Emden - Das Magazin „Stern“ prüft, wie es in Zukunft mit seinem Gründer Henri Nannen umgehen soll. Dazu gehört nach Angaben des neuen Stern-Chefredakteurs Gregor Peter Schmitz unter anderem die Frage, ob der gebürtige Emder und Kunsthallen-Gründer Henri Nannen (1913 – 1996) weiterhin Namensgeber der Hamburger Journalistenschule und eines der renommiertesten deutschen Journalisten-Preise („Nannen-Preis“) bleiben kann.
NDR-Beitrag
Außerdem stellt Schmitz in Frage, ob Nannen im Impressum des Stern weiterhin als Gründungsherausgeber genannt werden kann. Hintergrund sind vermeintlich neue Rechercheergebnisse zur Vergangenheit des Kunsthallen-Stifters im Nationalsozialismus, die der NDR kürzlich ausgestrahlt hatte. Danach war Nannen während des Zweiten Weltkrieges in leitender Funktion in der Nazi-Propagandaabteilung „Südstern“ tätig, die für antisemitische, sexistische und rassistische Flugblätter verantwortlich gemacht wird.
Nichts Neues?
Nach Einschätzung des Stern-Chefredakteurs hat der NDR-Bericht zwar nicht grundlegend Neues über die Nazi-Vergangenheit Henri Nannens ans Tageslicht gebracht. Tatsächlich gibt es seit Jahren Berichte und Hinweise auf bestimmte Tätigkeiten Nannens während des Dritten Reiches. Auch eine kritische Biografie des früheren Spiegel-Journalisten und Buchautors Hermann Schreiber (1929 – 2020) „Henri Nannen – Drei Leben“ hatte bereits 1999 diese Lebensphase Nannens ausführlich behandelt. Aber auch Nannen selbst hat sich zu Lebzeiten immer wieder zu seiner Rolle in der Nazi-Zeit geäußert.
Jetzt aber hat der NDR Propaganda-Bilder zu Tage gebracht, die nicht nur der Stern-Chefredakteur Schmitz als „eklig“ bezeichnet. Die Flugblätter der Nazi-Abteilung bedienen alle antisemitischen Klischees gegen Juden, die man sich vorstellen kann. Das will der Stern, der in der Vergangenheit bereits öfters über die Rolle seines Gründers berichtet hatte, erneut zum Anlass nehmen, „noch kritischer als bisher auf den komplizierten Menschen Nannen“ zu schauen, so Schmitz.
„Stern“ geht noch weiter
Dabei sei auch die Frage zu klären, ob „die oft angeführten Argumente zu seinen Gunsten noch taugen: dass so viele andere Deutsche auch oder schlimmer schuldig geworden sind, dass er nach dem Krieg die deutsche Demokratie durchlüftet hat“. Und der Stern geht noch weiter: „Wir werden, wie schon länger geplant, anlässlich des 75. Geburtstags des Stern alle Facetten seiner Tätigkeit in den Nazijahren von Fachleuten untersuchen lassen – und auch eine mögliche Einflussnahme Nannens auf die spätere Berichterstattung im Stern.“
Das sei keine Demontage und erst recht keine Kampagne. „Es ist das, was der Journalist Henri Nannen Generationen von Journalistinnen und Journalisten aufgetragen hat: den Dingen auf den Grund zu gehen“, so Stern-Chefredakteur Schmitz.
