Hinte - In der kommenden Woche soll sich doch etwas tun auf dem nach wie vor still liegenden Gelände am Hinter Kirchgang. Ein Bagger, so erklärt Bürgermeister Uwe Redenius auf Anfrage, wird Löcher graben, um zu sehen, wie es im Untergrund aussieht, der wahrscheinlich Hintes Jahrhunderte alte Geschichte enthält. Das ist der Grund, warum die Bauarbeiten für das neue Areal bislang nicht starten konnten. Doch die Archäologen von der Ostfriesischen Landschaft betonen auf Nachfrage, dass dieser erste Bagger nicht der Auftakt zu Grabungen mitten in Hinte sein soll. „Denkmalschutz heißt nicht gleich ausgraben“, sagt Dr. Sonja König, Leiterin der Archäologischen Abteilung. Vielmehr solle das, was im Boden steckt, vor Veränderungen geschützt werden.
Historisches Zentrum
Da könnte durchaus einiges aus Hintes früher Geschichte zusammenkommen, denn das Areal liegt im historischen Zentrum mit Kirche und Burg, wo das Dorf seinen Anfang nahm. „Es ist eine Wurt“, stellt sie fest. Das heißt, es gibt verschiedene Schichten, die nach unten immer älter werden. Heißt auch: Je tiefer der Untergrund, desto historischer fällt aus, was dort verborgen ist. Jetzt gelte es herauszufinden, wo die archäologischen Schichten beginnen.
Drei Löcher zur Probe
Die leerstehenden Häuser im Hinter Kirchgang verfallen langsam. Bild: Axel Pries
Dazu unternimmt die Gemeinde jetzt in Begleitung eines Grabungstechnikers von der Ostfriesischen Landschaft die Prospektionen zwischen den leerstehenden Häusern des Hinteraner „Schandflecks“, wie das Areal zwischen Osterhuser Straße und Hinter Kirchgang längst genannt wird. Dazu gräbt ein kleiner Bagger drei Löcher, die einen Einblick in die Beschaffenheit des Untergrunds erlauben. „Der Grabungstechniker guckt, wie die Strukturierung ist“, erklärt Sonja König. Er sei dafür ausgebildet, zu erkennen, wo es wirklich spannend werden könnte: „Er erkennt, was die fraglichen Parameter sind.“
Die Neugestaltung der Hinter Ortsmitte – oder auch Alt-Hinte – plant die Gemeinde bereits seit zehn Jahren. 2013 hat die Gemeinde begonnen, systematisch Gebäude auf dem Areal anzukaufen, um Hinte im Kern ein besseres Ortsbild zu verschaffen. 2018 beschloss der Gemeinderat, dort ein Wohn- und Geschäftsviertel bauen zu lassen.
Seit dem 1. April stehen alle sieben Häuser zwischen Osterhuser Straße und Hinter Kirchgang leer – manche bereits seit Jahren, weshalb das Ensemble einen heruntergekommenen Eindruck hinterlässt. Zu dem Datum war auch der DRK-Ortsverband ausgezogen und benötigte ein halbes Jahr, um eine neue Bleibe zu finden.
Das sei denn auch schon alles, was gegraben wird, meint die Archäologin. Ihre Abteilung sei lediglich Dienstleister für den Denkmalschutz. Und wie tiefgründig Grabungen sind, sei schlicht eine Frage der Aufgabe. In Hinte gehe es nur darum, im Zuge des Denkmalschutzes zu schützen, was als Denkmal im Boden liegt. „Wir möchten die Mächtigkeit der Schichten, ihre Struktur und Erhaltungsbedingungen ergründen, um feststellen zu können, welche archäologischen Maßnahmen notwendig sind.“
Ergebnis noch offen
Danach müsse über das Ergebnis mit dem Investor gesprochen werden, denn davon hänge ab, wie tief der geplante Neubau den Boden darunter beeinflussen darf. Heißt: Fangen die archäologischen Schichten ab einer Tiefe von 80 Zentimetern an, darf nur so tief abgetragen oder mit Pfählen abgestützt werden. Das Ergebnis sei derzeit noch völlig offen: „Wir erwarten in Hinte nichts Spezielles, es ist eben eine Wurt.“
Genau darin liegt aber die Krux, lässt der Bürgermeister aus den bisherigen Verhandlungen durchblicken. Der Bauinvestor, die Büter GmbH, hat mit einem großen Gebäude für Wohn- und Geschäftsräume den Zuschlag erhalten, über dessen Realisierung verhandelt werde, wenn die Ergebnisse der jetzigen Schürfungen Ende November vorliegen. „Wir sind mit dem Investor und der Kreisverwaltung im Gespräch“, sagt Uwe Redenius. Dabei stehe ein Wille im Vordergrund: „Alle wollen, dass es weitergeht.“
Als Schandfleck gilt die Gasse Hinter Kirchgang bereits länger. Bild: Axel Pries
