Emden - Die Flucht aus Syrien hat diese Familie überstanden. Und sie hat auch das Bangen um den ältesten Sohn tapfer ertragen, bis er das von Krieg verwüstete Land endlich verlassen konnte. Die schwere Erkrankung der Ehefrau und Mutter warf sie ebenfalls nicht aus der Bahn. Ihr Vermieter allerdings, der schafft nun offenbar, was all’ die anderen Schicksalsschläge nicht vermochten: Umgeben von schwarzem Schimmel, den sie nicht zu verantworten hat, ist die vierköpfige Familie in ihrer kleinen Wohnung in Barenburg der Verzweifelung nahe. Ihr dringlichster Wunsch: Wohnen unter menschenwürdigen Bedingungen in Räumen, die einfach nur sauber ist.
Der Vermieter schweigt
Im September begann die Verwandlung der bis dahin guten Wohnung in einen gesundheitsgefährdenden Feuchtraum: Im Badezimmer zeigten sich an der Decke Wasserflecken, die schnell größer wurden. Die Nachbarin in der darüber liegenden Wohnung wusste von nichts. Bei ihr sei alles in Ordnung, sagte sie. So bleibt bis heute nur die Vermutung, dass die Leitungen in der Durchführung durch den Deckenbeton lecken.
Erste Versuche, mit dem Vermieter Kontakt aufzunehmen, schlugen fehl. Barenburger wundert das nicht, denn die „Zentral Boden Vermietung und Verwaltung GmbH“ (ZBVV) mit Sitz in Erlangen ist dafür bekannt, dass sie weder auf Briefe und Mails ihrer Mieter noch auf die Fragen von Journalisten reagiert. Diese Erfahrung machten Anfang des Jahres Bewohner von ZBVV-Häusern in der Friedrich-Rückert-Straße, die sich gegen die Einführung großer Müllbehälter wehrten.
Die Wasserflecken wurden größer, es zeigte sich erster Schimmelbefall. Schnell breitete sich der Pilz an Wänden und Decken aus. Was genau da wuchert, wurde noch nicht untersucht: Das Gesundheitsamt, an das sich der verzweifelte Familienvater wandte, half nicht. Der 41-Jährige während eines Besuches dieser Redaktion in der Wohnung: „Man sagte mir, das sei keine Aufgabe für das Gesundheitsamt.“
Niemand antwortet
So sah es vor der letzten Reinigung aus, die die Mieter notgedrungen selbst durchführten.
Privat
Auch an der Fensterseite des Bades bildet sich immer wieder großflächig schwarzer Schimmel.
Privat
Die provisorischen Reinigungen halten nicht lange vor.
Alf Hitschke
Die Küche grenzt an das Badezimmer. Auch hier und im Flur der Wohnung sind Wände nass und verschimmelt.
Alf Hitschke
Auch im Flur hat sich Feuchtigkeit breitgemacht.
Alf HitschkeImmer wieder schickten die Eltern, mittlerweile sehr um die Gesundheit der Familienmitglieder besorgt, Mails an die ZBVV. Antworten auf insgesamt fünf E-Mails seit dem 29. September: keine. Auch die Versuche des ältesten Sohnes, über die in Barenburg ausgehängte Telefonnummer Kontakt zu bekommen, scheiterten. Es nahm einfach niemand ab.
Vor zehn Tagen traf der 41 Jahre alte Mieter vor dem Haus zufällig auf den Hausmeister der Anlage – auch er ist üblicherweise nicht zu erreichen. Der Mann sah sich die Schäden an, fotografierte sie auch. Seitdem herrscht wieder Funkstille.
Neue Wohnung gesucht
Für eine Freundin der Familie gibt es deshalb nur eine Lösung: „Wir müssen eine neue Wohnung finden.“ Dass das gerade jetzt extrem schwierig ist, sei klar, sagt die Frau, die über langjährige Erfahrung in der Flüchtlingshilfe verfügt. „Aber vielleicht findet sich ja doch jemand, der zumindest vorübergehend geeigneten Wohnraum zur Verfügung stellen kann.“ Geeignet heißt: Wegen der anerkannten Schwerbehinderung der Mutter sollten nur wenige Stufen zu überwinden sein.
Die Miete, die die mit einer derzeit bis Anfang 2025 befristeten Aufenthaltserlaubnis ausgestattete syrische Familie zahlen muss, übernimmt das Jobcenter. Dass sich dieses nicht an den Vermieter wendet, empört die Frau, die die Familie seit ihrer Ankunft in Emden im Jahr 2015 gemeinsam mit ihrem Partner unterstützt: „Das sind unhaltbare Zustände. Normalerweise ist Mietminderung ein gutes Druckmittel. Aber das Jobcenter bezahlt die Miete auch noch, wenn die Wohnung zusammenbricht. Und die Vermieter wissen genau, da kommt nichts.“
Hervorragend integriert
Daran, aufzugeben, denkt trotz aller Verzweiflung niemand. Die hervorragende Integration der beiden Söhne motiviert. Und der Familienvater, der die Pflege seiner Frau übernommen hat, konnte im Berufsleben Fuß fassen. Für die Zukunft hat man sich mehrere Ziele gesetzt. Die deutsche Staatsbürgerschaft und das Abitur zählen dazu.
Die neue Wohnung muss allerdings ganz schnell gefunden werden. Die Familie würde das nie so deutlich sagen. Die Menschen, die sie begleiten, schon. Und sie haben recht.
