Emden - Die Frauenmannschaft des BSV Kickers Emden hat sich geschlossen dazu entschieden, ihr Team aus der Bezirksliga abzumelden. Damit verschwindet der BSV nach über 50 Jahren von der Frauenfußball-Bildfläche. Dazu bezog der BSV-Vorsitzende Dr. Jörg Winter im Gespräch mit dieser Zeitung bereits Stellung. Nach seiner Meinung habe der Verein seiner Frauenmannschaft aus sportlicher Sicht eigentlich alles ermöglicht. Aber ist das auch der Fall? BSV-Trainerin Doreen Buß ist anderer Meinung und nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Ich komme ganz aus Moormerland und habe vor zwei Jahren die Mannschaft übernommen, nachdem sich die Spielerinnen selbst darum bemühen mussten, eine neue Trainerin zu finden. Jörg Winter kenne ich überhaupt nicht. Der war auch bei keiner Sitzung, die wir mit dem Vorstand hatten, mit dabei. Er hat sich bei mir nicht mal vorgestellt. Das ist schon echt traurig. Ich habe nur Kontakt zu Albert Ammermann gehabt“, sagte Buß.

Das Winter gegenüber dieser Zeitung äußerte, dass die Spiele der Frauenmannschaft nach Möglichkeit im Stadion stattfinden konnten und ihnen sogar ein neuer Trikotsatz gesponsert wurde, empfindet die Trainerin als eine Frechheit. „Nach dem ’DDR gegen Ostfriesland-Spiel’ stand noch ein Bierwagen auf dem Feld, woraufhin wir unser Spiel absagen mussten. Ab Ende September mussten wir zudem auf dem Schlackeplatz oder dem B-Platz trainieren“, kritisierte Buß, deren Mannschaft nach ihrer Aussage demnach einige Male im Dunkeln trainieren musste. „Dass Jörg Winter jetzt auch noch aufführt, dass die Damen nach dreizehn Jahren einen neuen Trikotsatz bekommen haben, ist eine Frechheit“, sagte Buß. Die Trainerin habe im Februar bereits das Gespräch zum 2. Vorsitzenden Albert Ammermann gesucht und gesagt, dass sich die Mannschaft nicht wertgeschätzt fühle. „Aber Winter tut ja so, als hätten wir von heute auf morgen einfach zurückgezogen“, kritisierte Buß weiter.

Stattdessen haben laut Buß die Vorkommnisse am vergangenen Wochenende das ohne hin schon volle Fass einfach zum Überlaufen gebracht. „Der Verein hat versucht, uns nach Ihlow auszuquartieren, weil die erste Herren ein Spiel gehabt hat und es Überschneidungen bei der Kabinenbelegung gab. Aber mir hätten dann für die zweite Halbzeit in Ihlow fünf Leute gefehlt. Dann habe ich gesagt okay, dann ist für mich an dieser Stelle Feierabend“, sagte Buß. Sie habe erst dem Vorstand mitgeteilt, dass sie nicht mehr weitermachen wird und dann ihrer Mannschaft, die sich geschlossen dazu entschied, ebenfalls hinzuschmeißen. „Dann habe ich den Vorstand darum gebeten, die Mannschaft mit sofortiger Wirkung abzumelden“, bestätigte Buß, die nach eigener Aussage noch immer fassungslos und traurig ist. „Aber es ging einfach nicht mehr. Wir mussten jetzt die Reißleine ziehen. Kickers hat das Problem, dass sie immer nur nehmen, nehmen, nehmen, aber nichts zurückgeben. Ich habe mein Gehalt von den letzten zwei Monaten noch nicht einmal. Die reden sich alles schön und schön ist hier nichts. Was ich in diesen knapp zweieinhalb Jahren erlebt habe, ist unglaublich.“

Buß betonte noch einmal, dass ihr vor allem die Mannschaft leid tut. „Das ist so eine tolle Truppe und die hat es einfach nicht verdient, wie Luft behandelt zu werden.“ Die Trainerin betonte aber auch noch einmal, dass die Mannschaft vor gehabt habe, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen, „aber das was am letzten Wochenende passiert ist, war dann einfach noch mal das Tüpfelchen auf dem i“, sagte Buß.

Auch BSV-Spielerin Sonja Ysker meldete sich kurz zu Wort: „Nach insgesamt über 19 Jahren bei Kickers, tut mir das im Herzen weh. Natürlich bin ich tieftraurig, dass Kickers nach 52 Jahren jetzt keine Frauenmannschaft mehr hat. Aber es war die richtige Entscheidung.“ Doch wie geht es nun weiter für die Spielerinnen? „Die Mannschaft hält zusammen und sucht sich geschlossen einen neuen Verein“, bestätigte Buß, die ihren Spielerinnen bereits mitgeteilt hat, dass auch sie diesen Weg mitgehen wird.

Carmen Böhling
Carmen Böhling Emder Zeitung