Greetsiel - Wer Hans Schulz gegenüber steht, denkt sich unweigerlich: ein stattlicher Mann mit friesischer Kante. Diese Ausstrahlung könnte ihm zu einem spannenden Hobby verholfen haben: Er war und ist Komparse in mehreren Friesland-Krimis, erlebte die Stars hautnah, die ein Millionen-Publikum vors TV-Gerät locken. Sophie Dal, Maxi Mehmet oder Felix Vörtler, die in Leer und Greetsiel Verbrecher jagten, ist er begegnet und stellte fest: „Die sind wirklich nett!“ Sogar der ewig polternde Kommissar Brockhorst ist als Mensch ganz anders.

Der Friesland-Krimi „Gegenströmung“ war Anfang 2020 der erste, in dem Hans Schulz mitgewirkt hat, nachdem er „aus der Laune heraus“ auf die Ausschreibung einer Casting-Firma reagiert hatte. Über Zeit verfügte der 61-Jährige, war er doch kurz zuvor nach 43 Jahren als „Autobauer“ bei Volkswagen in vorzeitigen Ruhestand gegangen. Also meldete er sich an und wurde prompt genommen: als Fischhändler. Er weiß es ganz genau: Seine Szene kommt nach genau neun Minuten und drei Sekunden – und dauert gut 15 Sekunden. Da sieht man ihn, wie er im Greetsieler Hafen am Kai vor einem Kutter steht und auf dem Smartphone einem Mann etwas zeigt, zünftig im Blaumann mit Troyer, dunkler Mütze und weißem Bart. Ein echter Fischer eben, dessen 1,92 Meter Körpergröße im Hintergrund mehrfach auftaucht, während Hauptdarsteller Maxi Mehmet Leute befragt und dabei unversehens mitten im Satz auf einen ganz anderen Steg wechselt: rüber zum Yachtklub. Kintopp macht’s möglich.

Hans Schulz mit Julia Jentsch in Norden. Bild: privat

Hans Schulz mit Julia Jentsch in Norden. Bild: privat

Für den Miniauftritt verbrachte Hans Schulz den ganzen Tag am Drehort. Nachdem er morgens eine Einweisung und die Kleidung bekommen hatte, hieß es warten. Es gab Frühstück und immer Getränke, und mittags Essen vom Cateringwagen. Aber wegbewegen durfte er sich nur mit Erlaubnis: „Es gab einen Ansprechpartner, der war für uns Komparsen zuständig. Bei dem mussten wir uns abmelden.“ So sollte sichergestellt sein, dass jeder am Platz ist, wenn er gebraucht ist. Jede Zwangspause kostet viel Geld.

Dabei erlebte Hans Schulz auch mit, wie die Filmtechniker mit dem Wetter und dem Licht ringen mussten, wie manche Szenen ein Dutzend Mal abgedreht wurden. „Langweilig war mir nicht.“

Krimis von der Küste

Die Fernsehsendung Friesland ist eine TV-Reihe des ZDF und wird seit 2013 produziert. Die Krimis sind humorvoll angelegt und spielen in Leer, Greetsiel ist wegen seines Hafens aber ein häufigerer Drehort. Innenszenen entstehen oft, als in einem Kölner Studio. Bisher sind 14 Episoden ausgestrahlt worden. Parallel d

Parallel dazu gibt es seit 2017 auch die Ostfrieslandkrimis nach den Romanen des Schriftstellers Klaus-Peter Wolf, in denen die Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, gespielt unter anderem von Julia Jentsch, an der Nordseeküste ermittelt.

Die lange Zeit bot auch Gelegenheit, mit den Schauspielern ins Gespräch zu kommen, und Hans Schulz war entzückt. Felix Vörtler, alias Hauptkommissar Jan Brockhorst, zum Beispiel: „Das ist ein ganz Lustiger!“ Aber auch Sophie Dal und Maxi Mehmet zeigten sich ganz nahbar: „Da kamen keine Starallüren rüber.“ Eine ähnliche Erfahrung machte Hans Schulz auch bei einer anderen Serie: den Ostfriesland-Krimis nach Geschichten von Klaus-Peter Wolf. Als Komparse taucht er ganze drei Sekunden im Hintergrund auf, aber dafür kam er mit der Schauspielerin Julia Jentsch in der Cateringschlange ins Gespräch. Die prominente Darstellerin war auch zu einem gemeinsamen Bild bereit. „Sie war total nett.“

In Ostfriesland werden Komparsen für einen Filmdreh gesucht.

NACH DEM ROMAN „DÜNENTOD“ Komparsen für „explosiven“ Filmdreh in Ostfriesland gesucht

Aike Sebastian Ruhr
Ostfriesland

Noch einmal war der aus Visquard stammende Emder bei Dreharbeiten dabei: im vergangenen Sommer, als auch in Greetsiel der Film „Prima Klima“ abgedreht wurde – diesmal unter Corona-Bedinungen. „Da galt immer Abstand halten, und es waren viel weniger Komparsen dabei“, erinnert er sich. Diesmal werkelte er als Fischer auf einem Kutter mit Tauen herum, „ein Dutzend Mal“, bis die Szene im Kasten war. Der Film soll noch im ZDF erscheinen. Trotz der geringen Aufwandsentschädigung von knapp 100 Euro: Gerne will Hans Schulz wieder irgendwo dabei sein und auch mal ganz anders. Als Leiche bekommt man mehr Geld, hat er gehört: „Leiche? Warum nicht? Mache ich gern mal.“

Axel Pries
Axel Pries Ostfriesland-Redaktion/Leer