Emden - Man muss schon etwas genauer hinsehen, um zu erkennen, was genau es mit der „Sans Vitesse“ und ihren etwas ungeordneten schwarz-weißen Streifen auf sich hat. Ob genau das die Absicht ist, ist allerdings eher unwahrscheinlich.
Aber die ungewöhnliche Farbgebung dieses kantigen Schiffes, das seit einigen Tagen etwas versteckt in einem Stichkanal des Emder Hafens liegt, erinnert spontan schon etwas an eine militärische Tarnung. Wenn es wettertechnisch nicht gerade so ungemütlich wäre in Emden, könnte man allerdings friedliebender auch von einem Safari-Look sprechen. Tatsächlich wird überall dort, wo das rund 76 Meter lange und 13 breite Schiff auftaucht, immer wieder gern vom „Zebra-Schiff“ gesprochen oder geschrieben, was letztlich ja auf dasselbe hinausläuft. Eine militärische Tarnung ist es jedenfalls nicht.
101 Kabinen
Bei der „Sans Vitesse“ handelt es sich um ein sogenanntes Floatel, einem schwimmenden Hotel. So finden sich auf der „Sans Vitesse“ – was wörtlich übersetzt sinnigerweise „ohne Geschwindigkeit“ bedeutet – immerhin 101 Kabinen mit jeweils eigenem Bad. Zudem gibt es ein Restaurant, ein Café, einen Fitnessbereich, eine Wäscherei sowie eine Kombüse mit Kühl- und Trockenräumen – und einen Fahrstuhl. Eingesetzt werden Floates in der Regel als zeitlich begrenzte Unterkünfte für Arbeiter und Monteure. Die „Sans Vitesse“ ist in der Vergangenheit auch schon für die Papenburger Meyer Werft im Einsatz gewesen.
Nordstream 2?
In Emden soll das Wohnschiff in der nächsten Woche bei der Emder Werft und Dock GmbH (EWD) für gute zehn Tage ins Dock 4 gehen, um dort eine routinemäßige „Klasse“ zu erhalten. Intern wird das gern schon mal als „Klasse und waschen“ bezeichnet. Bei der EWD kennt man den Kunden auch schon etwas länger. Das Zebra-Schiff kam nach Angaben des hiesigen Maklers Frank Janssen von der Mibau Holding zuvor mit Schlepperunterstützung aus Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern nach Emden. Wen die „Sans Vitesse“ im Osten beherbergt hat, ist nicht bekannt. In Lubmin liefen zuletzt aber die Fäden für die Bauarbeiten für die umstrittene russische Gas-Pipeline Nordstream 2 zusammen. Ob es da einen Zusammenhang gibt, bleibt offen.
Nicht das erste Mal
Die „Sans Vitesse“ fährt – besser: wird gezogen – unter der Flagge der Niederlande und gehört zum im niederländischen Kootwijkerbroek ansässigen Unternehmen Chevalier Floatels, das auch Arbeitsschiffe im Offshore-Bereich unterhält und anbietet. Das 2004 gebaute Wohnschiff „Sans Vitesse“ hat keinen eigenen Antrieb und musste deshalb von zwei Schleppern von der Ostsee nach Emden gezogen werden. Jetzt liegt sie erst einmal am verlängerten Reparaturkai der EWD im Stichkanal und wartet darauf, ins Dock gezogen zu werden. Es ist auch nicht das erste Mal, dass das Floatel zu Besuch in Emden ist. Dennoch ist es immer wieder ein Hingucker. Ende Dezember, vielleicht auch Anfang Januar soll das schwimmende Hotel Emden wieder verlassen.
