Pewsum - Wenn Helmut Bensing in diesem Sommer sich etwas vornimmt, dann hat das wahrscheinlich etwas mit dem Fahrrad zu tun, nicht mehr mit dem Heimatverein in Pewsum wie in den vergangenen Jahrzehnten. Nach 22 Jahren gibt er bei der nächsten Hauptversammlung nämlich den Vorsitz ab. „Es reicht“, stellt er in einem Gespräch fest, in dem er aber auch zufrieden auf sein Wirken im Vorstand zurückblickt. „Wir haben den Verein belebt.“
Das war eines seiner Hauptziele, als er 2000 den Vorsitz übernommen hat – nach zehn Jahren als Stellvertreter des langjährigen Vorsitzenden Peter G. Janssen. In den Vorstand war er als Mitglied der Volkstanz- und Trachtengruppe gekommen, die gerne stärker im Verein vertreten sein wollte.
Heimatverein als Veranstalter
Der damalige Vorstand, „eine ganz tolle Truppe“, erinnert er sich, wollte den Heimatverein im Dorfgeschehen mehr präsentieren und das Museum in der Manningaburg zugänglicher machen, insbesondere auch für Kinder. Das gelang: Seither haben neben verschiedensten Gruppen auch viele Schulklassen das altehrwürdige Gemäuer besucht, und der Heimatverein ist als Veranstalter oder Gastgeber in Pewsum längst nicht mehr wegzudenken.
Gerne denkt der Vorsitzende an die Auftritte der Opernsänger „Voice Passions“ zurück. Die Sänger aus der Gruppe von Maria Callas waren bei Freunden klassischer Musik weit über die Krummhörn hinaus sehr beliebt. Allein: „Wir konnten die Abende finanziell nicht mehr leisten“, erklärt Helmut Bensing. Ins Schwärmen gerät er bei einem Rückblick auf die „Burgnacht“, die der Heimatverein mehrere Jahre bis 2016 veranstaltete: buntes Programm rund um die Burg mit stimmungsvollen Konzerten von der Freilichtbühne im Garten. „Das war eine tolle Sache“, meint Helmut Bensing, der immer im Organisationsteam dabei war. Ein kleineres Burgfest gilt als Ersatz.
Burgknappen reparieren die Burg
Auf die Neuerungen, die auch intern unter seinem Vorsitz entstanden sind, ist er heute schon ein bisschen stolz, erzählt der 76-Jährige, der beruflich gelernter Fotograf war und sich später bei VW zum Abteilungsleiter hocharbeitete. Die „Burgknappen“ gehören dazu: eine Arbeitsgemeinschaft von Männern, die die Burg mit kleinen Reparaturen in Schuss hält. Die weibliche Gruppe der „Burgfeen“ kümmert sich zum Beispiel um die Reinigung und steuert bei Veranstaltungen das Gebackene bei.
Im Mittelpunkt der Arbeit standen und stehen die Ausstellungen. Auch da sei es ihm wichtig gewesen, Neuerungen einzuführen. Das Kirchenzimmer, die Gelbe Kammer, das Burgenzimmer: „Das haben wir alles neu gestaltet.“ Auch die Ausstellungen wurden erneuert – vor allem jene über Hermine Heusler-Edenhuizen (1872-1955), Deutschlands erste Frauenärztin aus Pewsum. Ein ganzes Zimmer erinnert an die mutige Frau – mit ihr als lebensgroßer Figur mittendrin.
Sorge um die Pewsumer Mühle
Das gut besuchte Mühlenfest täuschte zu Pfingsten über ein Sorgenthema des Heimatvereins hinweg: die marode Mühle. Sie war geschlossen, weil Wasser eingedrungen war. „Das ist alles nass dort.“ Dadurch seien auch Ausstellungsstücke zerstört worden – und Abhilfe sei nicht in Sicht. „Wir wissen nicht, wie das weitergehen soll.“ Bei dem Thema grollt der Vorsitzende mit der Gemeinde, die eine private Mühle unterstütze, aber die eigene verkommen lasse. „Das tut weh“.
Seinen designierten Nachfolger Detlef Meyer-Rongelraths, derzeit noch Schriftführer, gibt er gewissermaßen einen Rat mit, wenn er als Erfahrung feststellt: „So ein Museum muss sich ständig erneuern. Es braucht immer etwas Neues.“
Er selbst wird nicht mehr dabei sein, sondern sich mit seiner Frau Waltraut der zweiten großen Passion widmen: dem Radfahren. Auch das ist eine Erfahrung aus 33 Jahren als Vorsitzender: „Ohne die Frau geht das nicht.“
Eine Ausstellung erinnert in der Burg an Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen, Pewsums berühmteste Tochter. Bild: Axel Pries
