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Teures Missverständnis in Emden Rentnerin war ein paar Tage nicht zu Hause – und schon kam die Feuerwehr

Die Folgen einer Notfalltüröffnung haben die Angehörigen einer Emderin verärgert.

Die Folgen einer Notfalltüröffnung haben die Angehörigen einer Emderin verärgert.

Symboldbild: Archiv

Emden - Kaum ist man ein paar Tage aus dem Haus, schon steht die Feuerwehr in der menschenleeren Wohnung. Weil eine Nachbarin dachte, es sei etwas passiert. Und die Polizei rief. Die Feuerwehr kam hinzu, öffnete zwei Türen und sicherte sie anschließend mit neuen Schlössern. Die Mieterin hat nichts falsch gemacht. Aber die Rechnung über 280 Euro muss sie selbst bezahlen. Wer das nicht glaubt, sollte mit Eric Hempel sprechen. Der weiß seit einigen Wochen, dass so gut wie jeder in diese Falle tappen kann.

In einem offenen Brief hat sich der Bingumer an die Stadt Emden gewandt und seinem Ärger Luft gemacht. Die betroffene Mieterin ist nämlich seine Schwiegermutter. Und der geht es weder gesundheitlich noch finanziell gut. Die demente alte Dame bezieht Grundsicherung. Zum Leben bleiben ihr nach Bezahlung von Miete und Nebenkosten gerade mal 360 Euro im Monat. Trotzdem beharrte die Stadt Emden darauf, dass die Rechnung bezahlt wird.

„Hochnäsige Antwort“

Oberbürgermeister Tim Kruithoff versichert Eric Hempel in seiner schriftlichen Antwort auf den offenen Brief, er könne „sehr gut nachvollziehen“, dass Hempel sich ärgere. Dann kommt das zu erwartende Aber: „Würden die Kosten zu Lasten der Person gehen, die die Feuerwehr gerufen hat, würde die Hilfsbereitschaft wohl deutlich nachlassen. Würde neben der Türöffnung auch die anschließende Sicherung des Eigentums der Allgemeinheit zur Last gelegt, wäre auch das meines Erachtens nicht gerecht.“

Die Antwort des Verwaltungschefs empfindet Eric Hempel als „hochnäsig“, wie er im Gespräch mit der Redaktion sagt. Ihn stört, dass die Verwaltung an ihrer Forderung festhielt. Dass mittlerweile eine Ratenzahlung vereinbart wurde, mildert seine Empörung nicht: „Es geht gar nicht so sehr um die Summe. Sondern darum, dass auch Menschen, die am Existenzminimum leben und unverschuldet in diese Situation gekommen sind, bezahlen müssen.“ Und alle anderen Menschen, die – wie Eric Hempels Schwiegermutter – nichts Falsches getan haben. Sondern einfach nur nicht zu Hause sind.

Im konkreten Fall hatten die Hempels ihre Mutter und Schwiegermutter in ein Krankenhaus in Leer gebracht, weil es ihr schlecht ging. „Da hängt man natürlich keinen Zettel an die Tür, auf dem steht: ,Ich bin im Krankenhaus‘. Man will ja schließlich keine Einbrecher anlocken.“ Den direkten Nachbarn in dem Zweifamilienhaus in der Graf-Enno-Straße hätte man Bescheid gegeben. Aber die befinden sich auf einer Urlaubsreise. Erst mehrere Tage später meldet sich eine Anwohnerin der Graf-Enno-Straße bei der Polizei. Sie habe länger schon kein Licht mehr in der Wohnung gesehen, sagt sie.

Das Unglück nimmt seinen Lauf: Die Polizei nimmt den Hinweis natürlich ernst. Man fährt zur Wohnung; kein Licht, keine Reaktion. Jetzt werden Krankenhäuser angerufen. In Emden, Norden, Aurich. Aber nicht in Leer. Die Beamten entschließen sich, die Türen zur Wohnung und zu einem Anbau von der Feuerwehr öffnen zu lassen. Das Einzige, was dort gefunden wird, ist ein Zettel mit der Telefonnummer der Hempels.

Dumm gelaufen

Eric Hempel will das Handeln der Frau nicht verurteilen, „Hilfsbereitschaft ist grundsätzlich ja gut.“ Er wundert sich aber: „Eine richtige Nachbarin ist das nicht. Sie wohnt schräg gegenüber und kennt meine Schwiegermutter allenfalls vom Sehen.“ Polizei und Feuerwehr macht er keinen Vorwurf: „Die Polizei hätte natürlich auch in Leer anrufen können, auch dort werden ja viele Emder behandelt. Aber es gibt keine festgelegte Vorgehensweise. Das ist einfach dumm gelaufen.“

Spielraum nicht genutzt

Für das Verhalten der Stadt Emden hat der Bingumer dagegen kein Verständnis: „Ich habe mit dem Dezernatsleiter telefoniert und gefragt, ob da nicht ein gewisser Spielraum wäre. Dieser hat mir erklärt: ,Sie geht doch auch nicht einkaufen und sagt an der Kasse, sie hat nicht genug Geld dabei und will aber die Sachen haben, die sie im Einkaufswagen hat.‘ Was ist das bitte für ein Vergleich? Wenn kein Geld da ist, dann geht sie halt nicht einkaufen bzw. kauft nur so viel ein, was sie bezahlen kann! Sie wird jetzt 56 Monate lang für etwas bezahlen, wofür sie nichts kann. Ist das sozial, in einer von Sozialdemokraten geführte Stadt?“

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung
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