Emden - Damit hat wohl kaum jemand aus den Reihen des Emder Rates unbedingt gerechnet: Da sollte am Mittwochabend das neue Jugendparlament ganz offiziell aus der Taufe und die 15 jungen Abgeordneten mehr oder weniger feierlich ins Mandat gehoben werden, da fielen plötzlich alles andere als feierliche Worte. Da wurden „unschöne Erfahrungen“ andeutet, von einem „holpriger Start“ berichtet und sogar von „einigen Fraktionen“ gesprochen, die die jungen Leute einfach haben sitzen lassen. Auch die Verwaltung und die Emder Schulen standen plötzlich gar nicht mehr so gut da.
Ole Falbe heißt der junge Mann, der mit seinem kurzen Bericht über die monatelange Aufwärmphase und Aufbauarbeit der Jugendvertretung das Zusammenraufen zwischen dem Emder Politik-Establishment und dem politischen Nachwuchs eingeläutet hat. Denn während sich die CDU-Fraktion während der Ratssitzung am Mittwoch mit großer Geste an die jungen Leute ranwarf, ging die FDP erst einmal in Abwehrhaltung. Fraktionschef Erich Bolinius sah sich gezwungen, die Kritik der Jugendlichen zurückzuweisen, wofür er wiederum von der SPD-Fraktion einen Rüffel bekam, er solle die jungen Leute doch erst einmal machen lassen.
Tatsächlich sind die Jugendlichen während der vergangenen Wochen, als es um die Kandidatenwerbung und um das Bekanntmachen des Jugendparlaments ging, offenbar nicht überall auf offene Türen gestoßen. Das musste auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff für seinen Zuständigkeitsbereich durchaus einräumen. Aber das soll ja alles besser werden. Am Ende überwogen dann auch wieder die großen Worte, um allseits zu betonen, wie wichtig es ist, junge Menschen für Politik zu interessieren. Den krönenden wie oft bemühten Satz fand der Ratsvorsitzende Gregor Strelow, dem aufgefallen war, dass „die Jugend unsere Zukunft“ ist.
In diesem Umfeld werden sich jetzt also 15 junge Menschen im Alter zwischen 13 und 21 Jahre bewegen, um ihre Anliegen möglichst nah an die Politik und Verwaltung zu bringen. Entsprechend entschlossen nahmen sie auch die Ernennungsurkunde in Empfang. Die Berufung des neuen Jugendparlaments ist am Mittwochabend übrigens einstimmig von Rat beschlossen worden.
