Hinte - Die Pläne sehen gewaltig aus, mit denen das marode Areal Hinter Kirchgang durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden soll. Seit April stehen die Häuser in „Alt Hinte“ leer, könnten abgerissen werden. Aber es tut sich nichts, und es sieht danach aus, dass auch in nächster Zukunft keine Bagger anrollen werden – geschweige denn, dass dort etwas Neues entsteht. Grund ist die Vergangenheit der Ecke Osterhuser Straße und Brückstraße, im Volksmund schon längst „Schandfleck“ genannt.
Bei der Unteren Bauaufsichtbehörde sieht man das Grundstück mit anderen Augen: „Das Vorhabenareal befindet sich am nördlichen Rand der historischen Dorfwarft Hinte. Bei der Wurt handelt es sich um ein Bodendenkmal“, erklärt die Pressestelle der Kreisverwaltung auf Nachfrage.
Das hat Folgen, geht aus der Antwort des Kreises hervor: „Wurten stehen als Kulturdenkmal (...) generell unter Schutz. Aufgrund des vorgesehenen Eingriffs in das Bodendenkmal bedarf es seiner Voruntersuchung durch den Archäologischen Dienst in Form von Prospektionen mittels Baggerschurfen. Gegebenenfalls müssen diese durch Bohrsondageuntersuchungen ergänzt werden. Jegliche Erdarbeiten müssen im Beisein einer archäologisch versierten Fachkraft erfolgen, dies betrifft auch den Rückbau der Bestandsbauten.“
Suche nach alten Siedlungsresten
Ein Bauantrag für ein Mehrfamilienwohnhaus mit 20 Wohneinheiten und zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss liegt der unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises vor, erklärt die Kreisverwaltung. Den hat die Büter GmbH gestellt, die im Oktober 2020 mit einem Entwurf des Emder Architektenbüros Nexxia von Hintes Gemeinderat den Zuschlag zur Gestaltung des Areals erhalten hatte.
Eine Neugestaltung der Hinter Ortsmitte – oder auch Alt-Hinte – plant die Gemeinde bereits seit zehn Jahren. 2013 hat die Gemeinde begonnen, systematisch Gebäude auf dem Areal anzukaufen, um Hinte im Kern ein besseres Ortsbild zu verschaffen. 2018 beschloss der Gemeinderat, dort ein Wohn- und Geschäftsviertel bauen zu lassen.
Seit dem 1. April diesen Jahres stehen alle sieben Häuser zwischen Osterhuser Straße und Hinter Kirchgang leer – manche bereits seit Jahren, weshalb das Ensemble einen heruntergekommenen Eindruck hinterlässt. Zu dem Datum war auch der DRK-Ortsverband ausgezogen und sucht seither eine neue Bleibe.
Heißt: Wenn die maroden alten Gebäude abgerissen sind, werden erst einmal Archäologen den Untergrund auf mögliche Siedlungsreste untersuchen, ehe neu gebaut werden kann. „Es handelt sich um eine Erhöhung, und die sind meistens nicht natürlich“, erläutert Dr. Sonja König vom Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft den wissenschaftlichen Hintergrund. Vermutet werden also Reste früherer Besiedlung. Die Institution werde im Auftrag der Baubehörde aktiv.
Ob und wann es soweit überhaupt kommt, ist aber auch noch offen, erklärt die Kreisverwaltung. Denn das Areal liege, so heißt es wörtlich: „in direkter Nachbarschaft und in Sichtweite zweier überregional bedeutsamer Baudenkmale, so dass auch der Umgebungsschutz (...) zu berücksichtigen ist.“ Vor dem Abriss der Gebäude müsste erst einmal eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde eingeholt werden, der eine denkmalrechtliche Prüfung der Gebäude vorausgeht. Das sei mit dem Investor, der Büter Bauunternehmen GmbH in Ringe, auch so besprochen worden.
Noch kein Antrag auf Prüfung da
Allerdings: Es sei bislang vom Investor, der das Grundstück unlängst im Eigentum hat, noch gar kein Antrag auf eine solche Untersuchung und Genehmigung gestellt worden, erklärt die Kreisverwaltung. „Daher kann weder über die Genehmigungsfähigkeit noch über gegebenenfalls erforderliche Untersuchungen eine Aussage getroffen werden.“ Ob und wann die Büter GmbH einen solchen Antrag stellt, ist aktuell unbekannt. Mehrere Anfragen bei dem Unternehmen blieben unbeantwortet.
Antworten auf solche Fragen wünscht sich auch Bürgermeister Uwe Redenius. Auch der Rathauschef erklärt, ihm sei auf Nachfrage kein Termin für einen Baubeginn genannt worden . Aber das soll sich ändern: In Kürze soll es ein Treffen zur Klärung geben.
