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Insektenfreundliches Emden Umdenken beim Thema Stadtgrün

Freuen sich über die erfolgreiche Bewerbung: Frank Gaupels, Irina Krantz und Jannes Utecht (von links).

Freuen sich über die erfolgreiche Bewerbung: Frank Gaupels, Irina Krantz und Jannes Utecht (von links).

Ute Lipperheide

Emden - Die Stadt Emden hat erfolgreich an einem bundesweiten Label-Verfahren „StadtGrün naturnah“ teilgenommen und wurde entsprechend zertifiziert. Ausschlaggebend dabei ist nicht die Beurteilung – Emden bekam die Punktzahl für Bronze –, sondern vor allem das Bewusstsein für eine naturnahe Anlage von öffentlichen Grünflächen. Das wurde bei einem Pressegespräch deutlich. Die Emder sind „haarscharf“, wie es Stadtbaurätin Irina Krantz formulierte, an einer Silberauszeichnung vorbeigeschrammt. Es fehlten 22 Punkte.

Dass die Teilnahme ein Erfolg war und auch die zukünftige Arbeit beeinflusst, darauf verwiesen Krantz sowie der Leiter der Grünflächenabteilung im städtischen Bau- und Entsorgungsbetrieb, Jannes Utecht, und Frank Gaupels vom Ökowerk. Mit dem Ökowerk und den örtlichen NABU-Vertretern gibt es bei diesem Vorhaben einen engen Austausch.

Artenvielfalt

Im Vorfeld für die Zertifizierung „StadtGrün–naturnah“ war eine umfangreiche Dokumentation über naturnahe Pflegepraktiken, Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Bestandserfassung, Umweltbildung und anderes notwendig, um sich entsprechend bewerben zu können. Diese Bewerbungsunterlagen wurden in Emden gemeinsam von den Mitgliedern der lokalen Arbeitsgruppe erarbeitet. Die Grünen im Emder Rat hatten 2019 die Stadt aufgefordert, sich an der Zertifizierung zu beteiligen.

Das Label

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) förderte das Projekt „StadtGrün – Artenreich und Vielfältig“ mit dem Label „Stadtgrün naturnah“ seit 2016 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Seit Ende 2021 wird es selbstständig vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ weitergeführt.

Entstanden ist das Label im Rahmen des Kooperationsprojekts „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sowie fünf Partnerkommunen Neu-Anspach, Kirchhain, Wernigerode, Frankfurt am Main und Hannover. Um eine größtmögliche Praxistauglichkeit zu gewährleisten, war an der Entwicklung des Labels auch eine projektbegleitende Arbeitsgruppe beteiligt.

Ziel ist es, Anreize zur naturnahen Bewirtschaftung öffentlicher Grünflächen zu geben. Die Kampagne wirbt außerdem innerhalb der Bürgerschaft für eine größere Akzeptanz naturnah gestalteter Grünflächen.

Die teilnehmenden Orte können das Label in drei Kategorien erhalten: Gold, Silber und Bronze. 56 Ortschaften haben in dieser Runde teilgenommen, und 22 von ihnen bekamen das Label.

Der Rückgang der Artenvielfalt ist seit Jahren erschreckend. Im Rahmen des Labels erhält die Stadt viele Hinweise, wie das Stadtgrün naturnaher und insektenfreundlicher gestaltet werden kann. In Zusammenarbeit mit dem Ökowerk werden demnächst beispielsweise zwei zwei Meter hohe Insektenhotels im Stadtgebiet aufgestellt. „Wir haben eine lange Trockenhecke am Wall Richtung Neues Theater angelegt und zahlreiche Blühinseln geschaffen“, betonte Utecht. Auch Stadtbäume sollen, sofern es der Untergrund zulässt, mehr Platz zum Wurzeln bekommen. „Wer in den letzten heißen Tagen einmal unter einem großen Baum stand, der weiß, wie angenehm das Klima dort ist“, betonte Stadtpressesprecher Eduard Dinkela, der auch Forstwirt ist.

Staudenbeete und Blühwiesen

Die Stadt fördere auf den innerstädtischen Flächen die Artenvielfalt, indem weniger Mähgänge auf öffentlichen Grünflächen durchgeführt werden, absterbende Bäume, wo sie keine Gefährdung darstellen, als Lebensraum für Käfer, Fledermäuse und Vögel erhalten bleiben und indem Bürger aktiv bei Grünprojekten eingebunden werden. Krantz: „Das ist ein langer Prozess, an dem stetig weitergearbeitet wird.“ Sichtbar werde diese neue Sicht auf Stadtgrün vor allem anhand der Staudenbeete und Blühwiesen in verschiedenen Teilen des Stadtgebiets (unter anderem auf dem Friesenhügel).

Das Ziel für die nächste Zertifizierungsrunde wurde auch schon mal formuliert: Dann wollen die Emder Silber erlangen.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung
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