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Kampagne energieeffizientes Bauen und Sanieren Emder Rat ist sich bei grünen Hausnummern nicht ganz grün

Stephanie Schuurman
Preis für energieeffizientes Bauen und Sanieren: Die Grüne Hausnummer.

Preis für energieeffizientes Bauen und Sanieren: Die Grüne Hausnummer.

Torsten von Reeken

Emden - Die Stadt Emden will jetzt auch an der landesweiten Auszeichnungs-Initiative „Grüne Hausnummer“ teilnehmen und damit vorbildlich gebaute und sanierte Wohngebäude prämieren. Doch schon während der Ankündigung entbrannte am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser rein symbolischen Kampagne. Chancen auf die neue Vorzeige-Hausnummer haben nur die allerwenigsten Privathäuser, so der Tenor. Die Stadt verteidigte dagegen den Vorbildcharakter der Aktion.

Tatsächlich ist die Hürde hoch, die die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen für die gläserne Plakette stellt. Ein Neubau muss annähernd in Passivbauweise errichtet sein, zumindest aber KfW 40 erreichen und damit deutlich über dem Standard-Richtwert für energetisches Bauen liegen. Auch ein Bestandsgebäude muss mindestens als Effizienzhaus saniert werden, um diese Auszeichnung zu bekommen, wie Emdens Klimaschutzmanager Jann Gerdes erläuterte: „Insgesamt soll die grüne Hausnummer Vorbildwirkung für energetisches Sanieren erzeugen.“

Region unterrepräsentiert

Zudem sei man in der Region, was diese Auszeichnungen betrifft, noch etwas unterrepräsentiert. 1529 grüne Hausnummern sind seit 2015 in inzwischen 24 Regionen in Niedersachsen vergeben worden. Im Landkreis Aurich, der seit vergangenem Jahr bei der Kampagne mitmacht, waren es 2021 neun Plaketten, 2022 schon 21. Kosten entstünden der Stadt dabei wenig, nur die Anträge müssten bearbeitet werden.

Mit einer Antragsflut rechnet aber wohl zunächst auch niemand, wenngleich diese Auszeichnungen auch schon in Emden von Bauherren nachgefragt wurden, wie Stadtbaurätin Irina Krantz sagte. Insgesamt käme die grüne Hausnummer beispielsweise „den Zielen im Baugebiet Conrebbersweg stark entgegen“. In diesem Neubaugebiet ist fossile Wärmetechnik bereits im Bebauungsplan ausgeschlossen, es gibt eine „solare Pflicht“ zur Wärmeversorgung.

„Aber wer kann sich KfW-40-Standard leisten?“ fragte Grünen-Ratsherr Christian Nützel. Er selbst habe diese Hürde beim Hausbau nicht genommen. „Belohnt werden nur die Betuchten“, kritisierte er. Viel wichtiger als die Plakette sei es, das Handeln und Tun der Bürger beim Energieverbrauch ins Auge zu nehmen und zu fördern. Für ihn verfehlt die Initiative „ein bisschen das Ziel“.

SPD-Ratsherr Harald Hemken ging noch einen Schritt weiter und schloss KfW 40 bei den aktuellen Baupreisen generell aus. „Das ist utopisch, das kann sich niemand leisten.“ Auch für eine entsprechende Sanierung winkte er ab und machte dies am Beispiel der 1200 Bestandsgebäude der Emder Baugenossenschaft Selbsthilfe fest, deren Vorsitzender er ist. „Das können wir nicht leisten.“ Die Anforderungen der Politik an Immobilienbesitzer sei enorm, gleichzeitig gebe es „null Fördertöpfe“. Und wenn jemand sanieren wolle, scheitere er schon am Mangel an modernen Wärmepumpen und daran, dass auch die Handwerksbetriebe zur Umsetzung „nicht in der Lage sind“. Zuletzt sei die Selbsthilfe an einem entsprechend energetischen Modernisierungsvorhaben deshalb gescheitert.

SPD-Ratsherr Andreas ten Hove sieht ohne Förderung wenig Chancen für die grüne Hausnummer. „Nur die Glasplatte ist wenig attraktiv.“

Keine Patentlösung

Eine Patentlösung in dieser Frage erkennt auch Fachbereichsleiter Rainer Kinzel nicht. Er warb dennoch für die Hausnummer-Aktion, weil sie dazu beitrage, die „sportlichen Ziele“ von Bund und Land zur angestrebten Klimaneutralität in 20 Jahren umzusetzen. Die Stadt Emden leiste schon viel, beispielsweise durch die Programme in Port Arthur/Transvaal, Borssum zuletzt im Rahmen des Quartierskonzepts Wallring. „Als Kommune können wir aber nicht alles machen“, sagte Kinzel. Die grüne Hausnummer sei in diesem Zusammenhang symbolhaft nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Ganz praktisch aber bot Kinzel Hemken Unterstützung für Pilotprojekte der Selbsthilfe an. „Wir schauen dann, was möglich ist.“

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