunden gewesen als ein Umbau der Nordseehalle. Dort sollen zunächst zwei der drei Hallenteile für Geflüchtete hergerichtet werden. Zelte sollen so aufgestellt werden, dass eine Art Dorfcharakter entsteht und Familien ihre Privatsphäre bekommen. Ob auch das dritte Segment der Halle mit einbezogen werden muss, wird noch abgewartet.

Auf jeden Fall bedeutet dies einen großen Einschnitt in das Kulturprogramm der kommenden Monate. Comedian Sascha Grammel wird am 21. August wahrscheinlich vorläufig die letzte Veranstaltung in der Halle sein. Konzerte, wie das der „Söhne Mannheims“, werden vermutlich nicht mehr stattfinden können, genauso wie Musiktheater und Schauspiel. Auch die beliebte Eiszeit wird möglicherweise erneut ausfallen müssen. Bereits während der Pandemie war die Halle – auch als Veranstaltungen möglich waren – nur bedingt zu nutzen, da dort das Impfzentrum untergebracht war.

Während des Konflikts in Ex-Jugoslawien war die Nordseehalle schon einmal für geraume Zeit Flüchtlingsunterkunft. Damals, noch unter Sozialdezernentin Ulrike Wolff-Gebhard, fehlte es ebenfalls an Wohnungen und anderen Unterbringungsmöglichkeiten. Während der Hochzeit der Syrienkriegs-Flüchtlinge wurde zwar auch über eine Aufnahme in der Nordseehalle nachgedacht, jedoch reichten damals die leere Emsschule und die Schule Barenburg als Unterkunftsmöglichkeiten aus. Doch die Emsschule steht nicht mehr zur Verfügung, da sie gerade umgebaut wird.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung