Emden - Immer habe ich mich stark mit meiner Emder Heimat identifiziert – seit vielen Jahren als Buten-Ostfriese in Köln, wo ich beim WDR arbeitete. Geboren wurde ich in der Schillerstraße 27. Wir waren Nachbarn von Henri Nannen. Seiner Mutter haben wir Kinder häufig Streiche gespielt. Ich wollte es Henri Nannen immer mal erzählen, habe mich aber nicht getraut, als er bei uns beim WDR in Köln war, wo ich 25 Jahre arbeitete.
Zu meiner Geburt bekam meine Mutter ein Geschenk von Henri Nannens Mutter. Wenn etwas ganz wichtig war, zum Beispiel als meine Großmutter starb, kam das Gespräch bei Nannens an, denn wir hatten zu der Zeit kein Telefon.
Ein Radio gekauft
In der Neuen Heimat in Emden haben wir auch in der Schnedermannstraße und in der August-Bebel-Straße gewohnt. Als Kind arbeitete ich auf dem Feld, pflückte Bohnen und kaufte mir von dem Lohn ein Radio. Auch half ich in den Schulferien auf Borkum beim Champignons sammeln für die Hotel-Küchen.
An Otto Waalkes habe ich auch noch einige Erinnerungen. Er wohnte in der Godfried-Bueren-Straße wie auch Verwandte von uns. Otto saß oft auf dem kleinen Bunker und spielte Gitarre. Schon damals malte er Ottifanten – mit Kreide auf die Straße.
Es war eine schöne Kindheit damals in den 1940/50-er Jahren für mich und meine Schwester Hannelore Westmark. Wir hatten genug Platz zum Spielen. Unsere Mutter sagte, wann wir wieder zu Hause zu sein hatten. Manchmal kamen wir mit Winkelhaken in der Hose zurück, die sie dann mühelos nähte. Alles funktionierte perfekt, jedenfalls aus der Sicht von uns Kindern.
Sonntags ging ich zum CVJM, dem damaligen „Christlichen Verein junger Männer“. Ich bekam 50 Pfennig mit, wovon ich mir Apfelsaft gönnte. Das war etwas Besonderes, und ich genoss über vier Stunden schluckweise das edle Getränk.
Mit Pappkoffer nach Köln
Mein Vater, der gebürtige Emder Louis Petersen, arbeitete als Kranführer und Maschinist bei Schulte & Bruns. Meine Mutter, Fentke Petersen, geborene Henning, stammte aus Campen. Von den meisten wurde sie Fenna genannt. 1962 habe ich im Alter von 18 Jahren Emden verlassen, um bei den Ford-Werken in Köln zu arbeiten. Meine Mutter hat sehr darunter gelitten, als ich mit meinem Pappkoffer meine schöne Heimatstadt Emden verließ.
Bei Ford wurde ich als Disponent angenommen und wohnte im Junggesellen-Haus. 13 Jahre blieb ich bei Ford. Dann begann ich ein Studium Betriebswirt-Marketing mit dem Staatsexamen als Abschluss. Nach weiteren Arbeiten bei Toyota hatte ich keine Lust mehr mit Autos zu arbeiten und bewarb mich beim WDR.
Dort habe ich viele Künstler dieser Erde kennengelernt. In den 1990er Jahren kam Hape Kerkeling zu Aufnahmen ins Studio. Ich hatte zuvor viel getrunken und musste die Toilette aufsuchen. Hape fragte, wo ich denn sei und die Kollegen sagten es ihm. Da antwortete Hape mit seiner schlagfertigen Art: „In meiner Sendung wird nicht gepullert“.
Bei Aufnahmen auf Lanzarote traf ich Ingrid Steeger am FKK-Strand. Sie hatte gerade Stress mit ihrem Lebensgefährten und sonnte sich nackt im Sand. Ich kam dort angezogen vorbei, weil ich meine Autoschlüssel verloren hatte, und sie half mir bei der Suche. Zum Glück fanden wir die Schlüssel wieder. Viele Fernseh-Stars sind mir in den 25 Jahren beim WDR begegnet. Eine unvergessene Zeit. Dazu später mehr...
Zur Person: Henry Petersen, Jahrgang 1943, ist in Emden geboren und macht mit 15 Jahren eine Lehre in der Schiffsausrüstung als Industriekaufmann bei Wienholtz & Becker. Anschließend war er bei den Ford-Werken und Toyota in Köln angestellt und zuletzt beim WDR in Köln tätig, im Vertragsmanagement als Mittelsperson für freie Mitarbeiter.
Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist über Telefon 8900401 oder E-Mail an emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.
