Emden - Der weit verbreitete Ladenleerstand in der Emder Innenstadt wird sich so bald nicht grundlegend ändern. Das ist die Einschätzung des Einzelhandelsverbandsvorsitzenden Bernd Gröttrup. „Das wird so gehen, bis Corona vorbei ist“, sagte Bernd Gröttrup auf Nachfrage gegenüber dieser Zeitung. Andere, wie der Emder Gastronom und Ladenbesitzer Onno Marahrens, ruft bereits jetzt Mitstreiter dazu auf, Eigeninitiative und Ideen zu entwickeln. „Immer nur zu schimpfen, bringt uns nicht weiter“, so der Betreiber des „Heimat“-Lädchens.
Wie berichtet, stehen aktuell über 20 Verkaufsflächen in der City leer. Gröttrup sieht diese Situation allerdings nicht als Emder Phänomen. „Das sieht in ganz Deutschland so aus“, sagte er. Zurzeit stehe für jedes Handelsunternehmen über allem die Frage, wie man durch die schwierige Zeit der Pandemie kommt. „Und bei Expansions-Planungen sind kleinere Standorte nicht die ersten auf der Liste“, so Gröttrup.
Das bekommt Gröttrup nicht zuletzt anhand seiner eigenen Immobilie in der Neutorstraße 34 zu spüren. Eine ernstzunehmende Mietanfrage für das große Lokal, in dem zuletzt C&A war, gebe es bislang nicht. Es liefen zwar immer mal wieder Gespräche, „aber es muss auch passen“, sagte Gröttrup. „Wenn Interessenten meinen, es für ein Drittel der Miete zu bekommen, die man vor Corona hatte, und dann am besten auf 20 Jahre fest, geht es nicht.“
Das gelänge allenfalls dort, wo der Mietpreis inzwischen mächtig unter Druck stünde. So erkläre es sich zumindest, warum inzwischen auch in 1a-Lagen Geschäftsideen umgesetzt werden, die dort bislang keine Chance hatten, beispielsweise der neue Bubble-Tea-Laden neben Tchibo. „Es gibt immer so Wellen“, sagte Gröttrup. Und was in Großstädten funktioniert, komme dann eben auch irgendwann nach Emden. Mit derartigen Modeerscheinungen hätte auch Hausbesitzer Onno Marahrens sein kleines Ladengeschäft Zwischen beiden Märkten füllen können. Dort, wo lange Zeit eine Sikken-Filiale und zuletzt ein Kiosk untergebracht war, verkauft Marahrens seit Juni vergangenen Jahres Produkte aus der Region. „Ich hätte ohne weiteres an einen Billig-Frisör oder Nagelstudio vermieten können, Anfragen gab es genug“, sagte Marahrens. „Aber wir wollten etwas Langfristiges auch für die Stadt.“
Gemeinsam mit seiner Schwester entstand dann die Idee, an zentraler Stelle all’ die Lebensmittel anzubieten, die hier produziert werden: Emder Matjes, Thiele-Tee, Kaffee von Baum, Käse aus Pilsum und Twixlum, Wein aus Leer und nicht zuletzt die Nordseebrause, die Marahrens selbst vertreibt. Außerhalb der Saison ist der Laden jetzt an drei Tagen die Woche geöffnet. Eine Teilzeit-Kraft und zwei Minijobber haben eine Anstellung gefunden.
Und der Laden läuft, wie Marahrens sagt. „Hier werden so tolle Produkte hergestellt, doch nirgendwo sonst bekommt man alles.“ Käufer seien nicht nur Touristen, auch Emder gehören schon zu den Stammkunden, etwa um Präsentkörbe mit Heimat-Produkten zum Verschenken zu kaufen. Marahrens hat damit ganz offensichtlich eine Marktlücke entdeckt. Und das ist genau das Rezept, das auch die Stadt unterstützt. So vermittelte zuletzt City-Managerin Martje Merten „Lokale auf Zeit“. Diese haben sich allerdings nicht lange gehalten.
