Emden - An die Zeit, als die Fußballer von BW Borssum nicht in der Bezirksliga gespielt haben, können sich nur noch die alten Hasen erinnern. Seit mehr als 20 Jahren gehören die Emder zu dieser Spielklasse wie die Butter zum Brot. Der Verein wird deshalb auch gerne als Bezirksliga-Dino bezeichnet. In dieser Saison aber muss das Urgestein zittern. Zwei Spiele vor Schluss steht man auf einem Abstiegsplatz.
Was in dieser Spielzeit schief lief, warum die Borssumer sauer sind und wieso sie vor den beiden entscheidenden Spielen dennoch Hoffnung schöpfen, darüber sprach diese Zeitung mit dem Teammanager der 1. Herren, Christian Fraas.
Warum sind die Borssumer so sauer ?
Ihre Wut richtet sich gegen die Splittung der Liga und die Einteilung in eine Auf- und eine Abstiegsrunde. „Das ist wirklich der pure Hass gegen dieses System“, sagt Fraas. Der Grund: Die Borssumer haben in der Hinrunde allein elf Punkte gegen Mannschaften gemacht, die später in der Aufstiegsrunde gelandet sind. Diese Punkte (vier gegen Larrelt, vier gegen Holtland, drei gegen Pewsum) brachten dem Emder Bezirksliga-Dino aber letztlich rein gar nichts, weil in der Abstiegsrunde nur Punkte berücksichtigt wurden, die gegen andere in der Abstiegsrunde spielenden Teams erzielt wurden. „Ich glaube, in einer Tabelle nach dem alten, normalen System würden wir nicht über den Abstieg reden“, so der Teammanager.
Nur ein Beispiel: Gegen Germania Wiesmoor gewann Larrelt im letzten Hinrundenspiel in aller letzter Sekunde auch wegen eines Fehlers des Germania-Torwarts, der einen indirekten Freistoß verursachte. Den wiederum versenkte Larrelt, zog sensationell in die Aufstiegsrunde ein und beförderte Wiesmoor in die Abstiegsrunde. Für Borssum wiederum bedeutete das aber: vier Punkte weniger (gegen Wiesmoor hatte man keine Punkte gemacht) - nur wegen eines einzigen Torwartfehlers.
Am Ende fehlen insgesamt sogar elf Punkte. Fraas: „Das ist eigentlich unfassbar, wie willst du das aufholen? Das System ist einfach so wurstig.“
Was stimmt den Dino dennoch optimistisch ?
Die Geschlossenheit der Mannschaft. „Wir haben eine sehr hohe Trainingsbeteiligung. 19 Leute waren beim letzten Mal da“, sagt Fraas und ergänzt: „Alle haben Bock, das Ruder herumzureißen.“
Gleichzeitig weißt die Tendenz seit der Übernahme des Cheftrainerpostens von René „Charly“ Dörfel durch Thilko Boekhoff nach oben. In vier Spielen verzeichnete Blau-Weiß zwei Siege und ein Unentschieden. Nur das 0:1 bei der Spielvereinigung Aurich tat weh.
Für die Borssumer spricht auch: Sie können Abstiegskampf! 2017 bewiesen sie Nervenstärke und sicherten die Klasse im letzten Spiel mit einem 2:1-Erfolg gegen das Topteam Germania Leer. Mit auf dem Platz damals: ein gewisser Thilko Boekhoff. Und: Die Emder haben noch alles selbst in der Hand.
Was bereitet den EmdernBauchschmerzen ?
Sie schießen einfach zu wenig Tore. Das liegt unter anderem daran, dass Offensiv- und Aktivposten Ibrahim Balhas seit Monaten verletzungsbedingt fehlt. Aber auch die Abwesenheit von Jörn Arbeit (beruflich in Köln) und Lars Lautenbach (verletzt) ist spürbar. Mit Kapitän Hendrik Jakobs (verletzt) fehlt zudem in der Defensive ein stabilisierender Faktor. Und damit nicht genug. Mit Levin Dörfel (FSJ in Norwegen) und Fofana Zokora (Frankreich) sind im Laufe der Saison zwei weitere Stammspieler während der Saison verzogen oder ausgefallen.
Auf dem Platz stehen deshalb bei BWB auch viele talentierte Nachwuchsspieler, die vor kurzem noch in der A-Jugend spielten oder sogar noch spielen (Jendrick Engelke und Mirco Tempel). Das muss zwar kein Nachteil sein, doch ist der Druck im Abstiegskampf sicherlich auch nicht ideal für junge Spieler.
Was steht an - wie sieht das Restprogramm aus ?
Borssum hat jetzt noch zwei Endspiele. Zunächst geht es an diesem Sonntag um 15 Uhr zum TuS Weene. Gewinnen die Emder dieses Spiel, kommt es am Samstag, 4. Juni, um 15.30 Uhr auf dem Fußball-Platz am Wykhoffweg zum Showdown mit der Spielvereinigung Aurich. Weene ist nominell der leichtere Gegner, aber Fraas warnte schon ganz eindringlich davor, sich zu sehr auf das letzte Spiel zu konzentrieren und den Gegner zu unterschätzen. „Jetzt heißt es erst einmal: Volle Konzentration auf Weene.“
