Emden - Seit einigen Tagen wird wieder verstärkt – nicht zuletzt ausgelöst durch die bundesweiten Großrazzien gegen mutmaßliche Umstürzler aus der „Reichsbürger“-Szene – über eine Reform des deutschen Waffenrechts diskutiert. Die eine Seite will es verschärfen, die andere Seite ist überzeugt, dass das vorhandene Recht völlig ausreicht, nur konsequenter angewendet werden muss. Der politische Diskurs lenkt aber auch den Fokus darauf, wie viele legale Waffen es in Deutschland überhaupt gibt. Von über 5,5 Millionen Waffen oder Waffenteilen ist die Rede, die offiziell registriert sind. Und in Emden? Hier sind es immerhin 2212 private Waffen oder eben Waffenteile, die der Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung in seiner Datei führt. 116 mehr als noch vor fünf Jahren.
Vor allem Jäger
„Die Zahl der Waffen und Waffenteile hat sich erhöht, da in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Waffenteile wie Schalldämpfer oder Wechselläufe in die Waffenbesitzkarte eingetragen werden“, sagte der zuständige Fachdienstleiter Martin Wegbünder auf Anfrage dieser Zeitung. Ein Grund: Bei der Verwendung von Schalldämpfern hatte sich die Rechtslage für eine Verwendung für die Jagd geändert. Tatsächlich sind es vor allem Jäger, die in Emden eine oder mehrere Waffen registriert haben. Oder eben Waffenteile.
Nach Angaben von Wegbünder werden von den aktuell 2212 Waffen 1639 Jägern zugerechnet. 2017 waren es noch 1427 Waffen. 296 Waffen gehören Sportschützen (2017: 299), 277 Sammlern (87). Der Rest sind Waffen aus Altbeständen, beispielsweise aus Erbschaften. Laut Statistik der Emder Verwaltung sind derzeit 634 Kurzwaffen (2017 waren es 598), 1465 Langwaffen (1438) und 113 sogenannte Waffenteile (60) amtlich festgehalten.
Eignung geprüft
„Die Zahl der Waffenbesitzer hat dagegen in den vergangenen fünf Jahren abgenommen“, sagte Wegbünder. Das führt er vor allem auf Sterbefälle und Umzüge aus Emden zurück. Insgesamt haben 387 Emder derzeit eine Waffenbesitzkarte. Vor fünf Jahren waren es 443. Das heißt: Weniger Waffenbesitzer haben mehr Waffen oder Waffenteile gemeldet. Diese werden laut Wegbünder auch regelmäßig auf Zuverlässigkeit und Eignung nach dem Waffengesetz überprüft. Zudem werde bei Waffenbesitzern alle fünf Jahre kontrolliert, „ob das Bedürfnis für den Besitz von Schusswaffen noch fortbesteht“, wie es die Stadt formuliert.
Darüber hinaus müssen auch Emder Waffenbesitzer nachweisen, dass sie ihre Waffen ordnungsgemäß aufbewahren und somit gewährleisten, dass keine Unbefugten an die Waffen gelangen können. Neben der Vorlage von entsprechenden Nachweisen hinsichtlich der ordnungsgemäßen Waffenaufbewahrung, werden auch unangemeldete Kontrollen beim Besitzer durchgeführt, versichert der Fachdienst. Die Stadt selbst hat in diesem Jahr aber keine Waffen zwangsweise eingezogen. Gleichwohl bewahrt die Behörde Waffen oder verbotene Gegenstände auf, die die Polizei sichergestellt hat. Sie sorgt auch im Einzelfall für die ordnungsgemäße Vernichtung. Wegbünder: „Bei der Waffenbehörde sind derzeit keine Rechtsstreitigkeiten anhängig.“
