Emden - Fußball-Ästheten sollten sich vielleicht nicht unbedingt ein Abstiegsrunden-Duell zum Ansehen aussuchen. Das ist eine der Erkenntnisse aus dem Abstiegskrimi BW Borssum und FC Norden, bei dem man eher vergeblich auf besonders ansehnliche Szenen wartete. „Das war kein schönes Spiel“, stellte denn auch Borssums Trainer Thilko Boekhoff gegenüber dieser Zeitung fest: „Man merkte, dass es für beide um viel ging. Beide Teams standen sehr unter Druck.“ Es war vor allem Kampf, der das Spielgeschehen bestimmte, von Minute zu Minute mehr. Am Ende war das 2:2 -Endergebnis durchaus leistungsgerecht.

Für beide Teams wäre ein Sieg in dieser Begegnung tatsächlich ein großer Schluck aus der Punkte-Pulle gewesen, noch nicht abschließend entscheidend, aber richtungsweisend. Dabei hatte Norden ein kleines bisschen die Nase vorn, zwei Punkte mehr auf dem Konto, und einen 4:0-Sieg aus dem Hinspiel im Rücken. Nicht zuletzt deshalb waren die Gäste in den ersten 15 bis 20 Minuten deutlich zupackender nach vorne, kombinierten das eine oder andere Mal durchaus gefällig und kamen ein paarmal schnell vor das Borssumer Tor. Felix Janßen im Borssumer Kasten musste sich ganz schön anstrengen, um seinen Kasten sauber zu halten.

Borssum agierte in dieser Zeit deutlich nervöser, kam kaum aus der eigenen Hälfte und zu eigenen Angriffen. Ungenaue Zuspiele, schlechte Annahmen – also das, was einem unter Druck passiert – bestimmten das Borssumer Spiel. Der Führungstreffer der Gäste – Kevin Mennenga verwandelte – in der 21. Minute war nicht wirklich überraschend und resultierte aus einem halbherzigen gescheiterten Borssumer Angriff.

Borssum ging nun entschlossener und zupackender in die Zweikämpfe, spielten auch mal gezielt über mehrere Stationen statt auf gut Glück lange Bälle nach vorne. Von Minute zu Minute befreite sich Borssum mehr, während umgekehrt auch den Nordern manches nicht mehr gelang. Als in der 44. Minute nach einem schönen Angriff über die rechte Seite Brian Wienekamp eine Maßflanke annahm und zum 1:1 vollendete, war der Ausgleich absolut verdient.

In der 2. Halbzeit setzte sich die Tendenz fort. Borssum hatte nun seine wohl stärkste Phase, die von Wienekamps 2. Treffer in der 49. Minute schnell gekrönt wurde. Die Gäste waren immer mal für einen gefährlichen Vorstoß gut. Torwart Janßen war aber alles in allem auf der Hut und schnappe sich manchen Ball. Einer der Norder Angriffe führte ohne gravierende Feindeinwirkung zu einer Verletzung von Eugen Keller (50.). Die war so gravierend, dass ärztliche Hilfe gefragt war. Dankenswerterweise war Dr. Jan Gravemann wieder an der Bande, um seinen Sohn Jona Jan spielen zu sehen. Er versorgte den Verletzten soweit, dass er aufrecht das Spielfeld verlassen konnte. Das Spiel war gut sechs Minuten unterbrochen. Nicht nur das Spiel, sondern auch der inzwischen entstandene Borssumer Spielfluss. Gut fünf Minuten später dann ein Freistoß für Norden an der rechten Auslinie, etwa in Strafraum-Höhe. Der Ball kommt mustergültig in den Strafraum, Jens Bakker verwandelte zum 2:2. Danach verflachte die Partie zunehmend. Jetzt wurde mehr als deutlich, dass es für beide um viel ging.  Tore: 0:1 Kevin Mennenga (21.), 1:1 Brian Wienekamp (44.), 2:1 Wienekamp (49.), 2:2 Jens Bakker (64.) BW Borssum: Janßen - Beccard, Böse (79. Docter), Gravemann (68. Jakobs), Özcelik, Janßen (46. Handschuh), Hühn, Siemers, Börchers, Watermann (46. Schipper), Wienekamp