Emden - Am Ende dieser Woche werden 20 Männer aufatmen: Sie leisten zurzeit Schwerstarbeit im Van-Ameren-Bad, haben bereits die über 27 Jahre alte Folie aus dem Becken herausgerissen und kämpfen jetzt noch mit den Tücken der Randbefestigung aus Metall. Doch der Weg für den 2019 begonnenen und nun letzten Sanierungsschritt des Hauptbeckens ist damit geebnet.
Straffer Zeitplan
Der Zeitplan ist dabei eng getaktet: Eine Woche lang dauerte nach Saisonschluss das Entleeren des Beckens – wobei das Wasser tatsächlich für die Bewässerung des Baumbestandes auf der Liegewiese genutzt werden konnte. Das ergab eine chemische Unbedenklichkeitsuntersuchung. Wenn kein Chlor mehr zugefügt wird, verdünnisiert sich quasi auch der Rest, wie Technik-Chef Peter Kurzak erläuterte. „Die Folie haben wir dann am Montag mit 15 Mann schnell geschafft. Nur die Bleche sind mühselig.“
Bombenfest
Mit Blechschienen war die Folie im Becken fixiert, unzählige Dübel müssen jetzt raus. Nach fast drei Jahrzehnten sitzen sie bombenfest im Beton. Die Männer arbeiten mit der Flex und der Brechstange, ab und an hört man ein befreiendes „Jaaaaa!“ über das Gelände rufen, wenn wieder ein paar Zentimeter geschafft sind. Man bedenke: das Becken ist 1400 Quadratmeter groß.
Teuerung
Diese Knochenarbeit ist allerdings notwendiger Teil der Eigenleistung, um die teure Sanierung überhaupt stemmen zu können. Sie wird ehrenamtlich wie fast alles im Bürgerbad erbracht. Kurzak bezifferte diesen Part Anfang des Jahres noch mit einem Wert von 15.000 Euro, doch der dürfte angesichts der Teuerung ähnlich im Wert gestiegen sein wie für die weiteren, von Fachfirmen zu erbringenden Leistungen.
Folie schon da
Vor diesem Hintergrund ist von Glück die Rede, dass die Folie längst geordert, bezahlt (150.000 Euro) und schon im Sommer geliefert worden ist. Direkt aus Barcelona stand der Lkw mit der Ware auf zwölf Paletten plötzlich an der Kesselschleuse, wie Vereinsvorsitzende Gudrun Schöttes sagte. Die sind so lange in einer Halle zwischengelagert, bis die Fachfirma aus dem Saarland mit der Verlegung beginnen kann.
Ausbesserung
Zuvor müssen noch einige durch Frost und Alterung entstandene Spuren auf dem Beckenboden geglättet werden. Die Betonausbesserungen werden allerdings einer Fachfirma überlassen, damit die neue Folie nicht gleich Schaden nimmt. Und auch, wenn der Beckenboden derzeit unwegsam aussieht – es ist nur die abblätternde Farbe, die Peter Kurzak selbst vor 28 Jahren mit aufgetragen hat – muss nur partiell ausgebessert werden. Auf eine flächendeckende Ausgleichsmasse kann verzichtet werden. Dennoch werden am Ende dieses Sanierungsabschnitts unterm Strich 200.000 Euro stehen. Insgesamt sind damit seit 2019 mitsamt der Fliesenumrandung und ähnlichem über 350.000 Euro investiert worden.
Werbekampagne
Kosten, die allein aus Spenden und Saison-Einnahmen beglichen werden. Auf eine eigentlich geplante Werbekampagne, bei der die alte Folie zu Quadratmeter-Stücken verkauft werden sollte, wurde doch noch verzichtet. Der zeitaufreibende Aufwand für solche Aktionen wurde stattdessen in tatkräftige Arbeit am Becken gesteckt. Und wer dennoch einen finanziellen Anteil an der Sanierung übernehmen möchte, ist auch so herzlich willkommen, wie Gudrun Schöttes sagte.
Bürgeridee
Große wie kleine Spenden würden gebraucht, etwa wie der Fünf-Euro-Schein, der die Vorsitzende nach der Weihnachtsmarkt-Absage beim vorletzten Mal erreichte. Den hätte der Spender sonst in ein Glas Glühwein zum Wohle des Bads investiert und dann eben per Post versendet. „Das zeigt doch die Bürgeridee, die hinter unserem Bad steckt“, sagte Gudrun Schöttes. „Wobei uns die Emder Firmen natürlich auch nach Kräften unterstützen.“
