Emden - Kleines Museum mit riesigem Fundus: Die Freunde der Seefahrt in der Emsstraße haben viel zu bieten, wenn es um Schiffe, Schifffahrt und Hafen geht. Doch die Crew, die die Einrichtung ehrenamtlich betreibt, ist in Sorge. Johann Alberts, Vereinsmitglied und als Berater an der Seite des Vorstands, stellte in einem Gespräch mit dieser Redaktion die Kernfrage: „Wie bekommen wir hier Leben rein?“
Das Problem: Der Altersdurchschnitt der Mitglieder liege bei 78 Jahren (der Älteste ist 92), sagt der 2. Vorsitzende Ernst Richter (82). Um die 115 Frauen und Männer zahlen einen Monatsbeitrag von drei, vier oder fünf Euro (wer möchte, gibt mehr). Allerdings besteht der harte Kern der Mannschaft aus gerade mal zehn Leuten. Für einen täglichen Museumsbetrieb auf Ehrenamtsbasis sind das „einfach nicht genug“, stellt Kassenwart Udo Wienstroer (57) fest. Folglich sind die Türen in der Emsstraße, hinter denen so manches maritime Schätzchen zu entdecken ist, nur dreimal in der Woche geöffnet, dann auch immer nur für drei Stunden. Entsprechend weniger Publikum findet den Weg in die Ausstellung auf 160 Quadratmetern, in der es so viel zu sehen gibt, wie anderswo in dreimal so großen Räumen.
Kritik an geringem Widerhall
„Dem Museum fehlt der Nachwuchs“, beklagt der 79-jährige Ingenieur Johann Alberts. Zudem sterbe die Berufssparte der deutschen Seeleute aus. Und Schiffe, die länger im Emder Hafen verweilen, kämen kaum noch. Auch das führe möglicherweise dazu, dass das Thema Seefahrt an Attraktivität verloren habe, vermutet Alberts, der früher selbst zur See fuhr und über 30 Jahre bei den Nordseewerken beschäftigt war, unter anderem als Leiter der Bordmontage. Er beklagt außerdem, dass Seefahrt bei der Stadt Emden „keinen Widerhall“ finde. Ein Beispiel dafür sei der gescheiterte Versuch, vor etwa 15 Jahren ein „Ostfriesisches Schifffahrtsmuseum zu Emden“ zu schaffen. Alberts: „Dagegen gab es zu viele Einwände.“ Hierzu war sogar ein Förderverein gegründet worden, der inzwischen aufgelöst sei.
Vom Bunkermuseum profitiert
Doch die Aktiven im Verein wollen sich von alledem nicht unterkriegen lassen. So soll die derzeit fast nicht vorhandene Präsenz in den sozialen Medien gestärkt werden. Udo Wienstroer kündigte an, dass man versuche, mit der Betreiberin einer Facebook-Seite („Seefahrtsfreunde – Freunde der Seefahrt“), Kontakt aufzunehmen. Dort wird zwar auf die Website des Vereins verwiesen und verlinkt. Die Museumsleute möchten aber gerne noch etwas präsenter sein. „Damit mehr Menschen den Weg zu uns finden“, betont Wienstroer. Und das hat das Haus bitter nötig. Die Pandemie hat den Verein schwer getroffen. Nur 155 Besucher kamen 2020, 246 waren es 2021. In normalen Jahren sind es etwa 800. Für dieses Jahr gehe der Trend wieder nach oben, freut sich Richter. Dass das Bunkermuseum nebenan nun schon länger geschlossen ist, trifft indirekt auch die „Freunde“. Wienstroer: „Wir haben vom Bunkermuseum profitiert. Es sind immer einige Besucher von dort zu uns gekommen.“
Neuer Vortragsraum
Der Internetauftritt der „Freunde“ ist ebenfalls nicht auf dem neuesten Stand. Zurzeit gibt es niemanden, der die Seite pflegt. Doch so jemanden brauche der Verein, dazu ein paar „zuverlässige und schwergewichtige Unterstützer“ – über die vorhandene Hilfe aus der Emder Schifffahrts- und Hafenszene hinaus, sagt Vorstandsmitglied Wienstroer.
Die Blicke auf den Verein und das Museum lenken soll eine weitere Neuerung: Vor einigen Monaten wurde ein Raum im Gebäudekomplex angemietet. Dort, dekoriert mit Schiffsmodellen und Flaggen von Reedereien und anderen Schifffahrtsunternehmen, haben bereits drei Vortragsveranstaltungen mit bis zu 30 Teilnehmern stattgefunden, zuletzt über das Atomschiff „Otto Hahn“. Möglichst einmal pro Monat wolle man dort etwas anbieten, um dem Museum neues Leben einzuhauchen. Ernst Richter: „Ideen gibt es genug.“
