Emden - Sie sprechen von einem Skandal und fühlen sich enteignet. Und sie legen jetzt noch einmal nach: In einem Schreiben an Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) und den Fraktionsvorsitzenden im Emder Rat protestieren vier Emder Gewerbetreibende gegen das geplante Aus für Emdens einzige Erdgas-Tankstelle. Sie fordern die Politik darin auf, die Argumente für den aus ihrer Sicht umweltschonenden Treibstoff noch einmal zu prüfen und politisch neu zu bewerten.
Der OB und der Rat sitzen im Aufsichtsrat der Stadtwerke Emden (SWE), die die Zapfsäule auf dem Grundstück der Score-Tankstelle im Hafen betreibt. Die beiden Unternehmen hatten sich zuletzt darauf geeinigt, die Zapfsäule nicht mehr weiterzubetreiben, weil sie zum einen Neubauplänen im Wege steht, zum anderen auch nicht mehr wirtschaftlich sei. Der SWE-Aufsichtsrat hat dem bereits zugestimmt.
Tanken unmöglich
„Emden ist seit Jahrzehnten mit einer innovativen Klimapolitik unterwegs. Dass die Autostadt Emden sich als Standort für die Elektromobilität entwickelt, sollte nicht als Argument dienen, sich von anderen Maßnahmen zu verabschieden“, heißt es in dem vom Geschäftsführer des Emder Rettungsdienstes RKsH, Holger Rodiek, und dem Inhaber der Tischlerei Marten, Martin Dirks, unterschriebenen Brief. Beide haben gerade neue Fahrzeuge gekauft, die dann in ein paar Monaten in der Stadt nicht mehr mit Erdgas betankt werden könnten.
„Der Skandal ist dabei nicht nur, dass wir uns als Halter praktisch enteignet fühlen, man hat uns zudem bis heute nicht über die Pläne, die einzige Tankmöglichkeit in Emden zu schließen, informiert“, so Rodiek und Dirks. „Auch wenn wir bis heute überzeugt von dieser Technik parallel zur Elektromobilität sind, hätten wir die Möglichkeit gehabt, bei rechtzeitiger Info unser Investment in den Fuhrpark anzupassen.“ Sie führen zudem an, dass die Stadtwerke die Technik vor Jahren sogar finanziell gefördert haben.
Vor allem aber werben sie eine „feinstaubarme und ökologisch sinnvolle Antriebsart“, die der Stadt Emden, die sich seit Jahrzehnten eine innovative Klimapolitik auf die Fahne schreibe, gut anstehen würde. Als Alternative zur abgebauten Zapfsäule schlagen Rodiek und Dirks eine Biogas-Anlage auf dem Buschplatz vor. Dort könnte der Bio-Müll der Stadt zu Gas umgewandelt werden, das wiederum für den Auto-Antrieb genutzt werden könnte.
Stadtwerke entscheiden
Der Emder OB reagierte am Mittwoch prompt: Die operative Entscheidung, die Zapfsäule nicht mehr weiterzubetreiben, liege ganz allein bei der Geschäftsleitung der Stadtwerke.
