Emden - Trotz aller aktuellen Herausforderungen durch Corona und den Ukraine-Krieg darf auch die Bedrohung der Küsten und des Binnenlandes durch den Klimawandel nicht aus dem Blick geraten. Das hat der Obersielrichter des I. Entwässerungsverbandes Emden, Reinhard Behrends, bei der jüngsten Vorstands- und Ausschusssitzung im Siel und Schöpfwerk Knock noch einmal in aller Dringlichkeit deutlich gemacht.
„Der Klimawandel bedrängt uns weltweit, aber die letzten Niederschlags- und Hochwasser-Ereignisse haben mal wieder gezeigt, wie wichtig auch unsere Arbeit ist“, sagte er – auch mit Blick auf künftige Extremwetter-Ereignisse, die von Experten in immer dichterer Folge erwartet werden. Allein der Blick auf den Beginn des noch jungen Jahres 2022 verdeutliche, dass man auch im Zuständigkeitsgebiet des Entwässerungsverbandes schon wieder mit enormen Niederschlagsmengen zu kämpfen gehabt habe.
Am Hauptschöpfwerk Knock beispielsweise wurde im Januar 78,6 Millimeter Niederschlag gemessen – 2021 waren es im gleichen Monat 72,5 Millimeter. Im Februar schoss der Wert auf der Skala noch höher, auf 150 Millimeter. Im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es nur 32. Es musste ordentlich gepumpt werden, um das Wasser von den Feldern zu bekommen. Entsprechend stiegen die Pumpstunden: im Januar 2022 auf 306,27 Stunden (gegenüber 291,32 im Januar 2021) und im Februar 2022 auf 644,51 Stunden (gegenüber 85,45 im Februar 2021).
„Umso wichtiger ist für die Zukunft, dass wir die Pumpenleistungen erhöhen“, unterstrich Behrends. Auch die Hochwasser-Situation in Bedekaspel und Forlitz-Blaukirchen im Februar nach der Sturmflutkette habe offenbart, wie wichtig ein Mehr an Schöpfleistungen sei. Gleichzeitig kämen etliche Schöpfwerke langsam an ihre Altersgrenze. Im Schöpfwerk Borssum (fast 100 Jahre alt) seien zum Beispiel nur noch zwei von drei Pumpen in Betrieb. „Das ist kein Zustand.“
In dem Zusammenhang stellten Behrends und Verbandsingenieur Jan van Dyk noch einmal die Idee einer modularen Schöpfwerktechnik vor, bei der große Tauchpumpen mit frequenzgesteuertem Motor mittels Horizontalbohrung innerhalb bestehender Deiche platziert werden könnten, um die alten Mündungsschöpfwerke nach dem Baukastenprinzip zu ertüchtigen und nach und nach zu ersetzen – und das Stück für Stück mit baugleicher Technik verbandsübergreifend entlang der gesamten Nordseeküste. Diese Idee, die der Entwässerungsverband auch schon Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei einem Treffen in Hannover vorstellen konnten (wir berichteten), ist inzwischen konkret beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) angekommen, eine Machbarkeitsstudie in Vorbereitung. „Die Mühlen haben angefangen zu mahlen“, vermeldete NLWKN-Vertreter Thomas Hoffmann bei der Verbandssitzung an der Knock.
