Emden - Die Phase, in der die Hochgeschwindigkeitstechnologie Hyperloop ein exotisches Projekt einer Gruppe von Studenten der Hochschule Emden/Leer und der Universität Oldenburg war, ist beendet. Dabei liegt ihre erste Teilnahme an dem weltweit vom Tesla-Gründer Elon Musk ausgerufenen Wettbewerb rund um die Hochgeschwindigkeits-Technologie per Magnetschwebeverfahren erst wenige Jahre zurück. Und während Musk offenbar auf seinem Space X-Gelände in Los Angeles die Lust an dieser emissionsfreien und klimafreundlichen Technologie verloren hat, nimmt sie hierzulande richtig Fahrt auf. Sie steht längst auf sehr professionellen Beinen – und das sogar weltweit.
Im Wettbewerb darum, wer dabei die Nase vorn haben wird – etwa 100 Stützpunkte weltweit gibt es aktuell, zehn forschen konkret in Europa – haben sich die Provinz Groningen und das Land Niedersachsen jetzt zusammengetan. Die unterzeichnete eine Absichtserklärung zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit klingt sperrig, ist aber inhaltsstark.
Zur Marktreife
Basis der Unterzeichnung sind Gespräche für den Auf- und Ausbau von Testinfrastrukturen auf niederländischer und deutscher Seite sowie die bereits bestehende Zusammenarbeit der norddeutschen und niederländischen Partner im „Hyperloop Development Program (HDP)“. Im HDP bündeln die Partner, die niederländischen Ministerien für Wirtschaft und Klima sowie für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, die Provinz Groningen und eine Gruppe von Industriepartnern sowie Wissens- und Forschungseinrichtungen die Anstrengungen, Hyperloop als sicheres, nachhaltiges und kommerziell tragfähiges Hochgeschwindigkeitstransportmittel zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen, so die Hochschule Emden/Leer.
Bald nach Lathen
Und die Entwicklung ist bereits weit vorangeschritten. So ist aktuell eine 460 Meter lange Teströhre in Veendam im Aufbau. 2023 soll sie samt Weiche fertig sein. Gleichzeitig wird in Groningen ein Testzentrum mit einer 2,6 Kilometer langen Röhre aufgebaut. Und auf deutscher Seite könnte die 32 Kilometer lange Transrapid-Strecke zwischen Lathen und Dörpen ein „Upgrade“ bekommen, wie Professor Walter Neu sagt. Zumindest könnte schon bald Material für die Transportröhre im Emsland getestet werden, erklärte Professor Thomas Schüning. Dabei sollen auch die Ergebnisse der Forschung der unterschiedlichen Schwebetechnologien aus Groningen einfließen. „Unser Wunsch ist es, schnell nach Lathen zu gehen“, so Schüning. „Abhängig von der Finanzierung ist die Teststrecke schnell einsetzbar. Sie wartet nur auf den Hyperloop.“
Testinfrastruktur
Auf den genauen Zeitpunkt, wann auch auf deutscher Seite mit Überschallgeschwindigkeit Dinge oder gar Menschen durch die Röhre geschickt werden, wollen sich die beiden Professoren der Hochschulen Emden/Leer und Oldenburg noch nicht festlegen. Aber die kommenden drei Jahre sind schon fest verplant. So soll die Entwicklung des Hyperloops mit mehreren Projekten vorangetrieben werden. Das IHT, geleitet von den beiden Professoren, konzentriert sich auf den Bereich Logistik sowie die Standortvoraussetzungen für eine EU Hyperloop-Großforschungsanlage. Parallel dazu ist die Hochschule in die Projekte „ePIcenter“ sowie „EU HyTeC“ eingebunden, in denen sich unter anderem Lukas Eschment als Doktorand mit dem Warentransport der Zukunft und der Realisierung einer europaweiten Hyperloop-Testinfrastruktur beschäftigt. Auf niederländischer Seite befasst sich das Unternehmen Hardt, das in Delft bereits eine kurze Testsektion betreibt und die Groninger Teststrecke plant, insbesondere mit der Routenentwicklung.
Und glaubt man den visionären Bildern der am Freitag gezeigten Präsentation der Forscher, werden in wenigen Jahrzehnten Reisen zwischen München und Berlin, Amsterdam und Hamburg binnen einer Stunde möglich sein. Ijzebrand Rijzebol, Beigeordneter für Wirtschaft und Finanzen der Provinz Groningen, der nahe Delfzijl lebt, sprach sogar von nur einer Minute. Jedenfalls für die zehn Kilometer bis Emden. Dafür brauchte er am Freitag allerdings noch eine Stunde.
