Emden - Wie autoritäre Staaten mit Menschen umgehen, das hat der 2019 verstorbene Glockenspiel- und Delftspucker-Stifter Bernhard Brahms einst als Jugendlicher während der Zeit des Nationalsozialismus erfahren. Doch nun hat das Thema angesichts des Ukraine-Konflikts und der Repressalien, die in Russland all jenen Menschen drohen, die gegen diesen von Putin angezettelten Krieg sind, eine neue Brisanz erhalten. Daher hat sich der Kommunale Präventionsrat der Stadt Emden entschlossen, den im letzten Jahr fertiggestellten und in der Volkshochschule uraufgeführten Dokumentarfilm „Fahnenflucht eines Kindes in die Freiheit“ über Brahms frei verfügbar ins Internet zu stellen.

Aufgerufen werden kann die rund 40-minütige Dokumentation auf der Videoplattform YouTube. Der Film basiert auf einem lange unveröffentlichten Interview, das Brahms Onno Santjer vom Präventionsrat bereits im Jahr 2005 im Rahmen eines Zeitzeugen-Projekts vor laufender Videokamera gegeben hat. In dem Gespräch schilderte der damals 75-jährige Brahms die lange unbekannte Geschichte, wie er als 15-jähriger Hitlerjunge desertierte, um nicht in den letzten Tagen des Krieges als sinnloses Kanonenfutter zu enden. Filmemacher Torsten Meinders (Stadt Emden) schnitt daraus im letzten Jahr einen Lehr- und Anschauungsfilm für die heutigen Generationen.

„Das Thema ist brandaktuell“, unterstrich Santjer gegenüber unserer Zeitung. „Doch wegen der Entwicklung der Corona-Zahlen können wir mit dem Film im Moment leider nicht direkt in die Schulen gehen und ihn inhaltlich begleiten.“ So aber kommt das zeitgeschichtliche Lehrstück zumindest trotzdem in die Welt hinaus. Und mit der Veröffentlichung im Internet können außerdem nun auch all jene Interessierten den Film sehen, die bei den ersten Aufführungen im letzten Jahr in der vhs nicht zum Zuge gekommen sind, weil damals pandemiebedingt nur sehr ausgewählte Termine mit geringen Platzzahlen möglich waren.

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Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung