Emden - Er ist stolz auf sich, wenn er es auch nicht so offen zeigt: Der 26-jährige Mahmud Ibrahim kam vor sieben Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Es verschlug ihn nach Cirkwehrum. Mittlerweile spricht er gut Deutsch, hat den Führerschein gemacht und seit Anfang des Jahres auch seine Ausbildung abgeschlossen – im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Es war ein langer Weg, bei dem ihn viele unterstützt haben. An erster Stelle nennt er Wolfgang Henkelmann. Der pensionierte Gymnasiallehrer nahm ihn unter seine Fittiche. Ibrahim war von Anfang an klar, dass er hier in Ostfriesland nur ankommen kann, wenn er die Sprache versteht. Also büffelte er mit Henkelmann Deutsch. Und auch noch auf eigene Kosten an der Volkshochschule. Da er nach sechs Monaten eine Arbeitserlaubnis hatte, jobbte er nebenbei. Nichts Spektakuläres, kleine Mini-Jobs, um Geld zu verdienen.
In Hinte spielte er Fußball
Doch was nützt die Sprache, wenn man keine Leute kennt. Ibrahim ging zur Feuerwehr in Cirkwehrum, schloss sich zudem dem TuS Eintracht Hinte an. „Ich habe dort Fußball gespielt“, erzählt er. Über Miriam Krawietz und Jan-Aiko van Hove kam er zur Emder Laufgemeinschaft, bei der er seit 2016 Mitglied ist. Seine vielen Starts in Emden und umzu brachten ihm schnell das Prädikat „ein neuer Stern am Läuferhimmel“ ein. Das schmeichelte ihm einerseits, andererseits ist ihm die Platzierung am Ende nicht ganz so wichtig. Sein Credo: „Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.“ Richtig heißt sportlich für ihn nicht automatisch, dass er als erster die Ziellinie überqueren muss.
Weiterkommen ist aber nicht nur sportlich seine Devise. Ibrahim machte sich früh Gedanken, wie es beruflich weitergehen soll mit ihm. „Ich wollte einen Beruf lernen und bin deshalb zur Arbeitsagentur gegangen.“ Anschluss fand er bei der Firma Zimmer und probierte dort dieses und jenes aus. Der Job als Anlagenmechaniker sagte ihm zu und die Firma nahm ihn schließlich als Auszubildenden.
Auf die Frage, was in der Ausbildung schwer war, sagt Ibrahim: „Alles war schwer.“ Aber: „Meine Lehrer waren alle nett, haben mich unterstützt und waren immer hilfsbereit.“ Das ging ihm in der Firma ebenso. „Die Ausbildung und die Kollegen waren super.“ Auch im Privatleben hat der gebürtige Eritreer keine Probleme. „Warum auch“, sagt er. „Ich bin ein offener Mensch.“ Und die BBS II, an der er den theoretischen Ausbildungsteil vermittelt bekam, hat sich „Schule ohne Rassismus“ auf die Fahnen geschrieben. Ibrahim s kann nur unterstreichen, dass es genauso ist.
Nun fährt er als Geselle raus
Seit ein paar Wochen darf Mahmud Ibrahim als Geselle zu den Kunden. Nicht mehr mit der Firma Zimmer, er ist jetzt bei Radloff und Bahr angestellt. Auch dort ist das Klima untereinander sehr gut, die Arbeit macht ihm sehr viel Spaß. Jetzt kann er vor allem wieder seinem Sport nachgehen, das war während der Ausbildung eher schwierig. „Nach der Schule oder der Firma habe ich gelernt und mich zuletzt auf die Prüfung vorbereitet.“
Beruflich will er jetzt ordentlich Erfahrungen sammeln, sportlich möchte er die Zeit von 32 Minuten über die zehn Kilometer knacken. Und privat? Da wird er eher still. Denn seine Flucht aus einem Land, das als Diktatur eingestuft wird, heißt für ihn auch, dass er seit Jahren seine Eltern und Geschwister nicht mehr gesehen hat. Er möchte gerne die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. „Dann kann ich vielleicht etwas beruhigter nach Eritrea reisen.“ Zurzeit müsste er damit rechnen, das man ihn dort einfach verschwinden lassen würde. Auf diese skrupellose Praxis im Umgang mit Bürgern Eritreas, die in anderen Staaten um Asyl gebeten haben, hat unter anderem Amnesty International bereits mehrfach hingewiesen.
