Emden - Die Emder Nordseehalle wird ab dem 24. September komplett als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Sie wird dann auch das zentrale Emder Ankunftszentrum für Flüchtlinge aus der Ukraine werden. Dies befindet sich derzeit in der Barenburgschule. Auch das Welcome-Center in der Emder Volkshochschule wird in die Nordseehalle verlegt. Martin Schabler, städtischer Fachdienstleiter Soziale Integration, und Stadtrat Volker Grendel, erklärten, wie in den kommenden Monaten mit der Flüchtlingssituation umgegangen werden wird. Sie schlüsselten genau auf, warum die Nordseehalle und nicht die Turnhalle an den Berufsbildenden Schulen II (wir berichteten) als Unterkunft genutzt werden soll.
Warum können die Flüchtlinge nicht mehr dezentral untergebracht werden ?
Das Land schickt demnächst wöchentlich 25 Flüchtlinge nach Emden, zuvor waren das 25 alle 14 Tage. Es sei davon auszugehen, so Schabler, dass sich die Zuweisung von Kriegsflüchtlingen vervierfache. Die aktuell 591 Flüchtlinge konnten bisher fast alle in Wohnungen untergebracht werden, die die Stadt angemietet hat. Doch der Markt für günstige Wohnungen sei jetzt in Emden leergefegt, führte Grendel aus.
Gibt es nicht genügend Platz in der Schule Barenburg ?
Hier liegt die Grenze bei allerhöchstens 190 Schlafplätzen. Bis zu 170 Flüchtlinge werden dort bisher aufgenommen und warten, bis sie in die für sie vorbereiteten Wohnungen einziehen können. Da aber jetzt die Wohnungen knapp sind (wir berichteten) – 140 hat die Stadt angemietet – würde die Schule auch keine Geflüchteten mehr aufnehmen können. Dazu ist die Stadt aber verpflichtet.
Aber warum die Nordseehalle und keine Turnhalle ?
Der dafür zuständige Arbeitskreis der Stadt habe das genau abgewogen. Zum einen ist die Turnhalle bei den Berufsbildenden Schulen kleiner. Dort könnten maximal 250 Menschen leben. Auch wäre es mit der Infrastruktur schwieriger. Der einzige Nachteil bei der Nordseehalle, wo im Extremfall 350 Menschen Platz finden können: Dort müssen extra Duschcontainer, vier Stück mit jeweils fünf Duschen, aufgestellt werden. Auch würde eine Belegung der Turnhalle den gesamten Schul- und Vereinssport enorm stören. Grendel: „Das würde die Emder Bewohner noch mehr treffen, als eine Belegung der Nordseehalle.“
Können überhaupt noch Veranstaltungen in der Nordseehalle stattfinden ?
Bis zum 27. August werden noch alle drei Hallenteile für Veranstaltungen geöffnet bleiben, und zwar für Comedian Sascha Grammel und die Einschulung der beiden Gymnasien. Bei Sascha & Band und Pawel Popolski werden zwei Hallenteile genutzt. Schon aus Regressansprüchen war eine Absage der größeren Veranstaltungen unmöglich. Vom 12. bis zum 24. September steht noch ein Hallenteil zur Verfügung. Ab dem 26. September werden dann Flüchtlinge in alle drei Hallenteile einziehen können. Das Land verzichtet vom 29. August bis zum 12. September darauf, Emden Flüchtlinge zuzuweisen, damit die Stadt das neue Zentrum einrichten kann. Ab dann werden in den kommenden zwei Wochen jedoch jeweils zwischen 75 und 100 Personen erwartet, danach 50.
Was ist mit Veranstaltungen wie den Stadtmeisterschaften und der Eiszeit ?
Die Stadtmeisterschaften werden definitiv nicht in der Nordseehalle stattfinden können, genauso wie alle anderen Veranstaltungen, die bis zum Jahresende geplant waren. „Ob wir die Nordseehalle auch nach dem Jahreswechsel für Flüchtlinge benötigen, ist zwar wahrscheinlich, aber wir planen das je nach Bedarf“, sagte Grendel. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Eiszeit stattfinden kann.
Was kostet das alles die Stadt ?
Zunächst gibt es rund 500.000 Euro von Bund und Land, doch damit sind längst nicht alle Kosten abgedeckt. Grendel berichtete, dass nachverhandelt wird und diese Dinge im Fluss sind. Aber anders als bei der Pandemie, als alle Kosten für das Impfzentrum in der Nordseehalle erstattet wurden, wird jetzt die Stadt vermutlich einen eigenen Betrag leisten müssen. Alleine für die Absagen der Veranstaltungen fallen rund 400.000 Euro an.
Wie hat die Belegschaft der Nordseehalle die Nachricht aufgenommen ?
Grendel: „Tapfer“. Es sei schon jedem bewusst, wie wichtig es für alle gewesen wäre, wieder in ein Kulturprogramm einzusteigen. „Doch bei allem Abwägen hat der humanitäre Grund dann doch den Ausschlag gegeben“, sagte Grendel. Auch werden die Nordseehallenmitarbeiter dort für die Verwaltung arbeiten.
Wird auf Dauer die BBS-Halle nicht auch noch gebraucht ?
Die Stadt arbeite gedanklich mit verschiedenen Möglichkeiten. Grendel: „Wir wissen alle nicht, wie sich der Krieg entwickelt und wie die Situation in ein paar Wochen aussieht. Wir müssen aber vorbereitet sein.“
