Emden - Am 11. November hat wieder die Karnevalssaison begonnen, die närrische Zeit. Als geborener Emder ist es mir immer eine große Ehre, wenn ich für meine alte Heimat Werbung machen und Menschen in aller Welt für unser schönes Ostfriesland begeistern kann.
Der Arbeit wegen bin ich nach Köln gezogen und bin dort schon seit Jahren als überzeugter Ostfriese bekannt. Im Jahr 2013 hat mich die „Karnevalsgesellschaft Alt-Köllen vun 1883“, kurz: KG Alt-Köln, als ersten Ostfriesen eingeladen, an der alljährlichen Steuben-Parade in New York teilzunehmen. Ich habe spontan „Ja“ gesagt, denn ich bin noch niemals zuvor in New York gewesen und hatte riesig Lust, an dieser Parade teilzunehmen.
Ostfriese und Karnevalsfan: der gebürtige Emder und Wahl-Kölner Henry Petersen. Bild: Iris Hellmich
Die alljährliche Steuben-Parade, als Trachtenumzug 1957 von einigen nach Amerika ausgewanderten Deutschen in Erinnerung an den 1730 in Magdeburg geborenen Freiherrn Friedrich von Steuben gegründet, findet immer im September auf der Fifth Avenue in New York statt. Von Steuben hatte sich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg besonders hervorgetan, weil er für Ordnung und Disziplin innerhalb der Truppen der Vereinigten Staaten sorgte und dafür als Architekt der Amerikanischen Unabhängigkeit gilt. Es gab viele Jahre später ein Schiff namens „General von Steuben“, das als Lazarettschiff diente und im Frühjahr 1945 Menschen in Ostpreußen an Bord nahm, um der anrückenden Roten Armee zu entkommen.
Kölner Karnevalsgesellschaft flog Gemeinsam in die USA ...
Die ganze Karnevalsgesellschaft von Köln ist mitgefahren in die Vereinigten Staaten von Amerika, beziehungsweise mitgeflogen. Unsere Kostüme kamen in einem anderen Flugzeug hinterher. Mein Kostüm hat mir die Karnevalsgesellschaft geschenkt. Ich habe es aber später zurückgegeben.
Bei der Steuben-Parade 2013 auf der Fifth Avenue und am Central Park entlang durfte ich mit der Deutschland-Fahne in Händen zusammen mit der Kölner Karnevalsgesellschaft mitmarschieren. Vor uns liefen Düsseldorfer, die lauthals „Helau“ riefen. Daraufhin riefen hunderttausende New Yorker ebenfalls „Helau“. Doch wir aus Köln riefen „Alaaf!“ Deshalb rief ich mit meiner lauten Stimme, im Spaß wie es im Karneval üblich ist: „Not Helau – Alaaf“. Das blieb nicht ohne Folgen: Auf meinen Zwischenruf hörte ich lustigerweise hunderttausende oder sogar Millionen Stimmen von New Yorkern rufen: „Alaaf, Alaaf!“ Diese mitreißende, vergnügte Parade wurde damals im Fernsehen gesendet. Wie eine Welle zog sich die gute Laune durch New Yorker Straßen.
Mit den Kölner Jecken im Bus... und weiter nach Kanada
Insgesamt blieben wir vier Tage in New York. Von dort fuhren wir Kölner Jecken mit dem Bus nach Kanada. Unterwegs besichtigten wir unter anderem die Niagara-Fälle. Doch zuvor hatten wir in Hoboken in New Jersey Halt gemacht. Das hatte einen besonderen Grund: Der Busfahrer, ein schwarzer Amerikaner, war ein großer Fan von Frank Sinatra und liebte dessen Lieder. Frank Sinatra wurde 1915 in Hoboken geboren. Der Busfahrer erklärte leidenschaftlich: „In this town Frank Sinatra was born“. Deshalb hörten wir die ganze Zeit eine Kassette mit Liedern wie „My way“, „Fly me to the moon“, „That’s life“ und viele andere.
Insgesamt war die Reise für mich sehr interessant. Und vor allem war ich stolz, dass ich als Buten-Ostfriese vor den Augen von Millionen New Yorkern, die sich in den Straßen und vor den Fernseh-Bildschirmen versammelten, mitmarschieren durfte.Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist unter Telefon 04921/8900401 oder per E-Mail an emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.
Zur Person: Henry Petersen, ist 1943 in Emden geboren. Mit 15 Jahren machte er eine Lehre in der Schiffsausrüstung als Industriekaufmann bei Wienholtz & Becker. Anschließend war er bei den Ford-Werken und Toyota in Köln angestellt. Zuletzt war er beim WDR in Köln tätig, im Vertragsmanagement als Mittelsperson für freie Mitarbeiter.
