Emden - Am Emder Südkai tut sich etwas. Dort hat das Emder Unternehmen Ems Ports Agency & Stevedoring (Epas) nicht nur den Betrieb eines Hafenmobilkrans übernommen, sondern auch ein zusätzliches 20.000 Quadratmeter großes Freilager eingerichtet. Und obendrein ist in diesem Bereich des Neuen Binnenhafens ein neues Umschlaggeschäft gestartet, ein gemeinsames Projekt von Epas und Anker Schiffahrt: Schnittholz für die USA.
„Die Fläche ist prädestiniert für Stückgut und Schnittholz“, sagte Timo Siebahn, seit April 2021 Epas-Geschäftsführer, im Gespräch mit dieser Zeitung. Der gebürtige Lübecker war schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der Hans Lehmann KG in Lübeck, im Forstprodukt-Geschäft aktiv. Sicherlich ein Pluspunkt für die Zusammenarbeit mit dem Emder Partner. Anker, ansässig im Außenhafen, gehört zu den großen Playern, wenn es um den Umschlag von Holz und Zellulose geht: Vor fast 40 Jahren wurde in Emden das erste Schiff mit Zellstoff aus Finnland abgefertigt. Heute bewegt sich die Jahrestonnage im mittleren bis oberen sechsstelligen Bereich.
Bislang 45.000 Kubikmeter
Das Holz, das am Südkai auf 30.000-Tonnen-Schiffe verladen wird – wie die 180 Meter lange „Jaunty Jenny“ – , kommt aus deutschen und belgischen Sägewerken. Die Fracht gelangt per Bahn nach Emden. Sechs Ganzzüge (26 Waggons) liefern die Menge für ein Schiff. 15.000 Kubikmeter Holz sind das insgesamt – fein gehobelte Douglasie, aber auch Bauholz. Die Anlieferung der Ware erfolgt mit einem Vorlauf von vier bis sechs Wochen. Für die Verladung muss der Epas-Mobilkran nicht eingesetzt werden. Das erledigen die bordeigenen Krane der Schiffe, die zur Lübecker Reederei Oldendorff gehören. Drei Lieferungen von zusammen 45.000 Kubikmeter Holz wurden inzwischen auf den Weg gebracht. Das nächste Schiff werde im Juli erwartet, sagte Siebahn. Ziel ist, alle sechs bis acht Wochen ein Schiff auf die Reise zu schicken. Providence im US–Bundesstaat Rhode Island ist der Zielhafen. Die Nachfrage nach Schnittholz in den USA ist laut Siebahn groß, die Exportkapazitäten in deutschen Seehäfen seien entsprechend gefragt. Und Emden könne weitere Kapazitäten dafür schaffen.
Drei starke Standbeine
Der junge Geschäftsführer spricht von einem guten Start. „Zwei etablierte Emder Unternehmen haben in Zusammenarbeit mit der Reederei und dem Buchungsagenten ein starkes Paket geschnürt.“ Man habe ein „interessantes Projekt zur vollsten Zufriedenheit der Kunden umsetzen können“, wird Anker-Geschäftsführer Jan Remmers in einer Pressemitteilung zitiert. Das neue Geschäft ist noch ein zartes Pflänzchen, wie Siebahn auf Nachfrage bestätigt. Gleichwohl sind beide Unternehmen zuversichtlich. „Wir hoffen gemeinsam auf weitere Breakbulk-Verschiffungen (Massenstückgut; Anm. d. Red.) im Emder Hafen“, erklärte Tilo Hoff, Anker-Prokurist und Projektleiter.
Für Epas ist der Umschlag von Stückgütern und Projektladungen eins von drei starken Standbeinen. Seit vielen Jahren ist das mittlerweile 70-köpfige Epas-Team erfolgreich im Geschäft mit Onshore-Windkraftanlagen unterwegs, lange Zeit vorrangig für den Auricher Hersteller Enercon, mittlerweile auch für andere Anbieter wie Nordex, Siemens oder General Electrics. Und schließlich managt Epas den Emder Basishafen Offshore: Nahezu jeder Windpark in der westlichen Nordsee wird in irgendeiner Form über Epas in puncto Betrieb und Wartung betreut. „Riffgat“ bei Borkum ist der nächstgelegene, „Global Tech I“ (110 Kilometer) der am weitesten entfernte. Von Emden aus starten die Versorgungsschiffe zu den Anlagen auf hoher See: die Service Operation Vessels (SOV) mit Technikern an Bord sowie die Platform Service Vessels (PSV) mit dem erforderlichen Material.
Dass das Leistungsspektrum von Epas so breit ist, sei wichtig für den Erfolg des Unternehmens, unterstreicht Timo Siebahn. Und dazu soll nun auch das Schnittholzgeschäft mit Kunden in Übersee beitragen.
