Emden - Wer denkt, dass Stockenten-Erpel das Schillerndste sind, das Emdens Stadtgewässer entenmäßig zu bieten haben, der irrt. Im Grachtenviertel Constantia hat sich jetzt ein auffälliger Poser unter die Wasservogel-Szene gemischt und eine exotische Note à la süß-sauer hinzugefügt: eine männliche Mandarinente, die offenbar mal die Lage checken wollte, ob sich hier vielleicht ein passendes Weibchen findet.

Direkte Paarungskonkurrenz durch die aus Ostasien stammende Art müssen die einheimischen Entenmänner allerdings nicht fürchten, sagte Jan Schürings von der Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland des Naturschutzbundes (Nabu). „In freier Wildbahn verpaaren sich Mandarinenten im Gegensatz zu anderen Exoten nicht so leicht mit anderen Enten.“ Aber auch untereinander sei die Treue groß. Klappt es für ihn und seine Auserwählte nicht mit dem Nachwuchs, probiere es der Erpel in der aktuellen Brutsaison dann auch nicht mehr woanders. Das mag – neben dem Schwinden des natürlichen Lebensraums – mit ein Grund dafür sein, dass die Mandarinente als Wildtier in ihrer Heimat China und Japan immer mehr auf dem Rückzug ist.

Steckbrief

Die Mandarinente stammt ursprünglich aus Ostasien. Vorkommen: gegenwärtig nur noch begrenzt in Ostsibirien, China und auf der japanischen Insel Hokkaido. Beliebtes Zier- und Zuchtgeflügel. In Europa gibt es vereinzelt verwilderte Parkpopulationen.

Aussehen - Das graubraune Weibchen ist vergleichsweise unscheinbar, hat einen weißen Augenring mit verlängertem Lidstrich, ein weißes Kinn und eine gefleckte Unterseite. Das bunte Männchen erkennt man an seiner schopfartigen Haube mit Grünmetallic-Effekt, kastanienbraunem Backenbart und großen weißen Überaugenstreifen. Auffällig sind auch die großen orangenen Flügelfedern, die segelartig aufgestellt sind.

Nahrung - Mandarinenten sind nicht sehr wählerisch bei der Futterauswahl. Sie fressen Würmer, Insekten, Käfer, Weichtiere, Wasserpflanzen, Getreidekörner, Nüsse, Eicheln oder Sämereien.

In Gefangenschaft entwickeln sich die Mandarinenten dagegen prächtig, denn bei Züchtern sind sie beliebt. Auch bei den großen Schauen des Emder Geflügelzuchtvereins waren schon öfter Exemplare ausgestellt. Gezielt als Parkvogel ausgewildert – wie beispielsweise Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin (diese Kolonie hielt sich nur bis in die 1920er) – wurden Mandarinenten in Emden aber nicht. Wahrscheinlicher ist daher, dass der in Constantia gesichtete und laut Beobachtern auch beringte Erpel irgendwo ausgebüxt ist. Das denkt auch Schürings. „Mandarinenten sind ganz oft Flüchtlinge aus Tierparks oder aus der Vogelhaltung.“

Diese können übrigens nicht nur ganz passabel fliegen. „Mandarinenten können auch gut klettern, dabei helfen ihnen die kleinen Krallen an den Füßen“, erläuterte Schürings. Das ermögliche das Nisten auch auf höheren Bäumen. Die heimischen Enten brüteten dagegen eher bodennah.

Ohne Mandarinenten-Weibchen wird der Erpel in Constantia allerdings wenig Grund zum Nestbau haben. Weil sich Mandarinenten aber laut Schürings gern in der Gesellschaft mit anderen Enten aufhalten, ist er im Grachtenviertel zumindest nicht ganz allein – sollte ihn denn sein Besitzer nicht wieder einfangen.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung