Emden - Es ist gar nicht so einfach, das Glockenspiel auf dem Emder Rathausturm zum Klingen zu bringen – auch nach 22 Jahren nicht. So lange schon sorgt Michael Schunk nämlich dafür, dass das Glockenspiel erklingt. Doch, weil die Glocken zeitversetzt auf das Spiel am Keyboard – ja, genau, hinter dem Glockenspiel verbirgt sich ziemlich viel Elektronik – reagieren, ist bei Schunk besondere Konzentration gefordert. „Die Hände werden so schwer wie Blei“, sagt der ehemalige Geigenlehrer der Musikschule.
Geschenk an die Stadt
Dass er überhaupt live spielt, das ist dem inzwischen gestorbenen Emder Bernhard Brahms zu verdanken. „Der hat sich das damals für die Adventssamstage gewünscht“, erinnert Schunk. Brahms hatte das Glockenspiel im Jahr 2000 seiner Heimatstadt in Gedenken an den größten Bombenangriff auf die Stadt am 6. September 1944 geschenkt. Schunk übernahm die musikalische Verantwortung, sorgt bis heute dafür, dass es mehr als 100 Melodien – dann allerdings gesteuert über einen Computer – zu hören gibt. Am ersten Adventssamstag sitzt er hingegen zum 23. Mal selbst an den Tasten. Ab Punkt 11 Uhr gibt es in diesem Jahr allerdings eine Besonderheit: Schunk hat ein kleines Liederrätsel arrangiert, das er zum Auftakt spielen will. „Dann sollen die Zuhörer mal raten, welches Lied das ist.“
Zweites Konzert
Im Anschluss wird er dann rund 15 Minuten lang klassische Weihnachtslieder spielen. Und, wie könnte es anders sein, gehört natürlich bei einer solchen Tradition „Alle Jahre wieder“ selbstverständlich dazu. Übrigens: Das beste Klangerlebnis gibt es laut Schunk in der Brückstraße, dort sei das Spiel besonders gut zu hören. Und wer an diesem Samstag keine Zeit hat, der kann das Live-Glockenspiel noch einmal am vierten Adventssamstag erleben. Dann haut Schunk erneut in die Tasten.
