Emden - Um es vorweg zu nehmen: Eigentlich will niemand aus seinem Stadtteil wegziehen. Über 90 Prozent der durch das EZ-Vorort-Team Befragten leben gerne in Barenburg oder Harsweg. Und dennoch kamen einige der Anwohner dieser Stadtteile am Mittwochvormittag eigens zum Stand der Emder Zeitung vor dem Edeka-Markt in die Geibelstraße, um ihrem Ärger deutlich Luft zu machen. Alle Themenbereiche wurden dabei von der Müllproblematik insbesondere in Barenburg überschattet.
Falsche Tonnen
Von allgemein mangelnder Sauberkeit war die Rede, aber auch ganz konkret von einer falschen Handhabung mit Mülltrennung und Tonnen, die entweder zu groß, zu präsent, zu ungeschützt, vor allem aber viel zu früh vor dem Abholtag an die Straße gestellt werden – und viel zu spät wieder zurück. Wenn es denn überhaupt Mülltonnen gibt. Denn vielfach seien die Gelben Säcke das Hauptübel, da Raben weit vor der Müllabfuhr an Ort und Stelle sind, um den Müll dann über Straßen und Plätze zu verteilen.
Initiativen
Warum dieses bereits seit Jahren bestehende Problem nicht in den Griff zu bekommen ist, ist für viele ein Rätsel. Dabei gibt es durchaus Ansätze und Initiativen, die sich immer wieder damit befassen, wie Heidemarie Heyer am Stand sagte. Die Gemeinwesen-Arbeiterin geht beispielsweise einmal die Woche mit Freiwilligen durch Barenburg und sammelt Müll auf. Auch Berendine Bamminger, die mit anderen Ehrenamtlichen eine Mieterberatung im Stadtteil aufrechterhält, sieht Fortschritte bei diesem Thema. Sie rät Kritikern der großen Mülltonnen, erst einmal abzuwarten, ob sich die Müllgebühren mit dieser Lösung, die manche Immobilienverwaltungen jetzt umsetzen, tatsächlich teurer werden.
Frage des Vermieters
Die Problematik konzentriere sich insbesondere auf Bereiche in der Neuen Heimat, richtig schlimm sei es in der Gorch-Fock-Straße, wie einige Besucher des EZ-Stands anmerkten. Sie sehen die Schuld bei den Immobiliengesellschaften, die ihren Mietern „keine Ordnung“ beibringen würden. Ganz anders sei dies bei der Wohnungsbau-Genossenschaft „Selbsthilfe“. Sie bekam unisono Lob von allen Mietern. Dort werde darauf geachtet, dass die Mieter gute Abstellmöglichkeiten für die Tonnen haben. Dort würde „nirgends Müll 365 Tage lang“ auf der Straße stehen.
Alter Stadtteil und Neues
Die Stand-Besucher machten allerdings auch Unterschiede zwischen Alt-Barenburg, Neue Heimat und dem neuen, eher „anonymen“ Kasernenwohnviertel aus. Insbesondere in Alt-Barenburg wurde die herzliche Nachbarschaft gelobt. Aber auch in der Neuen Heimat gibt es durchaus Bereiche, wo die Nachbarschaft eine besonders gute sei. Dies betonte beispielsweise Karl Acker. Der 80-jährige Aktivposten des Stadtteils (unter anderem Mieterberatung) hat zusammen mit seinen Nachbarn beispielsweise einen der gepflegtesten Vorgärten in der Neuen Heimat.
Stadtteilfeste
Acker bedauerte nur die lange Corona-Zeit und die damit verbundene Pause von Stadtteilfesten und anderen, gemeinsamen Aktivitäten. Den nächsten großen Weihnachtsbaum habe er für den Stadtteil aber schon bestellt. Er appellierte an die Stadtteilbewohner, sich auch bei der kommenden Bürgervereinssitzung zu engagieren, der am 30. Juni einen neuen Vorstand wählen muss, sich anderenfalls auflöst.
Nicht barrierefrei
Kritik gab es noch zu Teil-Bereichen der Straßen in Barenburg, wenngleich sehr wohl angemerkt wurde, dass dort schon vieles verbessert worden ist. Allerdings sei in manchen Bereichen der Gehweg auf der Strecke geblieben (Schnedermannstraße). So monierte eine 92-jährige Dame, dass sie dort mit dem Rollator nicht barrierefrei laufen könne. In der Freiligrathstraße sei dagegen die Straße gut gemacht, bei Starkregenereignissen würden jedoch weiter die Keller voll Wasser laufen.
Gute Nahversorgung
Insgesamt schnitt Barenburg bei der Bewertung der Infrastruktur aber sehr gut ab. Vom Kulturbunker als Gemeinschaftshaus über den Supermarkt, die Apotheke, die Bäckereien bis hin zur neuen Eisdiele wurde viel gelobt. Und die ärztliche Versorgung sei mit dem Krankenhaus inmitten des Stadtteils auch noch gesichert.
Bau- statt Bolzplatz
Ähnlich positiv wird die Infrastruktur in Harsweg bewertet, woher nur wenige Bewohner an den Stand der EZ in den Nachbarstadtteil kamen. Diese hatten aber auch konkrete Anliegen. So verstehen zwei Damen nicht, dass nun wegen ein paar Bauplätzen der Bolzplatz geschlossen wird, obwohl durch Generationenwechsel junge Familien zuziehen. Und sie verstehen nicht, warum öffentliche Rasenplätze von der Stadt gemäht werden, ohne vorher den Müll aufzusammeln – den es durchaus auch auf Harsweger Straßen gibt – und mitmähen. „So entsteht bei uns Mikroplastik“.
Nelkenweg unter Wasser
Probleme werden in Harsweg auch bei der Oberflächenentwässerung gesehen, insbesondere im Nelkenweg. Und offenbar würden manche Verkehrsteilnehmer auch die Schlafampelanlage am Friedensweg falsch nutzen. Sie warten häufig unendlich auf Grün, weil sie die mit einer Kamera gekoppelte Haltelinie überfahren.
Die Harsweger lobten ihren Stadtwald und die kurzen Wege, auch der Bürgerverein wurde positiv bewertet. Auch sie leben am liebsten in Harsweg. Als Alternative kam bei einer Dame nur New York in Betracht.
Am Mittwoch, 29. Juni, ist ein EZ-Team von 10 bis 12 Uhr in Wolthusen vor Ort.
