Emden - Wann genau sich der „alte Knacker“ in die anstehende Wahl des Emder Jugendparlaments eingeschlichen hat, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Fakt ist: Es steckt wohl kein böser Plan dahinter, eher Unwissenheit. Im Nachhinein bringt es der Pressesprecher des Jugendparlaments, Malte Kröger-Vodde, selbst am besten auf den Punkt: „Aus jetziger Sicht ein schlechter Zufall.“ Und der 15-Jährige schiebt aus eigenem Antrieb gleich noch nach: „Das ist extrem doof gelaufen.“
An vier Stellen zu sehen
Tatsächlich muss man ein wenig die Goldwaage bemühen, um die Zweifel am Werbeplakat des Emder Jugendparlaments einzuordnen, das gleich an vier Stellen in der Stadt zu sehen ist. Da starrt einen ein greiser Mann mit Hut und stechendem Blick an und zeigt dann auch noch mit dem Finger auf den Betrachter. „I want you for Jupa“, übersetzt: „Ich suche Dich für das Jugendparlament.“ Flankiert wird die in Emder Farben getauchte Figur von der Aufforderung „Sei dabei!“
So weit, so bedingt originell. Denn der Herr ist in den vergangenen hundert Jahren schon oft für werbewirksame Aufrufe jeglicher Art genutzt worden. Leider aber vor allem in gleich mehreren Kriegen – zur Rekrutierung junger Männer für die Schlacht. Da dauert es erwartungsgemäß nicht allzu lange, bis der Bezug zur aktuellen Weltlage hergestellt wird. Darf man heute mit diesem alten Kriegsmotiv für ein Jugendparlament werben?
Klar darf man das, aber ob das richtig ist? Dem Borssumer Pastor Wolfgang Ritter fallen da gleich zwei Argumente ein, die gegen den „greisen Mann“ auf dem Plakat sprechen. Warum wird ausgerechnet mit einem Rekrutierungsplakat für die US Armee für ein Jugendparlament geworben – und das auch noch mitten im Ukraine-Krieg? Warum nicht mit jungen Köpfen, um die es ja eigentlich geht? Und er fragt sich, warum ausgerechnet die klimabewegte Generation „Fridays for Future“ mit einem Wahrzeichen der Vereinigten Staaten um politische Mitstreiter werben muss, dem Land von Fastfood, CO2-Emissionen und mächtigen IT-Konzernen.
Allerdings musste Ritter, in dessen eigener Familie das Plakat einige Diskussionen ausgelöst hat und er deshalb seine Bedenken auf Facebook öffentlich machte, einräumen, dass er eigentlich die Stadt in Verdacht hatte, sich bei der Auswahl der Plakatwerbung vergriffen zu haben. Ist aber gar nicht so. Vielmehr haben die jungen Leute zwischen 15 und 21 in den von der Stadt bereit gestellten Geldtopf des Jugendparlaments gegriffen und die Kampagne selbst umgesetzt. Aber wussten sie denn, wer der Mann mit dem Zylinder ist und für welche Zwecke er ursprünglich eingesetzt worden ist?
Plakat kommt weg
„Ehrlich gesagt: nein!“, sagte Sprecher Malte Kröger-Vodde. Wusste man nicht. Und wenn man es gewusst hätte, wäre der Zylindermann wohl auch nicht zum Zuge gekommen. Und nun? Da ist man am Ende eines netten, unaufgeregten Telefonats wieder bei dem entscheidenden Satz des 15-Jährigen angekommen: „Schlechter Zufall, extrem doof gelaufen.“ Aber das Plakat komme nächste Woche sowieso weg.
Bis zum 4. April kann man sich noch als Kandidat für das Emder Jugendparlament melden. Der „greise Mann“ auf dem Plakat ist dafür allerdings viel zu alt.
