Emden - Eigentlich war Jonah Spethmann am Freitagabend mit seinen Freunden verabredet. Der 16-Jährige war schon fast aus der Tür, als der Alarm losging – und damit der erste große Feuereinsatz für den frischgebackenen Feuerwehrmann aus Wybelsum startete. Vor eineinhalb Monaten hat Jonah seinen Eid abgelegt, bei einem Sturmeinsatz Anfang des Jahres schon einmal ein paar Äste von der Straße geräumt.
Keine Zeit für Fotos
Aber ein Großbrand mit voller Alarmbereitschaft aller Feuerwehren in Emden bis spät in die Nacht, das war für den jungen Nachwuchsbrandschützer eine Premiere. „Ich hatte schon eine gewisse Angst“, gibt er im Gespräch zu. Die war aber schnell vergessen, als er gemeinsam mit seinen Kameraden den Taxusweg 2 in Borssum erreichte – denn da gab es einiges zu tun. Und Jona übernahm dabei eine wichtige Aufgabe: Er brachte die geretteten Haustiere, die ihm die Atemschutzträger in die Hände drückten, zu ihren Besitzern zurück.
Für ein Foto während des Einsatzes war deshalb keine Zeit. „Ich muss die Katze zu ihrem Besitzer bringen“, sagte er am Freitagabend, während er das ängstliche Tier in den Armen hielt. Gemeinsam mit einem Bewohner des durch die Flammen zerstörten Hauses, machte er sich auf die Suche und konnte im Laufe des Abends zwei Katzen und zwei Kaninchen an ihre Besitzer zurückgeben.
Ralf Spethmann behielt seinen Sohn dabei immer im Blick. Denn auch er ist Feuerwehrmann. Vor rund fünf Jahren traten Vater und Sohn gemeinsam in die Feuerwehr ein. Jona damals noch in die Jugendwehr. Aus der ist er inzwischen rausgewachsen.
Mit 16 Jahren ist er allerdings noch zu jung, um beim Brandeinsatz ganz vorn mit dabei zu sein. Wie wichtig aber auch die Arbeit im Hintergrund ist, dürften die glücklichen Tierbesitzer bestätigen, die am Freitagabend ihre Wohnungen verloren haben, aber zumindest ihre Haustiere lebend in Empfang nehmen konnten.
Brille geholt
Für Jonah endete der Einsatz aber nicht mit seinem Haustiereinsatz. Eine Bewohnerin hatte ihre Brille in der Wohnung nicht mehr greifen können und war ohne die Sehhilfe mehr oder weniger aufgeschmissen. „Sie hat uns genau erzählt, wo die Brille liegt und ich bin dann mit meinem Papa rein, als das Haus nicht mehr brannte.“ Was sich dem Jungen präsentierte, war eine Erdgeschosswohnung, die voller Wasser stand. „Und die Frau hatte mir erzählt, dass sie erst kurz vorher alles renoviert hatten“, berichtete der junge Feuerwehrmann. Zumindest die Brille konnte er für die Bewohnerin retten.
