Emden - Wer in einem bestimmten Teil Uphusens wohnt, kennt das Problem: Innerhalb weniger Jahre ist der Boden an den Straßen mit den Fischnamen kräftig abgesackt. Anwohner mussten und müssen mit teils enormem Aufwand für einen Ausgleich auf ihren Grundstücken sorgen. Der Grund für die Versackungen: Bestimmte moorartige Bodenschichten zersetzen sich. Laienhaft ausgedrückt: der Boden schrumpft. Eine Schutzschicht könnte diesen Vorgang verhindern, zumindest aber verlangsamen. Diesen Gedanken verfolgt der 1. Entwässerungsverband Emden. Die Schutzschicht könnte Baggergut aus der Ems sein.
Moorschutz im Blick
Was die Verwendungsmöglichkeiten des Emsaushubs betrifft, ist noch reichlich Luft nach oben. So lautet zumindest die Einschätzung von Obersielrichter Reinhard Behrends und Verbandsingenieur Jan van Dyk. Das aktuelle Sediment-Management in und an der Ems tue dem Fluss nicht gut und sei zudem nicht ausgeschöpft. Aktuell wird das Baggergut aus der Unterhaltungsbaggerei größtenteils in der Ems verklappt und in geringeren Mengen auf dafür vorbereitete Spülfelder aufgebracht. Die verklappten Sedimente gelangen durch die Tidebewegung wieder flussaufwärts und werden dann erneut ausgebaggert.
Emsschlick könne mehr leisten, finden Behrends und van Dyk. Beide denken dabei unter anderem an die gerade erst von der Ampel-Koalition herausgestellte Moorschutzstrategie. Diese befasst sich auf verschiedenen Handlungsfeldern mit dem Schutz der Moore und Moorböden. Hintergrund: 92 Prozent der Moorkörper in Deutschland sind mittlerweile entwässert und zersetzen sich. Bei dieser Zersetzung wird klimaschädliches CO
Flächenaufwertung
Im Blick haben er und van Dyk Niederungsgebiete, die naturschutzfachlich in Betracht kommen, also Flächen, die unter Normalnull liegen und daher besonders aufwendig mit Pumpentechnik entwässert werden müssen. 17 000 Hektar solcher Flächen gibt es im Verbandsgebiet. 1000 davon sollten als Projektgebiet „ausgeguckt“ werden, schlägt Behrends vor. Ein Beispiel dafür seien die Loquarder Meeden in der Umgebung des gleichnamigen Dorfes. Sie liegen in einem Unterschöpfwerksgebiet im Bereich der Knockster Sielacht.
Das Baggergut über eine Spülleitung dort hinzubefördern, sei machbar. Durch die Flächenanhebung mit Hilfe des aufgespülten Schlicks würde nicht nur die Darg-Schicht konserviert, sondern auch die Hinterlandentwässerung im Niederungsgebiet erheblich erleichtert. „Man könnte dieses Gebiet dem Normalwasserstand anpassen, und wir müssten keine Pumpen mehr einsetzen“, sagt van Dyk. „Aus dem Loch rauskommen“, nennt das der Ingenieur. Für den Verband bedeutete das eine Entlastung bei Wartungs- und Energiekosten. Obendrein würden dadurch landwirtschaftliche Flächen aufgewertet. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion ein weiterer Pluspunkt, meinen die Verbandsvertreter.
