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Serie „Emder erzählen“ Führerlos trieb der Ponton der Küste entgegen

Ernst Richter
Liegeplatz im Emder Hafen: Schlepper der Reederei Wessels. Die Aufnahme entstand um 1970.

Liegeplatz im Emder Hafen: Schlepper der Reederei Wessels. Die Aufnahme entstand um 1970.

privat

Emden - Als Urlaubsvertretung bei der Reederei Wessels konnte ich 1970 auf „Gerrit Wessels“ anmustern. Dann ging die Schleppreise los nach Augusta/Sizilien. Eine neue Herausforderung erwartete mich. Am 20. Januar 1970 verließen wir Emden mit vollständiger Ausrüstung, voll gebunkert und mit ausreichend Frischwasser in Richtung Rotterdam, wo wir einen Tag später etwas außerhalb vom großen Hafengelände festmachten. Das zu schleppende Objekt war ein langer Ponton, auf dem ein Riesenbagger und die dazugehörigen Schuten für ein Projekt in Augusta bereitgestellt und von der holländischen Wasserbaufirma schon fest verzurrt waren.

Kochen war besonders

Tags drauf verließen wir Rotterdam und begannen die lange Schleppreise. Schon bald waren wir in der Biskaya und hielten auf ganz langer Leine den Ponton in Richtung Finisterre an der Nordwestküste Spaniens. Der Ponton folgte uns wie von Geisterhand, denn die Leine war nicht immer zu sehen. Bei langanhaltender Dünung im Atlantik war die Reise bis Gibraltar bei schönstem Wetter verlaufen.

Die Zubereitung der Essen für die Besatzung war schon etwas Besonderes auf so einem kleinen Schiff, denn so ein Seeschlepper mit wenig Freibord ist immer dicht am Element Wasser. Am 7. Februar 1970 erreichten wir Augusta auf Sizilien. Der Ponton mit Namen „TAK 7“ wurde auf kurze Schleppleine aufgekürzt und von einem Assistenzschlepper aus Augusta im Hafen an seinen Liegeplatz verbracht und festgemacht. Unsere Ladung auf dem Ponton wurde an den folgenden Tagen von Schwimmkränen gelöscht. Das geschah so zügig, dass wir schon am 12. Februar mit dem leeren Ponton den Hafen verlassen konnten.

<p>                Erinnert sich an seine Zeit als Koch auf der „Gerrit Wessels“: Erst Richter. Bild: Iris Hellmich             </p>

Erinnert sich an seine Zeit als Koch auf der „Gerrit Wessels“: Erst Richter. Bild: Iris Hellmich

Der Ponton sollte zurück nach Holland gebracht werden. Wir schleppten ihn auf circa 700 Meter Leine. Im Mittelmeer machten wir mit acht Meilen die Stunde gute Fahrt. Bei Erreichen von Gibraltar und der Einfahrt in den Atlantik verschlechterte sich das Wetter.

Schleppverbindung brach

Die Wellenberge waren so hoch, so dass wir den Ponton bei inzwischen vier Meilen Fahrt oft nicht mehr sehen konnten. Beim Passieren von Kap Finisterre wurde das Wetter immer schlechter. Wind und Wellen nahmen zu. Meine Utensilien in der kleinen Kombüse mussten mehr als sonst gesichert werden.

Am 24. Februar 1970 passierte es dann: morgens gegen vier Uhr brach unsere Schleppverbindung zum Ponton. Führerlos trieb er der Küste entgegen. Für die Besatzung war jetzt höchster Einsatz erforderlich. Der erste Steuermann und der Bootsmann waren vom Kapitän bestimmt worden zum Ponton hinüberzusetzen, um eine Leinenverbindung in Empfang zu nehmen. Als Koch hatte ich die Aufgabe, schnell einen Seesack mit Proviant und Getränken zu packen. Auch eine Flasche Rum musste als unentbehrliche Wärmequelle für den Notfall dabei sein sowie Decken für die Männer auf dem flachen Ungetüm.

Dem Wetter getrotzt

Kapitän Enno Schneider machte seine Sache so gut und präzise, so dass die beiden Männer in einem günstigen Moment vom Kopf des Schleppers auf die Lee-Seite des Pontons gefahrlos springen konnten. Durch die unermüdliche Kraft aller Beteiligten kam eine Notfall-Leine zum Einsatz. Wir konnten unsere Reise bei immer noch schwerem Seegang fortsetzen, während die beiden Kameraden auf dem Ponton ohne Schutz vor Wind und Seewasserspritzern ausharren mussten, bis wir schließlich nach 48 Stunden im Schutz einer kleinen Insel im Englischen Kanal längsseits des Pontons festmachten. Nun konnten die beiden durchgefrorenen Männer wieder an Bord zurück. Sie wurden fürsorglich von allen umringt. Ich versorgte sie mit Essen und warmen Getränken.

Schließlich setzten wir die Reise fort und erreichten am 28. Februar 1970 den Hafen von Rotterdam. Nach Übergabe des Pontons an die holländische Firma liefen wir dann endlich in Richtung Emden aus, wo wir am 2. März 1970 an unserem angestammten Platz an der Schlepperstation festm

Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist unter Telefon 04921/8900401 oder per E-Mail an emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.

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