Greetsiel - Die Sommersaison gilt unter Touristikern in der Krummhörn als gut verlaufen, doch mit fortschreitendem Herbst und sich leerenden Straßen drängt zunehmend die Frage: Was tun, wenn die steigenden Gaspreise bei abnehmender Urlauberzahl die Kosten wachsen lässt? Lohnt sich da noch der Hotelbetrieb? Karsten Eilers betreibt in Greetsiel seit Jahrzehnten gleich zwei Hotels, und für ihn sei das keine Frage, betont er im Gespräch: „Ich habe die Preise etwas angehoben, aber ich habe den Winter über offen.“ Eine Schließung, wie sie bei den Vermietern von Ferienwohnungen diskutiert und zum Teil praktiziert wird, könnte ihn in mehrfacher Hinsicht teuer zu stehen kommen.
Schwierige Kalkulation
Er sei auch schon von Kollegen gefragt worden, erzählt Karsten Eilers, der die Hotels „Witthus“ und „Hohes Haus“ mitten in dem Urlauberdorf betreibt. „Einer rief an und sagte: Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Offenbar gebe es einige Unsicherheit im Gewerbe, aber es bleibe wohl nichts anderes: „Wir müssen die bittere Pille schlucken.“ Aber erstens fiele die Alternative für das Gastro-Gewerbe wahrscheinlich noch teurer aus, und zweitens sei es gar nicht nur der Gaspreis der drückt. Das Gewerbe bekomme die gesamte Palette der Inflation zu spüren. Aktuell zum Beispiel seien die Preise für Speiseöl und Butter stark gestiegen. Bei der Preisgestaltung für seine Speisekarten versuche er halt eine Mischkalkulation, die solche Spitzen auffängt.
Gestiegener Mindestlohn
„Wir müssen die bittere Pille schlucken“: Karsten Eilers im Gespräch. Bild: Archiv/aep
Und dann komme noch der gestiegene Mindestlohn hinzu. „Wir sind nun mal ein sehr personalintensives Gewerbe“, sagt der Gastronom. Da seien die Kosten für Wärme nur ein Faktor in der Kostenkalkulation. Gestiegene Mindestlöhne wirkten sich nicht nur dort aus, wo sie gezahlt werden – sondern hätten zur Folge, dass auch höhere Löhne steigen, weil sie sonst nicht mehr zur Arbeit reizen. In der Gastronomie gebe es unter dem Strich einen Anstieg der Personalkosten von sieben bis zehn Prozent.
Das Personal zu halten, sei ein weiterer Grund, den Betrieb über den Winter aufrecht zu halten: „Wir hatten die Schließung während der Corona-Pandemie, da kann ich die Leute jetzt nicht schon wieder nach Hause schicken. Das heißt für sie wieder Kurzarbeit.“ Viele von ihnen rechneten aber auch mit dem Trinkgeld, das es nur mit Gästen gibt. So etwas sagt der Gastronom nicht nur aus Fürsorge für seine Leute, sondern auch aus Sorge, es könnte noch mehr Personal in andere Branchen abwandern. Gerade erst hatte er viel Mühe darin investiert, den Betrieb fürs Personal attraktiver zu machen, etwa durch mehr Mitbestimmung bei den Arbeitszeiten. Und eine weitere Investition kam gerade zur rechten Zeit: Die Küche sei komplett auf Strombetrieb umgestellt worden.
Moderate Steigerung
Die Hotels und Restaurants bleiben also auf, und nun hofft Karsten Eilers auf einen guten Winter. Mit einer „moderaten Preissteigerung“ wolle er den Kosten begegnen, erklärt er. Das geht so: „Ich habe die kompletten Kosten zusammen errechnet und daraus den Preis übers Bauchgefühl zurückgerechnet.“ Heraus kam eine Preisanhebung von etwa sechs bis sieben Prozent. Damit müsse er halt auskommen: „Einen kompletten Inflationsausgleich gibt es nicht.“ Aber der Winter könne sich auch immer noch lohnen. Silvester zum Beispiel seien seine Häuser bereits wieder ausgebucht. Da könnte eher noch wieder das Corona-Virus zwischenfunken, das sich aktuell erneut ausbreitet. Bei so viel Unwägbarkeiten, kann er auch ebenso weitermachen, sagt der Gastronom nach der Zukunft. „Wirklich abschätzen, was noch kommt, kann doch eh keiner.“ Vielleicht, so sinniert er, gibt es ja wegen der Gaspreise auch eine Unterstützung. „Im Frühjahr sehen wir dann weiter.“
