Emden - „Tanzen ist Leidenschaft“, sagt Gudrun Schuster vom gleichnamigen Tanzstudio. „Ich tanze durch mein Leben“, sagt Astrid Löschen von der Tanzschule Löschen. Beide Aussagen kann die 20-jährige Emderin Lya Tönjes nur unterstreichen. Auch sie tanzt für ihr Leben gerne, ist aber immer für andere Sportarten offen. Etwas ausprobieren ist nichts Ungewöhnliches für sie.
Zurzeit spielt sie nämlich auch noch in der Herrenhockey-Mannschaft beim Emder Tennis- und Hockeyclub (ETHC). Wie kommt das denn? „Als Frau darf ich in der Herrenmannschaft mitspielen, Männer dürfen aber nicht in Frauenmannschaften antreten.“
Da der ETHC über kein Frauenteam verfügt, Lya Tönjes aber gerne spielen möchte und von den Männern zudem gefragt wurde, spielt sie eben im Herrenteam. Und dass sie dort nicht Fehl am Platze ist, zeigen ihre Torerfolge.
Aber Moment, Tönjes? Da ist doch etwas mit Handball? „Ja, mein Vater Karsten und auch mein älterer Bruder Julius spielen beide Handball“, sagt sie. Und auch Opa Johann ist in Emden kein Unbekannter in Sachen Handball. Überhaupt: Die Familie Tönjes ist in der Handballsparte vom Rasensportverein Emden immer fest verwurzelt gewesen. Wäre das nicht eine Sportart für sie? „Ich war von klein auf immer schon mit in der Halle und hatte oft genug einen Ball in der Hand.“ Allerdings findet sie Handball zu körperbetont. Und schließlich spielte ihre Mutter Martina ja Hockey.
Und so kam Lya Tönjes im Alter von sechs Jahren auch zum Hockey. Tanzen war da schon seit drei Jahren ihr Steckenpferd. Vor dem Hockeyspielen hatte sie immer Respekt. „Ich habe teilweise bei der Jungenmannschaft ausgeholfen.“ Und wie war das? „Beim ersten Training sagte jemand, die kann nichts, das hat mich motiviert und ich habe mir geschworen, denen zeige ich es.“ In der ETHC-Männermannschaft harmoniert es auf jeden Fall sehr gut.
Vor allem war es ein Schub, als ihre Mutter zusammen mit Bettina Baranowski den Trainerinnenposten übernahm. „Da kam viel mehr Lust am Hockey bei mir auf.“ Neun Jahre war sie da, besuchte mit ihrer Mannschaft Pokalturniere und hatte viel Spaß an dieser Sportart. „Zudem waren wir auch sehr gut.“ Immer fand sie neben der Schule und dem Hockey auch den Weg ins Tanzstudio.
Wie es manchmal so ist, suchte sie irgendwann auch im Tanzen eine neue Herausforderung. „Ich habe im Tanzstudio Schuster viel gelernt, wollte aber was Neues ausprobieren.“ Also ging sie zur Tanzschule Löschen. Dort war schon ihre Freundin Lina Brahms, das erleichterte ihr den Wechsel.
Und der Schritt 2011, so sagt sie heute, war richtig. Denn die Bilanz mit ihrem Team kann sich sehen lassen: 2012 holte sie noch den 1. Platz im Solo bei einem Contest in Eppelborn, wurde dann 2014 Deutsche Meisterin in der Kategorie Team, ebenfalls in diesem Jahr Europameisterin in der Kategorie Team und der Kategorie Small Group (nur maximal sieben Tänzer). Zwei Jahre später wiederholte sie diesen Erfolg, wurde mit dem Team Europameister - auch in der Small Group.
Eigentlich genug Sport, oder? „Na ja, parallel habe ich mit meinen Freundinnen Hannah und Neele Schweikhardt auch noch Volleyball gespielt beim Emder Ruderverein.“ Mittags nach der Schule ist sie Tanzen gegangen, danach war sie beim Volleyballtraining und abends wieder beim Tanzen.
Aber: „Ich habe Volleyballspiele abgesagt wegen des Tanztrainings.“ 2018 zog sie einen Schlussstrich und meldete sich beim Volleyball ab. Das reicht dann ja auch an Sport? „Nee, ich war auch noch im Basketball aktiv, wir haben mit der Schule auch bei Jugend trainiert für Olympia mitgemacht.“ Basketball fand sie toll. Leichtathletik war auch ihr Ding, sie schloss sich der Emder Laufgemeinschaft an. „Dreikampf machte mir Spaß.“
Haben bei all diesen Aktivitäten ihre Eltern ihr immer freie Hand gelassen? „Ja, ich habe von zu Hause nie Druck bekommen.“ Aber, was sagen die Handballer denn zum Thema Leichtathletik? „Ach, das war Papa egal, Hauptsache der Ball flog weit“, sagt sie lachend. Und da Lya Tönjes auch in der Schule immer gut mitkam, durfte sie eben viel ausprobieren.
Für die Zukunft hat sie sich noch nicht festgelegt, ein Studium Lehramt oder Psychologie würde sie reizen. Letzteres bedingt aber einen sehr guten Abischnitt. „Ich habe am Max-Windmüller-Gymnasium mein Abitur mit der Note 1,6 abgeschlossen.“ Das sagt sie in einer sehr bescheidenen Art. Und genau so kommt sie während des ganzes Gespräches rüber. Sie protzt nicht mit Erfolgen. Aber, sie weiß, was sie kann und will und wird ihren Weg gehen.
